Gegen die unter Betrugsverdacht stehende Dresdener Firmengruppe um Infinus und Future Business werden neue Vorwürfe laut. Ein früherer Infinus-Manager und sein Rechtsanwalt legen gegenüber FONDS professionell detailliert offen, wie das Konglomerat Versicherungsgeschäfte genutzt haben könnte, um die Geschäftszahlen in einem besseren Licht erscheinen zu lassen.

Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt gegen mehrere Topmanager und Aufsichtsräte des Firmenverbundes wegen des Verdachts auf Betrug. Die Beschuldigten sollen bei der Ausgabe von Orderschuldverschreibungen in Verkaufsprospekten unrichtige Angaben zur Vermögens- und Ertragslage der Emittenten gemacht haben. Betroffen sind nach Schätzungen der Staatsanwaltschaft rund 25.000 Anleger mit einem Investitionsvolumen von etwa 400 Millionen Euro. Sechs Führungskräfte von Infinus und Future Business sitzen in Untersuchungshaft.

Aus Kosten werden Gewinne
Noch ist nicht klar, was die Ermittler den Beschuldigten konkret vorwerfen. Aus Kreisen der Staatsanwaltschaft wurde jedoch bestätigt, dass die seltsamen Deals mit Goldsparplänen, über die FONDS professionell schon Ende September berichtet hatte, eine wichtige Rolle spielen.

Zur Erinnerung: 2011 und 2012 hat die Infinus AG Ihr Kompetenz-Partner dem eigenen Mutterkonzern Future Business KG auf Aktien (Fubus) Edelmetallsparpläne verkauft. Fubus überwies die Kosten von zwölf Prozent der geplanten Investitionen an einen österreichischen Sparplananbieter, dieser leitete 11,9 Prozent als Provision an Infinus weiter. Im Ergebnis blähte das Geschäft die Fubus-Bilanz auf: Die Anschaffungsnebenkosten wurden in den Sachanlagen verbucht, die Provisionen der Infinus landeten dank eines Gewinnabführungsvertrages als Gewinn in den Fubus-Büchern. Ein Infinus-Vorstand räumte diese Geschäfte im September in Grundzügen gegenüber FONDS professionell ein. Im Jahresabschluss sind sie aber nicht offengelegt.

Vorab gezahlte Provision lässt Bilanz glänzen
Ähnlich könnte es – vor allem in den Jahren vor den Sparplan-Deals – auch mit Lebensversicherungen gelaufen sein, so der Vorwurf des früheren Infinus-Vermittlers Franz Brem (61). Trifft es zu, was er und sein Dresdener Anwalt Friedrich Cramer (53) berichten, funktionierte das Modell schematisch so: Future Business kaufte Lebensversicherungen auf und führte diese – anders als häufig verlautbart – nicht bis zum Laufzeitende weiter, sondern kündigte zumindest einige Policen. Mit dem freigewordenen Geld wiederum schloss Fubus neue Renten- oder Lebensversicherungen ab. Als Vermittler trat die eigene Tochtergesellschaft Infinus auf. Sie kassierte von den Versicherern hohe Provisionen, die bei der Fubus wiederum den Gewinn aufblähten. Eine Anfrage von FONDS professionell bei der Sprecherin der Infinus-Gruppe mit der Bitte um Stellungnahme am Dienstagnachmittag blieb unbeantwortet.

Die Versicherungs-Deals würden auch erklären, warum Infinus über viele Jahre hinweg so sensationell hohe Umsatzrenditen ausweisen konnte: In den fünf Jahren von 2006 bis 2011 lag diese Renditekennzahl Berechnungen von FONDS professionell zufolge im Schnitt bei 53,4 Prozent. Für 2012 liegt kein Einzelabschluss der Infinus AG Ihr Kompetenz-Partner mehr vor, sondern nur noch ein Konzernabschluss der gesamten Gruppe. Von solch hohen Renditeziffern können die Vorstände anderer Maklerpools nur träumen. In der Regel reichen Maklerpools die Provisionen fast vollständig an ihre Vermittler weiter. Wenn der Pool allerdings selbst Versicherungen verkauft, bleibt die Provision im Haus.
1384274474.jpgEigenartiger Versicherungs-Deal
Dass Brem und sein Anwalt auf diese eigenartigen Geschäfte stießen, ist Brems kurzem Engagement bei der Infinus-Gruppe zu verdanken: Er kam im September 2009 ins Unternehmen, um einen Ausschließlichkeitsvertrieb für Infinus mit aufzubauen, also eine Vertriebsorganisation mit gebundenen Handelsvertretern. Im Mai 2010 hatte er den Konzern jedoch schon wieder verlassen – zu dubios erschien ihm, wie das Unternehmen offensichtlich sein Geld verdient.

Brem wollte für sein Unterfangen eine Festvergütung über einen gewissen Zeitraum, die er auch bekommen sollte – allerdings anders, als er sich das erwartet hatte. Infinus-Vorstand Rudolf O., einer der Beschuldigten in dem aktuellen Fall, machte Brem folgenden Vorschlag: Infinus stellte ihm nicht direkt 15.000 Euro pro Monat zur Verfügung, sondern schloss auf ihn und seine Frau Lebensversicherungen bei zwei Versicherungsgesellschaften ab. Eine lief über knapp 1,7 Millionen Euro, eine über 840.000 Euro, wobei die Laufzeit 35 bzw. 47 Jahre betrug. Versicherte Personen waren der Stiefsohn und die Tochter von Freunden. Begünstigter der Policen war von Anfang an die Fubus, weil die Rechte aus den Versicherungen insgesamt abgetreten waren.

Vermittelt wurde das Geschäft über Infinus. "Welche Provision Infinus dafür erhalten hat, hat das Unternehmen nie offengelegt", sagt Brems Anwalt Cramer. "Nach meinen Berechnungen müsste es sich um knapp 359.000 Euro handeln." Die Absprache mit Brem sah wie folgt aus: Er erhielt von Infinus aus der Provision monatlich 25.000 Euro. 15.000 davon behielt er, mit den restlichen 10.000 Euro bezahlte er die monatlich fällige Prämie für die Versicherungen. "Infinus behauptete gegenüber meinem Mandanten, dass dies alles mit den Versicherungsgesellschaften abgesprochen sei, deshalb machte sich Herr Brem keine Gedanken über die Hintergründe des Geschäftes", so Cramer.

Richter deuten möglichen Betrug an
Ins Grübeln brachten Brem allerdings die Geschäftszahlen der Fubus-Gruppe: "Ich konnte einfach nicht erkennen, woher die hohen Gewinne kommen sollten", sagt er. Also bat er Cramer um Rat, der ebenfalls der Meinung war, die Bilanzen seien aufgrund der unterschiedlichen Bewertungen der Lebensversicherungen mit Blick auf den Buchwert nicht nachvollziehbar.

Brem kam das gesamte Konstrukt schließlich fragwürdig vor, er kündigte – und wurde von Infinus auf Rückzahlung von 137.000 Euro Provision aus dem Geschäft mit den beiden Lebensversicherungen verklagt. Dagegen wehrte er sich juristisch. Vor dem Landgericht in Dresden scheiterte er, das Berufungsverfahren am Oberlandesgericht Dresden Ende Februar dieses Jahres aber entschied er für sich. "Die Richter am Oberlandesgericht deuteten an, dass sich bei den Geschäften um Betrug handeln könnte, und reichten die Akte höchstwahrscheinlich an die Staatsanwaltschaft Dresden weiter", so Cramer. "Anwalt B., der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Gegenseite ist, sagte bei einer anderen Verhandlung außerdem, ein solches Geschäft wie mit Herrn Brem habe man nicht nur einmal abgeschlossen, sondern dutzendfach."

Große Differenz zwischen Buch- und Rückkaufwert
Zu den Punkten in der Bilanz, die Cramer rätseln lassen, gehört der hohe Aufschlag, mit dem die Lebensversicherungen in den Büchern stehen. Der Buchwert der Lebens- und Rentenversicherungen belief sich Ende 2012 allein in der Holding Future Business KGaA auf 309,8 Millionen Euro. In den Erläuterungen zur Bilanz wird der beizulegende Zeitwert der Policen auf 268,6 Millionen Euro beziffert. Dieser Zeitwert berechnet sich aus dem Rückkaufwert, für den der Versicherer die Police zurücknehmen würde, zuzüglich einem Aufschlag von fünf bis 15 Prozent. "Wie es zu der großen Differenz zwischen Buch- und Rückkaufwert kommen kann, konnten Manager der Fubus-Gruppe mir gegenüber nicht verständlich erklären", sagt Cramer. Ähnliche Erfahrungen machte auch FONDS professionell: Fragen zu diesem Komplex konnten die Fubus- und Infinus-Manager im direkten Gespräch mit unserer Redaktion Anfang September in Dresden nicht einleuchtend beantworten.

Ob die von Brem und Cramer geschilderten Versicherungsgeschäfte Teil der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sind, ist noch nicht klar. Eine Antwort auf eine entsprechende Anfrage von FONDS professionell stand am Dienstagnachmittag noch aus. (bm)