Eine Versammlung von Anlegern mit Orderschuldverschreibungen der insolventen Future Business KGaA (Fubus) ist am Dienstagabend unterbrochen worden. Die Wahl eines gemeinsamen Vertreters muss zu einem späteren Termin fortgesetzt werden. Teilnehmer berichten von teils tumultartigen Szenen.

Am Dienstag waren rund 1300 von Infinus angeworbene Anleger bzw. ihre Vertreter in die Messehalle 1 nach Dresden gekommen. Nach Angaben von Insolvenzverwalter Bruno Kübler waren rund 970 von ihnen stimmberechtigt. Sie vertraten fast 36.500 Verträge im Nominalwert von 510 Millionen Euro. Insgesamt hatte Fubus bis zur Razzia im November 2013 fast 670 Millionen Euro mit Orderschuldverschreibungen eingesammelt.

Auf der Tagesordnung stand die mögliche Wahl eines gemeinsamen Vertreters, der die Interessen der Gläubiger im Insolvenzverfahren bündeln soll. Dazu kam es aber nicht: Insolvenzrichter Erwin Gerster unterbrach die Sitzung gegen 17.35 Uhr – und setzte damit einen vorläufigen Schlusspunkt unter eine Versammlung, die Berichten von Teilnehmern zufolge von gegenseitigen Anfeindungen und Anschuldigungen geprägt war.

Ein Stimmzettel für tausend Vollmachten
Schon beim Einlass gab es Verzögerungen, die Veranstaltung begann mit mehr als zwei Stunden Verspätung. Dazu kamen technische Probleme: "Ich selbst hatte rund tausend Vollmachten, habe aber nur einen Stimmzettel erhalten", berichtet Peter Mattil, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht aus München, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. "Das kann nicht sein, schließlich ist keinesfalls ausgemacht, dass mir alle Mandanten eine gleichlautende Weisung erteilt haben. Ich muss die Möglichkeit haben, für jeden Anleger einzeln abstimmen zu können. Bei anderen Anwälten war es ähnlich – einer sollte sogar für 3000 Anleger mit einem Zettel abstimmen."

Bei Küblers Bericht zum Stand des Verfahrens blieb es in der Halle wohl noch vergleichsweise ruhig, bei der Fragerunde heizte sich die Stimmung allerdings auf. Viele Anlegeranwälte halten die Institution eines gemeinsamen Vertreters für unnötig – teils auch aus eigenem Interesse, weil ihnen so mögliche Einnahmen verloren gehen. Sie werfen Kübler außerdem vor, die Anleger in der Einladung falsch informiert zu haben, und stoßen sich zudem an einer angeblich zu großen Nähe zwischen Kübler und dem Nürnberger Rechtsanwalt Christian Gloeckner, dem ersten Kandidaten für das Amt des gemeinsamen Vertreters. "Die Unterstellungen mancher Anlegeranwälte, die Herrn Gloeckner und mir Kungelei vorwerfen, sind unwahr und ehrenrührig", sagte Kübler am Mittwoch gegenüber FONDS professionell ONLINE. Folgt man Gloeckners und seiner Version, kann von Kungelei in der Tat keine Rede sein (FONDS professionell ONLINE berichtete ausführlich).

Befangenheitsantrag gegen die Rechtspflegerin
Dass die Emotionen derart hochkochten, lag Mattil zufolge zu einem guten Teil an der Rechtspflegerin, die die Veranstaltung leitete. "Die Rechtspflegerin wollte die Tagesordnung durchpeitschen und ist darum auf berechtigte Fragen überhaupt nicht eingegangen. Sie hat Anleger angefahren, regelrecht verhöhnt – so etwas habe ich in einem Insolvenzverfahren noch nie erlebt", sagt Mattil. "Darum hat meine Kanzlei einen Befangenheitsantrag gegen die Rechtspflegerin gestellt, der sich andere Anwälte angeschlossen haben." Insolvenzrichter Gerster möchte diesen Befangenheitsantrag nun in Ruhe prüfen, daher unterbrach er die Sitzung. Zur Vorstellungsrunde mit Gloeckner und den anderen drei Kandidaten für das Amt des gemeinsamen Vertreters kam es nicht mehr.

Ein neuer Termin steht noch nicht fest. Das Amtsgericht Dresden wollte sich am Mittwochvormittag dazu nicht äußern. Kübler zufolge ist es wahrscheinlich, dass die Veranstaltung am 30. Juni fortgesetzt wird – dem Termin, an dem eigentlich die große Gläubigerversammlung aller Fubus-Anleger stattfinden sollte. Future Business hatte neben Orderschuldverschreibungen auch Genussrechte und Nachrangdarlehen emittiert, dazu kommen einige wenige weitere Gläubiger.

"So springt man nicht mit geschädigten Anlegern um"
"Das Insolvenzgericht wird den Termin, an dem die Versammlung fortgesetzt wird, im Internet unter www.insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlichen – so wie es das Gesetz vorschreibt", sagte Kübler.

Mattil verlangt, dass Kübler die Anleger in einem neuen Rundschreiben umfassend informiert – auch über die Tatsache, dass die Wahl des gemeinsamen Vertreters keine Pflicht ist. "Wenn Insolvenzgericht, Gloeckner und Kübler so weitermachen, statt die Anleger einmal korrekt zu informieren, werde ich gemeinsam mit anderen Anwälten auf der Gläubigerversammlung einen Antrag auf Abwahl des Insolvenzverwalters stellen. Denn so springt man nicht mit geschädigten Anlegern um."

Kübler hatte schon im Vorfeld der Versammlung auf der Fubus-Website die wichtigsten Fragen und Antworten zum Amt des gemeinsamen Vertreters veröffentlicht. Er hält diese Informationen für ausreichend. (bm)