Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen die Firmengruppe um Infinus und Future Business haben bittere Konsequenzen für die betroffenen Gesellschaften: Die Future Business KGaA (Fubus) und die Prosavus AG haben am Mittwoch einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, wie die Unternehmen am Mittwochabend mitteilten.

"Der Antrag ist notwendig geworden, da von Seiten der Staatsanwaltschaft im Rahmen des eingeleiteten Ermittlungsverfahrens sämtliche Vermögenswerte und alle Geschäftskonten beschlagnahmt sowie handelnde Personen in Untersuchungshaft genommen wurden. Nach dem derzeitigen Sachstand ist somit eine ordnungsgemäße Weiterführung der Gesellschaft nicht mehr gewährleistet", heißt es gleichlautend in den Mitteilungen von Future Business und Prosavus. Im Interesse aller Anleger und Gläubiger habe man sich für ein geordnetes Verfahren entschlossen und einen Antrag auf Insolvenz beim Amtsgericht Dresden eingereicht. Man gehe davon aus, dass noch im Laufe dieser Woche über den Antrag entschieden werde.

Verdacht auf Betrug
Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt gegen mehrere Topmanager und Aufsichtsräte des Firmenverbundes wegen des Verdachts auf Betrug. Die Beschuldigten sollen bei der Ausgabe von Orderschuldverschreibungen in Verkaufsprospekten unrichtige Angaben zur Vermögens- und Ertragslage der Emittenten gemacht haben. Betroffen sind nach Schätzungen der Staatsanwaltschaft rund 25.000 Anleger mit einem Investitionsvolumen von etwa 400 Millionen Euro. Sechs Führungskräfte von Infinus und Future Business sitzen in Untersuchungshaft.

Die Fubus ist der Nukleus der gesamten Firmengruppe und der mit Abstand wichtigste Emittent. Zum Jahresende 2012 hatte das Unternehmen Orderschuldverschreibungen (Anleihen) im Wert von 589,2 Millionen Euro ausstehen, dazu kamen Genussrechte in Höhe von 39,7 Millionen Euro. Prosavus gehört zu 20 Prozent der Fubus, die restlichen Aktien liegen zum größten Teil bei Führungskräften der Unternehmensgruppe. Prosavus hatte bis März 2012 – aktuellere Zahlen liegen nicht vor – Namens-Genussrechte für 67,6 Millionen Euro emittiert. Chef beider Unternehmen ist Jörg B., einer der Beschuldigten.

Werbung mit "Top-Rating"
Sowohl Fubus als auch Prosavus werben auf ihrer Website noch mit einem "Top-Rating" von Hoppenstedt. "Die Future Business KGaA hat vom Hoppenstedt CreditCheck zum dritten Mal hintereinander ein Top-Rating erhalten", teilte Fubus Ende August mit. "Mit der Vergabe der Note 1 auf einer Skala von 1 bis 6 gehört das Emissionshaus zu den besten 4,9 Prozent unter 4,7 Millionen deutschen Unternehmen, die von der Wirtschaftsauskunft aktuell bewertet wurden."

Bereits am Dienstag hätte die ebenfalls zum Konglomerat gehörende MAS Finanz AG beim Amtsgericht einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung und ein Schutzschirmverfahren gestellt, berichten die "Dresdner Neueste Nachrichten". Die MAS, ein Finanzvertrieb aus Dresden, ist eine Tochtergesellschaft der Infinus AG Ihr Kompetenz-Partner, die wiederum eine Tochter der Fubus ist. (Am Ende dieses Artikels finden Sie eine Grafik, die das Firmengeflecht sowie die wichtigsten Akteure und Aktionäre zeigt.)

Konsequenzen für Anleger
Die Tatsache, dass nun der Insolvenzverwalter bei Fubus das Ruder übernimmt, hat auch Konsequenzen für Anleger. "Das Vorgehen, sich über eine Arrestpfändung Ansprüche zu sichern, funktioniert nur noch eingeschränkt", sagt Peter Mattil, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht aus München. "Ansprüche dieser Art lassen sich nach dem Insolvenzantrag gegenüber den Gesellschaften selbst nun nicht mehr geltend machen", sagt er. Es sei aber immer noch möglich, Konten der Beschuldigten pfänden zu lassen, sofern auch diese von der Staatsanwaltschaft gesperrt wurden.

Der Insolvenzantrag bedeute für Anleger auf keinen Fall, dass sie von ihrem Geld nichts mehr sehen werden, betont Mattil. "Es gibt keinen Grund zur Resignation." Er rät Anlegern daher, ihre Ansprüche auf jeden Fall beim Insolvenzverwalter anzumelden. Das gelte nicht nur für Inhaber von Orderschuldverschreibungen, die zum Fremdkapital gehören, sondern auch für Zeichner von Genussrechten. Genussrechte zählen zwar zum Eigenkapital, von dem nach einer Insolvenz in der Regel nichts mehr übrig bleibt, weil zunächst das Eigenkapital aufgezehrt wird, bevor es ans Fremdkapital geht. "Es gibt allerdings Urteile, nach denen in einem Insolvenzverfahren auch Genussrechtsinhaber zu den Gläubigern zählen", so Mattil. "Bei Betrug können Genussrechtsinhaber sogar Anspruch auf ihre gesamte Einlage anmelden." Sollte es sich im Fall von Infinus und Future Business also tatsächlich um Betrug handeln, stünden die Chancen der Genussrechtsinhaber nicht schlechter als die der Anleihegläubiger.

Wie das Verfahren für die Anleger voranschreite, hänge nun stark vom Insolvenzverwalter ab. Mattil kann von Erfahrungen unterschiedlichster Art berichten. "Bei einem guten Insolvenzverwalter bekommen Anleger recht schnell zumindest einen Teil ihres Geldes zurück. Im Fall der BFI Bank zum Beispiel hatten sie schon nach einem Jahr rund 15 Prozent ihrer Einlage erhalten. Ich hatte allerdings auch schon einen Fall, bei dem der Insolvenzverwalter seit 14 Jahren im Unternehmen sitzt und den Anlegern noch keinen Cent ausgeschüttet hat. Da ist der Insolvenzverwalter der einzige, der gut verdient hat." (bm)

Future Business und Infinus – Firmenstruktur sowie wichtige Akteure
1384417333.jpg