Der Fall der Dresdener Finanzgruppe um Future Business und Infinus zieht immer weitere Kreise. Einem Bericht der "Sächsischen Zeitung" vom Donnerstag zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft Dresden inzwischen gegen zehn Beschuldigte – zwei mehr als zum Zeitpunkt der bundesweiten Razzia Anfang November. Zum Kreis der Verdächtigen zählten nun auch der Wirtschaftsprüfer und der Steuerberater der Firmengruppe, so die Zeitung.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten "unrichtige Angaben zur Vermögens- und Ertragslage" in Emissionsprospekten vor. Dabei stoßen sich die Ermittler unter anderem an undurchsichtigen Geschäften mit Goldsparplänen, über die FONDS professionell bereits im September berichtet hatte. Oberstaatsanwalt Lorenz Haase sagte der "Sächsischen Zeitung", es werde außerdem untersucht, ob sich die Gruppe über ein Schneeballsystem finanziert habe, bei dem ausstehende Zahlungen an Anleger durch Einlagen von Neukunden finanziert worden seien. Dieser Verdacht liegt nahe – schon die Recherchen von FONDS professionell hatten gezeigt, dass die wichtigste Emittentin der Gruppe, die Future Business KGaA, ihre Zinsen ohne die erwähnten Sparplan-Deals nicht aus dem operativen Cash-Flow hätte zahlen können.

Wirtschaftsprüfer testierte seit Jahren Dutzende Bilanzen der Gruppe
Einer Pressemeldung vom November zufolge beziffert die Staatsanwaltschaft den möglichen Schaden der etwa 25.000 Anleger auf rund 400 Millionen Euro. Insgesamt hatten Anleger allerdings mehr als das Doppelte investiert, wie Recherchen von FONDS professionell zeigen. Laut "Sächsischer Zeitung" belaufen sich die Forderungen der Gläubiger der zahlreichen inzwischen insolventen Gesellschaften sogar auf rund eine Milliarde Euro. Damit könnte sich der Fall zu einer der größten Pleiten der deutschen Wirtschaftsgeschichte auswachsen – die Zeitung verweist auf die Schlecker-Insolvenz, bei der 22.700 Gläubiger offene Rechnungen über gut 1,1 Milliarden Euro hätten.

Dass der Wirtschaftsprüfer nun zu den Beschuldigten zählt, ist konsequent: Er hatte in den vergangenen Jahren Dutzende Jahresabschlüsse der Gruppe mit ihren zahlreichen Tochterfirmen testiert – mögliche Fehler in den Bilanzen hätten ihm also auffallen können. Auch der Steuerberater hatte tiefe Einblicke in die Geschäftspraxis. Nach Informationen von FONDS professionell war er unter anderem mit der Verwaltung des millionenschweren Portfolios aus Lebensversicherungen betraut, die zu den wichtigsten Investments der Gruppe zählten. Mutmaßlich dienten neben den Sparplan-Deals auch zahlreiche Geschäfte mit Lebenspolicen dazu, die Geschäftszahlen der Emittenten aufzuhübschen (FONDS professionell ONLINE berichtete). (bm)