Für Anlegeranwälte fällt Weihnachten in diesem Jahr schon auf den November. Die Lehman-Omas sind längst versorgt, der Zustrom neuer Mandanten durch kollabierende Schiffsfonds flaut langsam ab, da kommt der nächste Mega-Fall gerade recht: Bei Infinus und Future Business könnten 25.000 Anleger betrogen worden sein, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft Dresden.

Diese Menschen brauchen Rat, das steht völlig außer Frage. Doch so manche Äußerung von Anlegeranwälten darf zumindest als fragwürdig gelten.

Wer nach dem Namen der nun ausgehobenen Unternehmensgruppe googelt, findet die Zusage auf "Soforthilfe". "Schutzgemeinschaften" werden gebildet, "Anlegerabende" angeboten. Das kann alles helfen, muss es aber nicht. Vor allem dann nicht, wenn die Anwälte Anlegern etwas versprechen, was sie mutmaßlich nicht halten können.

Ob die Haftpflicht zahlt, ist fraglich
Einige Anlegeranwälte tun zum Beispiel so, als sei Infinus ein Fall für die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW). Tatsächlich ist die Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut der EdW zugeordnet, theoretisch käme eine Entschädigung also in Frage. Allerdings hat die Infinus die Orderschuldverschreibungen, um die es in erster Linie geht, nur vertrieben. Sie hat die Anlegermillionen gar nicht selbst verwaltet. Eine Entschädigung käme eigentlich bloß in Frage, wenn sie das Geld der Investoren auf dem Weg zum Emittenten der Schuldverschreibungen, der Future Business KGaA, veruntreut hätte. Es gibt derzeit allerdings nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür, dass dies passiert ist.

Viele Anwälte zielen außerdem auf die Vermittler, mit dem Argument, diese hätten den Anlegern das Desaster schließlich eingebrockt. In diesem Fall spricht allerdings einiges dafür, dass bei den Vermittlern gar nichts zu holen ist, zumindest nicht für Anleger mit Orderschuldverschreibungen und Genussrechten der Future Business, die das Gros des ausstehenden Volumens ausmachen.

Die Vermittler dieser Papiere waren nämlich unter dem Haftungsdach der Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut tätig. Solange sich die Berater an die Regeln dieses Instituts gehalten haben, sind sie fein raus – die Infinus haftet. Das Finanzdienstleistungsinstitut wiederum hat eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung bei der Allianz abgeschlossen. Kommt also die Allianz für den Schaden auf? So einfach ist es nicht. Der Versicherer zahlt nur, wenn erstens im Einzelfall eine Falschberatung nachgewiesen wurde und zweitens kein Betrug vorliegt. Da der Vorstand des Infinus-Haftungsdaches zugleich im Aufsichtsrat der Future Business saß, liegt zumindest der Verdacht nahe, dass er von den fragwürdigen Geschäften dieses Unternehmens gewusst hat, die die Staatsanwaltschaft nun unter die Lupe nimmt. Dann hätte die Allianz gute Argumente, sich gegen eine Zahlung zu wehren, so das Argument renommierter Juristen.

Hoffentlich nicht doppelt gestraft
Ein guter Anwalt wird auf verschiedensten Wegen versuchen, den Schaden für seinen Mandanten zu begrenzen. Er hinterfragt nicht nur die Rolle des Vermittlers, sondern lässt auch Konten der Beschuldigten pfänden, ringt mit dem Insolvenzverwalter und fühlt dem Wirtschaftsprüfer auf den Zahn.

Inzwischen sind in Deutschland 732 Juristen als Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht zugelassen, zeigen Zahlen der Bundesrechtsanwaltskammer. Darunter finden sich viele Bankjuristen, aber auch zig Anlegeranwälte. Wie viele davon bereits Erfahrungen mit solch komplexen Sachverhalten wie Infinus gesammelt haben, ist allerdings fraglich. Vor vier Jahren konnten erst 218 Anwälte mit der entsprechenden Spezialisierung punkten. Da liegt der Verdacht nahe, dass einige Juristen das schnelle Geld witterten, als sie von den Lehman-Omas und den Schiffsfonds-Geschädigten hörten.

Die Infinus-Anleger hatten ohne Frage Pech mit der Wahl ihres Investments. Jetzt ist zu hoffen, dass sie bei der Wahl ihres Anwalts ein besseres Händchen haben.