Dass die Berichte über den derzeitigen "Inflationsmangel" nicht zu unserer Wahrnehmung passen, ist bekannt – egal, ob es um die Rechnung für den vollen Einkaufswagen im Supermarkt geht oder um den Betrag, der für einen einigermaßen ausgestatteten Neuwagen hinzulegen ist. Früher war zwar nicht alles besser, aber das meiste billiger. Oder andersrum: Geld wird täglich wertloser. Nur der Umstand, dass die Geschwindigkeit, mit der der Kaufkraftschwund vonstatten geht, unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegt, bewirkt, dass der Großteil der Bevölkerung dies ignoriert.

Der Börsenbriefautor Robert Rethfeld hat das Problem in einer aktuellen, für jeden Berater lesenswerten Kolumne sehr anschaulich dokumentiert. Die von ihm gezeichneten Charts sollte sich jeder Vertriebsprofi ausdrucken und bei Beratungsgesprächen gleich einmal auf den Tisch legen. Das Ausmaß des Geldwertverlusts ist nicht nur über längere Zeiträume schockierend. Am Beispiel der USA rechnet Rethfeld vor, dass 100.000 US-Dollar, die man im Jahr 1900 besessen hätte, heute rund 97 Prozent ihrer Kaufkraft eingebüßt haben. Das ist zwar ein ordentliches Minus, 116 Jahre sind aber auch eine lange Zeit.

USA: Geldentwertung durch Inflation seit 1900
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Wesentlich aufrüttelnder ist daher seine Berechnung, die zeigt, dass 100.000 Euro aus dem Jahr 1980 bis heute 53 Prozent an Kaufkraft verloren haben. Die Spanne 1980 bis heute entspricht relativ exakt dem Maximal-Zeitraum, den ein Normalbürger für sein Alter vorsorgen kann.

Deutschland: Geldentwertung durch Inflation seit 1980
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Der Autor stellte dieser Wertschmelze die Erträge von Tagesgeldkonten gegenüber und da zeigt sich, dass allein über die letzten sechs Jahre kumulierte 6,8 Prozent Tagesgeldzinsen 8,4 Prozent Inflation gegenüber stehen, real wurde also Geld verloren. Wer hingegen in Immobilien, Anleihen oder Aktien investierte, verdiente in Summe zwischen 13,3 Prozent (Immobilien) und 50,7 Prozent (Aktien).

Nun muss man bei allen Investments auch das Risiko berücksichtigen. Rethfeld hat dazu die rollierenden 30-Jahresrenditen des Dow Jones Industrial Average um die Inflation bereinigt und dabei errechnet, dass man bei ungünstigem Timing hier durchaus auch real verlieren kann. Wer etwa 1955 investierte, lag 1985 trotz des langen Anlagezeitraums real 30 Prozent im Minus (siehe Chart). Auch zwischen 1920 und 1950 gab es wiederholt Zeitpunkte, zu denen auch ein geduldiger Aktionär negativ bilanziert hätte.

Der Dow Jones Index 1830 bis 2020
rollierende 30-Jahres-Rendite, inflationsbereinigt
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Der Autor zieht daraus den Schluss, dass ein "blindes" Investieren in Aktien auch nicht sinnvoll ist. Die Kombination aus Aktien und inflationsgeschützten Anleihen sowie Gold erhöht allerdings die Chance, langfristig real zumindest keine Verluste zu erleiden. Und genau dafür benötigt der Durchschnittssparer einen versierten Anlageberater. (gf)