Institutionelle Anleger haben ihr Engagement in nachhaltigen Investments weiter ausgebaut. Dies zeigt die zweite Studie von Union Investment zu nachhaltigen Investments bei institutionellen Investoren. Von März bis April 2010 hatte die Schleus Marktforschung, Hannover, 242 deutsche Großanleger wie Versicherungen, Pensionskassen und kirchliche Investoren mit einem Anlagevolumen von insgesamt 920 Milliarden Euro dazu befragt. Zwei Drittel (68 Prozent) der deutschen Profianleger waren im Frühjahr 2010 in ökologisch, sozial oder ethisch ausgerichtete Anlageprodukte investiert. Ein Jahr zuvor waren es 64 Prozent. Der Anteil nachhaltiger Investments am Gesamtportfolio hat sich bei den Investoren im Vergleich zum Vorjahr um 76 Prozent erhöht.

 

"Der Anstieg nachhaltiger Investments darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass institutionelle Investoren nach wie vor ein zwiespältiges Verhältnis zur nachhaltigen Kapitalanlage haben." Darauf verwies Alexander Schindler, Vorstandsmitglied von Union Investment und zuständig für das Geschäft mit institutionellen Investoren, anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse. Ökonomische oder ökologische Motive spielen nach wie vor bei der Entscheidung für entsprechende Investments eine untergeordnete Rolle. Der Prozentsatz derjenigen, die sich davon eine bessere Rendite erwarten, fiel von 50 Prozent im vergangenen Jahr auf aktuell 40 Prozent.

 

Mit 74 Prozent und 72 Prozent hingegen wurden wesentlich häufiger die Verbesserung des Images sowie größere Chancen für PR und Marketing als Grund genannt. Beide Motive nahmen in ihrer Bedeutung im Vergleich zum Vorjahr leicht zu. 70 Prozent der Investoren reagieren auf die starke Nachfrage ihrer Kunden oder Mitglieder (Vorjahr: 63 Prozent).

 

Risikomanagement als Top-Motiv

Als wichtigstes Motiv für die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien sehen institutionelle Anleger allerdings die Chancen zur Optimierung des Risikomanagements. 74 Prozent aller nachhaltig investierenden Anleger gaben dies als Grund für ihr Engagement an - ein Anstieg um vier Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Besonders für Versicherungen ist dieser Aspekt wichtig. 92 Prozent der befragten Versicherer nannten die Verbesserung des Risikomanagements als wichtiges Motiv. Bei den Stiftungen waren es 87 Prozent, bei den Banken 84 Prozent, bei den Pensionskassen 73 Prozent und bei den Großunternehmen 30 Prozent.

 

"Diese Entwicklung ist erfreulich", so Alexander Schindler. "Die jüngsten Verwerfungen an den Kapitalmärkten haben gezeigt, dass eine rein an kurzfristigen Kennzahlen ausgerichtete Risikoeinschätzung zu kurz greift. Das Konzept der Nachhaltigkeit bietet hier ein wertvolle Ergänzung, da es die Analyse durch weitere qualitative Aspekte ergänzt."

 

Gebremstes Wachstum erwartet

Auf Sicht von fünf Jahren erwartet die Mehrheit der Großanleger (55 Prozent) eine positive Marktentwicklung bei nachhaltigen Anlageprodukten. Im Vergleich zum Vorjahr ist jedoch eine deutlich gebremste Entwicklung bei der eigenen Investitionstätigkeit zu beobachten. Auf 5-Jahres-Basis wollen die Anleger ihre Nachhaltigkeitsquote gegenwärtig nur noch um durchschnittlich 51 Prozent erhöhen. Im Jahr zuvor war das Wachstum noch mit 106 Prozent angegeben worden.

 

"Die Einstellung vieler professioneller Investoren zum Thema Nachhaltigkeit ist zunehmend durch Skepsis geprägt", konstatiert Studienleiter Rene Schleus. Ein Grund hierfür könne darin liegen, dass der Markt komplexer und schnelllebiger geworden sei. Dies spiegele auch die Studie wider, so Schleus. Denn der Kenntnisstand der Anleger liege weiterhin auf einem verbesserungswürdigen Niveau.

 

Kenntnisstand der Investoren hat deutlich Luft nach oben

Bezeichneten im Vorjahr noch 37 Prozent der Befragten ihre Kenntnisse im Bereich Nachhaltigkeit als gut oder sehr gut, sind es aktuell nur noch 30 Prozent. Im Durchschnitt stufen die Anleger ihr Wissen als weder besonders gut noch als besonders schlecht, also auf mittlerem Niveau ein.

 

Dass die meisten Investoren hier Verbesserungspotential sehen, zeigt die Frage nach dem Beratungsbedarf im eigenen Hause. 61 Prozent der Befragten bezeichnen diesen als hoch oder sehr hoch. Verbesserungsbedarf sehen institutionelle Anleger aber nicht nur bei sich, sondern auch bei den Vermögensverwaltern. Deren Beratungsqualität wird ebenfalls nur als durchschnittlich beurteilt. "Hier muss sich die Asset Management Branche fragen, wo sie besser werden kann", so Schindler. "Wenn Kenntnisstand und Beratungsqualität weiter sinken, kann dies zu Enttäuschung und einem Vertrauensverlust bei den Anlegern führen."

 

Wichtig sei daher, in der Vorinvestitionsphase noch enger mit dem Kunden zusammenzuarbeiten, um individuell zu klären, was mit einem nachhaltigen Investment erreicht werden soll und mit welchen Strategien und Produkten dieses Ziel am besten umgesetzt werden könne. "Wir brauchen hier mehr Betreuung und Transparenz", so das Vorstandsmitglied.

 

Nachhaltige Immobilienanlagen gefragt

Erstmals wurden institutionelle Investoren im Rahmen der aktuellen Studie auch nach den Chancen nachhaltiger Immobilienanlagen befragt. Ergebnis: 63 Prozent bekunden großes oder sehr großes Interesse. Speziell nachhaltige Immobilienfonds scheinen Anlegerbedürfnisse hervorragend abzudecken: 62 Prozent bewerten diese als besonders interessant. Insbesondere Banken, Versicherungen und Pensionskassen bekundeten ein hohes Interesse an entsprechenden Fonds. "Die hohe Attraktivität nachhaltiger Immobilienfonds spiegelt den Wunsch vieler Anleger nach vertrauten, gut kalkulierbaren und transparenten Investmentprodukten wider", erläutert Schindler dieses Ergebnis. (ir)