Auch ältere Investoren sollten mindestens die Hälfte ihrer Anlagekapitals in Aktien oder Aktienfonds stecken, rät Andreas Görler, Senior Wealth Manager bei Wellinvest Pruschke & Kalm. "Ich mache hier ausdrücklich keine Unterschiede zu jüngeren Anlegern. Altersunterschiede müssen nicht zwingend dazu führen, dass man sein Geld anders anlegt", sagt er. Entscheidend seien das Verständnis für die Anlageinstrumente sowie Risikotoleranz und Renditewunsch. Von Faustformeln wie "Hundert minus Alter des Anlegers gleich Aktienquote" hält der Vermögensprofi überhaupt nichts.

Es kann zwar passieren, dass mit steigendem Alter die Rendite nicht mehr so wichtig ist und der Vermögenserhalt als priorisiertes Anlageziel in den Vordergrund tritt. Klassischerweise reduziert man dann den Aktienanteil und erhöht die Liquidität. "Wenn Erben vorhanden sind, sollte man allerdings eher auf das Alter und die Intention der Erben abstellen", sagt Görler. "Sofern der Anleger das ebenso sieht, bleibt die Aktienquote dann trotzdem hoch." Gibt es keine Erben, sollte man sich fragen, was letztlich mit dem Geld passieren soll. "Bei größeren Vermögen kann die Gründung einer Stiftung sinnvoll sein", so der Experte.

Dass die griffige "Lebensformel" die tatsächlichen Anlagevorlieben älterer Renditsucher nicht wahrheitsgetreu wiedergibt, zeigte im Frühjahr 2016 eine spannende Umfrage der Schweizer Großbank UBS. Wichtigste Erkenntnis: Trotz der ausgeprägten Angst vor Kursschwankungen und Instabilität, die aus vielen Antworten zu erkennen war, investieren Anleger im fortgeschrittenen Alter weiterhin verhältnismäßig stark an lokalen und internationalen Aktienmärkten, um für ihren Ruhestand vorzusorgen.

Auf ausreichend Liquidität achten
Unabhängig von der Lebensphase sollten Anleger einen Überblick darüber haben, welche Kosten ihnen jederzeit entstehen können – etwa durch defekte Haushaltsgeräte oder Autoreparaturen. "Hier genügen meist Beträge im vierstelligen Bereich", so Görler. Wohnt man in den eigenen vier Wänden, kann es im Schadensfall teurer werden. "Hier empfehle ich, zirka fünf bis zehn Prozent des Objektwertes liquide zu halten, sofern das möglich ist", sagt der Anlageprofi. (fp)