Was können Anleger für 2015 erwarten, und wie sollen sie sich positionieren? Diese Frage stand als Untertitel in der Ankündigung des Vortrags von Jens Ehrhardt auf dem FONDS professionell KONGRESS 2015 in Mannheim. Der Investment-Altmeister fackelte vor einem vollen Saal im Mannheimer Rosengarten nicht lange mit seinen Antworten – und hielt ein Plädoyer für die Aktie. Das Hauptargument für Aktienkäufe ist aus seiner Sicht schlicht die nicht mehr existierenden Rendite bei Anleihen mit einer guten Bonität: "Die Rendite von deutschen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren geht auf null zu!"

Ehrhardt verwies in seiner Rede zunächst auf einige Fundamentaldaten. So sind Aktien seiner Ansicht nach auch trotz der neuen Rekordstände des DAX und anderer Indizes nicht überbewertet. "Die weltweite Kapitalisierung der Aktienmärkte hat jetzt erst wieder das Niveau von 2007 erreicht", erläuterte der Gründer der DJE Kapital und fügte an: "Zumal es in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Börsengängen gegeben hat." Ein ähnliches Bild zeige sich, wenn man den DAX-Kursindex zu Rate ziehe, der gerade erst wieder auf den Stand vor der Finanzkrise gestiegen sei.

Billiges Geld treibt Aktienkurse
Die Nachfrage nach Aktien sei hoch und treibe die Kurse nach oben. Der Grund dafür sei schlicht die Politik der Notenbanken. Weil Geld so billig sei, kauften beispielsweise in den USA Unternehmen im großen Stil eigene Aktien zurück. Die Gewinnentwicklung dagegen sei gar nicht überragend gewesen.

Ehrhardt traut auch europäischen Aktien deutliche Kurssteigerungen zu. Die große Liquidität und Rückkäufe – und nicht die Unternehmensgewinne – werden auch in der alten Welt die Aktienpreise nach oben drücken, erwartet der Fondsmanager. Dagegen rechnet Ehrhardt aus zwei Gründen nicht mit einem Kursfeuerwerk für Schwellenländerwerte: "Wenn das Geld in US-Aktien fließt, dann werden in der Regel Gelder aus den Emerging Markets abgezogen. Zudem werden die niedrigen Rohstoffpreise hier die Gewinne drücken."

Ehrhardt äußerte sich auch zu weiteren aktuellen Themen, etwa den niedrigen Rohstoffpreisen und der Lage in China: "Der niedrige Ölpreis könnte zu einem Kaufkraftschub der Verbraucher führen. Daher werden Konsumaktien davon profitieren können." Die Aussichten für chinesische Aktien seien wegen der niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) und der steigenden Nachfrage ebenfalls gut.

Eine Warnung zum Schluss
Allerdings, bei allem Optimismus, verabschiedete der Portfoliomanager seine Zuhörer mit einer Warnung: "Irgendwann wird die Politik der Notenbanken nach hinten losgehen", so Ehrhardt. "Denn es wird der Zeitpunkt kommen, an dem die Inflation steigt, sodass die Zentralbanker die Zinsen erhöhen müssen, was wiederum zu einem Absturz der Renten und in einem gewissen Maße auch der Aktien führen wird." (jb)