Der darbende Fondsanbieter VCH hat wieder eine Zukunft: Der bekannte Vermögensverwalter Johannes Führ steigt bei dem Investmenthaus ein. Künftig firmiert das Unternehmen unter Führ Capital Partners.

Die frühere Muttergesellschaft Altira meldete, ihre 74,5 Prozent der VCH-Anteile an eine von Johannes Führ kontrollierte Gesellschaft verkauft zu haben. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die restlichen Anteile hält Robert Depner, der sowohl Vorstand als auch Anteilseigner der nun umbenannten Gesellschaft bleibt.

Führ wird Aufsichtsrat
Die Gesellschaft bietet zukünftig Vermögensverwaltung für Privatkunden, Asset Management für institutionelle Kunden sowie klassisches Fondsgeschäft an. Führ ist nicht nur Großaktionär, er übernimmt auch den Aufsichtsratsvorsitz. Wie von dem bekannten Fondsmanager gewohnt, soll auch in Zukunft das Management von Anleiheportfolios im Mittelpunkt stehen, teilte das Unternehmen mit. Es sollen jedoch auch "bestehende Aktien- bzw. Multi-Asset-Kompetenzen genutzt" werden.

Die Vermögensverwaltung firmiere künftig als Führ Capital Partners Vermögensverwaltung AG, das Fondsgeschäft werde in der Führ Capital Partners Asset Management gebündelt. Das Unternehmen trete auch als eigene Kapitalanlagegesellschaft auf: Die Führ Capital Partners Investment AG übernehme die Verwaltung einiger der beratenen Fonds und übernehme Aufgaben für Fondsauflagen Dritter. Vom ehemaligen Großaktionär Altira wurden mit der VCH die betreuten Fonds sowie deren Privatkunden übernommen, auch die Geschäftssitze in Köln und Frankfurt sollen erhalten bleiben.

"Eingespieltes Team"
Der bisherige VCH-Chef Depner führt die Gesellschaft mit derzeit 15 Mitarbeitern als Alleinvorstand. Ihm zur Seite stehen Spezialisten, mit denen Führ schon seit vielen Jahren zusammenarbeitet: Oliver Heidecker wird ab 1. August Marketing und Unternehmenskommunikation verantworten, Jürgen Detering ab 1. September den Vertrieb leiten. Ebenfalls ab 1. August wird Markus Mitrovski als Portfoliomanager bei Führ Capital Partners arbeiten. "Weitere in der Branche bekannte und renommierte Persönlichkeiten werden folgen", teilte das Unternehmen mit.

"Ich bin sehr froh, dass in der neuen Firma ein eingespieltes Team zur Verfügung steht, das eine enorm hohe Qualität in Dienstleistungen und Abläufen gewährleistet – von der ersten Minute an", sagte Führ.

Fondspalette schrumpft
VCH kann eine Erfolgsmeldung dringend benötigen: Beobachter bescheinigtem dem Unternehmen Auflösungstendenzen – spätestens seitdem im vergangenen Herbst die Aufspaltung der Angermayer, Brumm und Lange Unternehmensgruppe (ABL Group) bekannt geworden war, zu dessen Konglomerat der Fondsanbieter früher gehörte.

Mehrere Mitarbeiter verließen das Unternehmen. Im April zum Beispiel wechselte der VCH Natural Resources mitsamt seinem Manager Torsten Dennin zum Rohstoffspezialisten Tiberius. "Die anderen Publikumsfonds wurden eingestellt, der Gegenwert an die Anleger zurückgegeben bzw. ausgezahlt", schreibt das Unternehmen auf seiner Website. Noch im Dezember hatte Altira-Chef Matthias Graat gesagt, die VCH bleibe ein "integraler Bestandteil der Unternehmensgruppe".

Johannes Führ Asset Management ohne Johannes Führ
Sein altes, nach ihm benanntes Unternehmen hat Führ unterdessen verlassen. Er sei nicht mehr Vorsitzender des Advisory Board, teilte Johannes Führ Asset Management (JFAM) am Dienstagmorgen mit. "Der Zeitpunkt des Ausscheidens von Führ ist überraschend, allerdings war seine Beratungstätigkeit von Anfang an nur temporär für eine Übergangszeit geplant gewesen", sagte Karl-Heinz Pfarrer, Vorsitzender der Geschäftsführung der JFAM.

Führ hätte keine operativen Aufgaben mehr gehabt. "Entgegen anderslautenden Medienberichten hatte Johannes Führ auch keine Anteile der Gesellschaft gehalten und konnte folglich auch keine Anteile abgeben", so Pfarrer weiter.

Neuer Chef, neue Eigentümer
Die Weichen für die Neuausrichtung des Frankfurter Wertpapierhauses seien bereits in den ersten Monaten des Jahres gestellt worden, teilte das Unternehmen mit. Zum 1. März war Pfarrer zur Geschäftsführung gestoßen, seither ist er auch für die Anlagepolitik der JFAM verantwortlich. Pfarrer war zuvor zwölf Jahre Sprecher der Geschäftsführung der Postbank Kapitalanlagegesellschaft gewesen und hatte lange als Portfoliomanager für institutionelle Kunden Rentenfonds verwaltet.

Zudem war ein Wechsel in den Eigentumsverhältnissen der JFAM erfolgt. "Die Gesellschaft befindet sich seit Anfang 2013 vollständig im Eigentum von vermögenden Privatpersonen, die das Unternehmen neu ausrichten. Sie hatten sich bereits im Jahr 2010 zu 50 Prozent an der JFAM beteiligt", schreibt das Investmenthaus. "Durch den schrittweisen Umbau ist die Zukunft der JFAM als banken- und versicherungsunabhängiges Wertpapierhaus gesichert", sagte Pfarrer. (bm)