Das Statistical Arbitrage-Team von Highbridge Capital Management sieht derzeit ein attraktives Umfeld für die Handelsstrategie der statistischen Arbitrage: "Die Rahmenbedingungen für eine Strategie, die kurzfristige Ineffizienzen und Fehlbewertungen im Markt sucht und daraus Rendite erzielt, sind deutlich besser geworden", erläutert Boudewijn Hoogenraad, Geschäftsleiter bei JPMorgan Asset Management (JPMOrgan AM) in Frankfurt. "Wir sehen derzeit verschiedene Voraussetzungen erfüllt, die eine solche Investmentstrategie unterstützen."

Kreditmarktkrise als Chance

Die Phase von August bis Oktober 2007, als im Sog der Kreditmarktkrise viele quantitative Strategien in Mitleidenschaft gerieten, sieht Hoogenraad heute als Chance: "Die Märkte verhielten sich aufgrund des De-Leveragings zahlreicher Hedgefondsmanager irrational: Diese mussten ihre liquiden und fundamental guten Titel, die sie ,long' hielten, verkaufen, um mit den Erlösen das mit den leer verkauften Short-Positionen verbundene Risiko abzubauen. Dabei verloren günstige, substanzstarke Aktien an Wert, während überbewertete Titel noch weiter anstiegen. Heute ist der Leverage-Anteil - also die Kreditaufnahme der Fonds, um zusätzliche Investments zu tätigen - wesentlich geringer als noch im letzten Sommer, als diese zum Teil das Vielfache ihres Volumens investierten. Somit ist der Markt nun mit weniger Liquidität überschwemmt."

Parallel habe sich der Anteil der Wettbewerber reduziert, die mit dem computerbasierten Investmentstil der statistischen Arbitrage nach Marktineffizienzen suchen. "Heute ist einfach nicht mehr so viel Druck im Markt der quantitativen Anlagestrategien; weniger Geld und weniger Portfolio Manager stehen im Wettbewerb um Marktineffizienzen", unterstreicht Hoogenraad. Zudem seien die nach wie vor volatilen Aktienmärkte positiv zu werten: "Die Unsicherheit im Markt hat die Volatilität auf ein nachhaltig erhöhtes Niveau ansteigen lassen, was dem Marktineffizienzen ausnutzenden Statistical Arbitrage-Investmentansatz förderlich ist: Der sentimentgetriebene Markt weist wieder größere Fehlbewertungen der Aktien auf und daraus lässt sich mit einem disziplinierten Investmentprozess zusätzliches Ertragspotenzial gewinnen." Möglicherweise sei dies das zweite "goldene Zeitalter" für Statistical Arbitrage-Strategien: Wie bereits 1998 nach den Schwellenländer- und LTCM-Krisen sei das Umfeld für diese Investmentstrategie derzeit geradezu ideal - bei hoher Volatilität sei weniger Geld in Risikokapital investiert.

Risikomanagementsystem verbessert

Parallel ist das Statistical Arbitrage-Modell von Highbridge weiter optimiert worden, um zukünftig auch für ein solches Umfeld gerüstet zu sein. Nachdem der JPM Highbridge Statistical Market Neutral Fund (HSMNF) das irrationale Marktverhalten zu spüren bekam, hat das Management-Team reagiert: So wurden beispielsweise Maßnahmen zum Schutz vor Korrelation mit anderen Managern in den Prozess eingebaut. Auch so genannte Crowded Trades können zukünftig vermieden werden. Dies schützt vor dem Herdenverhalten von Marktteilnehmern, die ähnliche Positionen halten und in Situationen wie im letzten Herbst gleichzeitig verkaufen wollen, was zu Engpässen und enormen Preisausschlägen führt. Inzwischen werden zusätzlich Ereignisse in anderen Märkten, die den Aktienmarkt beeinträchtigen könnten - wie beispielsweise das Kreditrisiko einbezogen. "Wir würden nicht sagen, dass das Risikomanagement-System des Statistical Arbitrage-Prozesses in dem Marktumfeld versagt hat. Aber es war nicht für eine solch extreme Entwicklung konstruiert. Das Management hat mit den verschiedenen Nachjustierungen im Prozess die Fähigkeit erhöht, Risiken zu identifizieren und zu managen, parallel ist es gelungen, die Prognosen zur Aktienauswahl noch zu verfeinern", unterstreicht Hoogenraad.

Alphagenerierung

Dieses internen und externen Faktoren haben dazu geführt, dass der JPM Highbridge Statistical Market Neutral Fund seit Jahresbeginn trotz - oder gerade wegen - der nach wie vor äußerst volatilen Aktienmärkte ein Plus von 6,5 Prozent erzielen konnte. "Das Investment in diese alternative Anlageform ermöglicht eine optimierte risikoadjustierte Portfoliodiversifizierung ohne der Volatilität des Marktes ausgesetzt zu sein. Die Erträge erfolgen ausschließlich aus der Alphagenerierung", betont Boudewijn Hoogenraad. Der HSMNF zielt mit einem Beta von weniger als 0,2 auf Marktneutralität ab - seit Auflegung wurde diese mit einem Beta von 0,01 auch tatsächlich erreicht. Dies bedeutet auch eine geringe Korrelation zu anderen Investments. Als in Luxemburg domizilierter UCITS III Fonds ist der HSMNF mit seiner alternativen Anlagestrategie auch für Privatanleger verfügbar, und das bei täglicher Liquidität und zu den Kosten eines Publikumsfonds.

Mit den JPM Highbridge STEEP-Fonds (STEEP steht für Statistically Enhanced Equity Portfolio) setzen nun auch klassische Long Only-Portfolios den computerbasiserten Ansatz und die Erfahrung von Highbridge um. Neben einem Fonds für den europäischen Aktienmarkt ist geplant, die STEEP-Strategie auch für andere Anlageregionen, beispielsweise die USA, umzusetzen.

Ziel der statistischen Arbitrage-Handelsstrategie ist, systematisch kleine und vorhersehbare Marktineffizienzen innerhalb der Aktienmärkte zu identifizieren. Mathematische Modelle vergleichen aktuelle Wert eines Titels mit historischen und Echtzeit-Daten. Daraus lässt sich eine weitere Entwicklung prognostizieren, um Preisanomalien auszunutzen.

Die Handelsstrategie der statistischen Arbitrage ist anders als bei traditionellen Aktienanlagen rein quantitativ getrieben und damit äußerst effizient und kostengünstig in der Implementierung. Sämtliche Anlageentscheidungen werden durch ein Computermodell getroffen, das die Analyse einer sehr großen Datenmenge ermöglicht. Die Portfoliokonstruktion ist nicht durch menschliche Faktoren eingeschränkt, sondern bietet ein Management des Portfoliorisikos in Echtzeit. Das Portfolio besteht aus einer großen Anzahl kleiner Einzelpositionen, die sich durch eine durchschnittliche kurze Haltedauer auszeichnen, gepaart mit einem niedrigen Gewinnziel pro Trade. Ziel der häufigen Portfoliooptimierung ist eine ständige Ausgeglichenheit und Diversifizierung. (rmk)