Der Kölner Vermögensverwalter RP Rheinische Portfolio Management hat im Juni zwei neue standardisierte Fondsvermögensverwaltungen initiiert. Grund dafür sei die große Nachfrage nach der "Topseller Select Strategie Defensiv" und Anfragen mehrerer Vertriebspartner gewesen, sagt RP-Geschäftsführer Christian Roch gegenüber FONDS professionell ONLINE. Die Depotführung und Verwaltung liegt bei der Augsburger Aktienbank.

Für die im März 2014 aufgelegte defensive Strategie stellt RP ein Portfolio aus zehn vermögensverwaltenden Mischfonds zusammen, die auf den Bestseller-Listen der Maklerpools und Finanzvertriebe zu finden sind. In der Vermarktung hat das den Vorteil, dass die Vermittler und ihre Kunden viele der Fonds und ihre Manager bereits kennen. "Lassen Sie zehn Top-Vermögensverwalter für sich arbeiten", lautet der Slogan der RP.

Quantitatives Scoring-Modell
Die Fondsauswahl geschieht nach einem rein quantitativen Scoring-Modell. Dort fließen neben der Performance über drei Jahre unter anderem Kennzahlen wie die Information Ratio, der maximale Verlust und die Volatilität ein. Berücksichtigt werden außerdem das Momentum und das Verhalten des Fonds in verschiedenen Marktphasen. Dieses Modell hat der Vermögensverwalter nun auf eine offensive Variante mit Aktienfonds und eine flexible Strategie übertragen, die aus einer Mischung aus Aktien- und Mischfonds besteht.

Die Arbeiten an den neuen Vermögensverwaltungen begann das RP-Team bereits Ende vergangenen Jahres. Doch eins zu eins ließen sich die Systematik und das Selektionsmodell nicht auf die neuen Strategien übertragen. "Während der Entwicklungsphase zeigte sich, dass eine einfache Anpassung, das heißt das Ersetzen von vermögensverwaltenden Topsellern durch die beliebtesten Aktienfonds, nicht zum Erfolg führte", sagt Mirko Hajek, Analyst bei RP Rheinische Portfolio Management.

In der Rückrechnung ergaben sich zwar gute Ergebnisse, diese beruhten zum großen Teil aber auf dem sogenannten "Backtest-Bias". "Das bedeutet, dass das Modell auf Basis historischer Daten gute Fonds selektierte, was zu guten Ergebnisse führte. "Bei der Überprüfung der Ergebnisse unter Realbedingungen zeigte sich jedoch, dass die Ergebnisse deutlich schlechter ausfielen", so Hajek. Erst nach vielen Tests über mehrere Monate hinweg gelang es ihm und seinen Kollegen, auch unter Realbedingungen valide Ergebnisse zu erzielen.

Eine Auswahl global anlegender Aktienfonds
Bei der "Topseller Select Strategie Offensiv" kommen nur global anlegende Aktienfonds zum Einsatz. "Zum einen selektiert das Modell in dieser vergleichsweise homogenen Fondskategorie konstant gute Fonds, und zum anderen gewinnen wir eine zweite Ebene", erläutert Hajek. "Ähnlich wie bei den vermögensverwaltenden Fonds bei der bestehenden defensiven Strategie haben die Fondsmanager weltweit anlegender Aktienfonds vergleichsweise hohe Freiheitsgrade. Das heißt, die Manager können aktiv auf Marktveränderungen durch die Anpassung der Länder- und Sektorengewichtungen sowie der Währungsallokation reagieren." Diese Reaktion innerhalb der Fonds gelinge sehr schnell, anders als der Austausch einzelner Fonds in der Vermögensverwaltung. Wichtig sei zudem die Verkaufsdisziplin: "Gerade Verluste durch längere Schwächephasen von Zielfonds können durch den konsequenten Verkauf weitestgehend vermieden werden", meint RP-Geschäftsführer Roch.

Das jährliche Managemententgelt der "Topseller Select Strategie Offensiv" beträgt 1,69 Prozent. Laut Simulation warf diese Strategie nach Kosten seit Mitte 2009 knapp 9,9 Prozent Rendite per annum bei 10,4 Prozent Volatilität ab. Weil der Zeitraum der Rückrechnung in eine veritable Aktienhausse fällt, dürfen Anleger jedoch nicht erwarten, in den kommenden Jahren ähnlich hohe Renditen zu erzielen.

Mischung aus defensiver und offensiver Strategie
Die "Topseller Select Strategie Flexibel" greift auf das zusammengefasste Anlageuniversum der defensiven und der offensiven Strategie zurück. "Das Selektionsmodell übernimmt hier zusätzlich auch noch die Allokationssteuerung", erläutert Hajek. Im Test unter Realbedingungen, also der Simulation seit Juni 2009, glich sich die Strategie je nach Marktlage entweder der defensiven oder der offensiven Strategie an. Das Managemententgelt dieser standardisierten Vermögensverwaltung beträgt 1,59 Prozent pro Jahr. In der Simulation lag die erzielte Rendite nach Kosten bei 8,2 Prozent per annum, die Volatilität bei 8,3 Prozent. (bm)