An globalen Aktien führe kein Weg vorbei, sagte Christoph Bruns, Fondsmanager und Vorstandsmitglied der Investmentboutique Loys, am Donnerstagvormittag auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim. "Die Aktie bleibt alternativlos. Die Weltwirtschaft wächst, es gibt nach wie vor mehr Chancen als Probleme." Das sei bei den Anlegern allerdings immer noch nicht angekommen. Die Vermögensallokation deutscher Investoren sei kurzfristig, steuerorientiert und renditeschwach. "Die Deutschen wollen keine Aktien, sie wollen Zinsanlagen mit desaströsen Ergebnissen", fasste Bruns zusammen.

Es sei erstaunlich, dass Anleger offenbar lieber in den grauen Kapitalmarkt investierten – und Verluste wie jüngst durch Prokon riskierten –, statt liquide und transparent an der Börse zu kaufen oder in Aktienfonds zu investieren, die als Sondervermögen einen gewissen Schutz bieten. Die Scheu vor Aktien sei nicht nur unter Privatanlegern verbreitet: Institutionelle Investoren in Deutschland hielten derzeit im Schnitt 43 Prozent Anleihen und nur 5,8 Prozent Aktien. Mit Aktien erwerbe man das Privileg, sich aktiv an Unternehmen, also an der Wirtschaft, zu beteiligen. "Das will aber keiner hören. Man kommt sich vor wie Don Quixote", so der Fondsmanager.

Aktienbewertungen sind zweitrangig
Es sei zweitrangig, wie teuer oder billig Aktien jetzt seien. Sie böten aktuell einen Renditeunterschied von 4,6 Prozent zu Anleihen – das sei ein gewichtiges Argument. Der DAX habe seit Mitte der 1960er Jahre pro Jahr durchschnittlich um sieben Prozent zugelegt. Das sei auch für die kommenden zehn Jahre eine realistische Zahl. Derzeit gebe es viele Firmenübernahmen, das treibe die Kurse zusätzlich. "Die Börse wird in diesem Jahr relativ robust bleiben", sagte Bruns. Der Fondsmanager investiert mit dem Flaggschifffonds Loys Global grundsätzlich global. Kürzlich habe er erstmals auch einen chinesischen Wert ins Portfolio aufgenommen, erzählte er. Auf Einjahressicht legte der Fonds um 14,5 Prozent zu, auf Sicht von fünf Jahren erzielte er ein Plus von 18,5 Prozent jährlich.

Für die kommende Zeit erwartet Bruns deutliche Zuwächse bei japanischen Aktien. "Wir finden dort nach wie vor interessante Titel, vor allem in der zweiten und dritten Reihe." In Europa sei die Krise an den Kapitalmärkten abgehakt, die Frage sei nun, ob die Realwirtschaft sich im laufenden Jahr spürbar erhole. "Die Welt hat die Hoffnung, dass Europa Tritt fasst. Ich halte das auch für das wahrscheinlichste Szenario", sagte der Fondsmanager. Er zweifelte allerdings daran, ob sich Griechenland tatsächlich sanieren lässt, und wies darauf hin, dass Deutschland ein Demografie- und damit auch ein Wachstumsproblem hat: "Deutschland kommt in eine zunehmend schwierige Situation." (jg)