Das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) sieht ab dem kommenden Jahr eine Höchstgrenze für die Zillmerung bei Lebenspolicen von 25 Promille der Prämien vor. Statt wie bislang 4,0 Prozent der Beitragssumme können die deutschen Lebensversicherer in ihren Bilanzen künftig nur noch 2,5 Prozent der Vertriebs- und Abschlusskosten bilanziell geltend machen. Wollen sie ihr derzeitiges Provisionsniveau beim Abschluss nicht reduzieren, müssten sie die Differenz aus anderen Töpfen als den Beiträgen nehmen.

Als Reaktion auf diese Bestimmungen arbeiten die inländischen Versicherer derzeit mit Hochdruck an den neuen Provisionsmodellen, die sie bis Ende des Jahres in ihre Tarifsysteme integriert haben müssen. Wobei es sich vor allem finanzstarke Anbieter leisten können, die Reaktionen im Markt und neue Modelle zunächst abzuwarten, da sie in der Lage sind, ihre Courtagen auch ab 2015 aus anderen Budgettöpfen bezahlen zu können.

Von den neuen Bilanzierungsregeln des LVRG nicht betroffen sind ausländische Lebensversicherer mit Sitz im EU-/EWR-Raum, für die die Rechnungslegungsvorschriften des jeweiligen Heimatlandes gelten. Im Gegensatz zu ihren deutschen Mitbewerbern haben sie die Möglichkeit, ihre bisherigen Provisionsmodelle beizubehalten. Eine durchaus komfortable Situation, die auf Vertriebsebene einen Wettbewerbsvorteil verspricht. Dennoch könnten sich einige der Anbieter den neuen Modellen ihrer deutschen Mitbewerber anschließen, wie Recherchen von FONDS professionell ONLINE zeigen. Konkrete Angaben dazu macht jedoch bisher keiner.

Standard Life prüft alternative Provisionsmodelle
So hat etwa Canada Life nach eigenen Angaben noch nicht entschieden, wie ihr künftiges Provisionsmodell aussehen wird. Die in Liechtenstein ansässige Vienna Life Lebensversicherung erklärte, dass sie ihre Provisionen nicht wegen des LVRG ändern werde, künftig aber in erster Linie mit Honorarberatern zusammenarbeiten wolle. Bei Standard Life wiederum prüft man derzeit wie die deutschen Mitbewerber flexible Modelle. "Das ist eine strategische Überlegung, da wir aufgrund unserer britischen Erfahrungen erwartet haben, dass Alternativen zum traditionellen Provisionsmodell weiter an Bedeutung gewinnen werden", sagt Andrea Helmerich, Head of Strategy and Business Planning bei Standard Life Deutschland. Was genau unter einem flexiblen Modell zu verstehen ist, bleibt dabei offen.

In welche Richtung die Überlegungen gehen, zeigt das Beispiel der Stuttgarter Lebensversicherung, die sich als einer der ersten deutschen Anbieter aus der Deckung gewagt und angekündigt hat, ab dem 1. Januar 2015 die einmalige Vermittlungsprovision bei Abschluss des Vertrages zu reduzieren, im Gegenzug die laufende Provision deutlich zu erhöhen und ausgewogen auf die gesamte Laufzeit des Vertrages zu verteilen. Der Hintergrund für diese Entscheidung der Stuttgarter ist, dass – zumindest nach heutigem Stand – eine laufende Courtage nicht unter die gezillmerten Kosten fällt, weil sie Verwaltungskosten sind. Dieses Modell wird vermutlich zum Standard werden, wie eine Anfrage von FONDS professionell unter sechs deutschen Versicherern Mitte September ergeben hat.

VVG/LVRG gelten für alle ausländischen Versicherer
Anzumerken, als kleiner Exkurs zu dem LVRG, ist, dass dieses sowohl das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) als auch das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) geändert bzw. ergänzt hat. Das deutsche VAG – und damit die dort geregelten Bilanzierungsvorschriften – gilt aber für ausländische Versicherer aus dem EU-/EWR-Raum nicht. Sie brauchen ihren Produktvertrieb in Deutschland der Finanzaufsicht BaFin nur anzuzeigen, ansonsten sind für sie die Aufsichtsbehörden in ihren Stammländern und damit die dortigen Aufsichtsgesetze zuständig. Ausländische Versicherer aus anderen Teilen der Welt einschließlich der Schweiz, die ihre Produkte hier nur vertreiben dürfen, wenn sie in Deutschland eine eigene Tochtergesellschaft gegründet haben, unterliegen hingegen vollständig dem deutschen VAG. Entsprechend müssen sie ihre Provisionsmodelle wie die deutschen Versicherer auf den Prüfstand stellen.

Allerdings, ausnahmslos alle in Deutschland tätigen Versicherer – und damit auch diejenigen Gesellschaften aus dem EU- oder dem EWR-Raum – sind von den Änderungen betroffen, die das LVRG an dem VVG vorgenommen hat, beispielsweise die Informationspflichten nach Paragraf 61 VVG: "Wenn ein ausländischer Versicherer im Inland über eine Tochtergesellschaft oder eine Niederlassung operativ tätig wird, dann sind auch die hier in Deutschland geltenden Bestimmungen regelmäßig einzuhalten und damit auch das LVRG", betont daher Rechtsanwalt Dr. Johannes Fiala aus München. (jb/rmk)