Mehr als 15 Monate nach der Aufdeckung des Maddoff"chen Schneeball-Systems im Dezember 2008 sind die Liquidatoren des Herald (Lux) US Absolut Return Fonds dem Beispiel anderer Madoff-Feeder-Fonds gefolgt und haben eine Schadensersatzklage eingereicht. Auf diesen Schritt hatten betroffene private und institutionelle Anleger in Deutschland und Österreich, wo der Herald (Lux) zu den am stärksten vertrieben Madoff-Fonds zählte, seit Monaten gewartet. Die Klageeinreichung war bereits in der Gläubigerversammlung Ende Oktober 2009 avisiert worden, hatte sich aber immer wieder verzögert. Ungeachtet des Ausgangs eines bevorstehenden Verfahrens dürften Investoren dennoch kaum Grund zum Jubeln haben. Experten rechnen mit einem jahrelangen Rechtsstreit.

Wie aus dem aktuellen "Aktivitäts-Report" der beiden Luxemburger Fondsliquidatoren Carlo Reding und Ferdinand Burg hervor geht, "richtet sich die am 17 März 2010 eingereichte Klage gegen verschiedene Parteien, die während der Laufzeit   der Herald (Lux) SICAV Berührungspunkte mit dem Fonds hatten." Laut einer Mitteilung der Fondsgesellschaft LRI Invest S.A., deren Vertreter sich nur wenige Tage später, am 23. März, zu einem informellen Gespräch mit den verantwortlichen Liquidatoren zusammen fanden, "wurden sämtliche am Fondskonstrukt beteiligten Dienstleister - einschließlich der Luxemburger Aufsichtsbehörde CSSF - verklagt, jedoch mit Ausnahme der Rechtsanwälte, die die Auflegung der SICAV begleiteten." Adressaten der Klage dürften demnach unter anderem die bereits liquidierte Wiener Bank Medici (offizieller Fondsmanager und Fondsinitiator), die Depotbank HSBC Securities Lux. S.A. und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young sein.

Laut LRI Invest wird die mehr als 100 Seiten umfassende Klage als schriftliches Verfahren geführt werden, weshalb es zunächst keine mündlichen Verhandlungen geben werde. Der Klageantrag lautet auf Herausgabe der Vermögenswerte der SICAV, ersatzweise Leistung von Schadensersatz. Zum weiteren Verlauf des gerichtlichen Verfahrens heißt es von Seiten der LRI: "Die beklagten Parteien werden nun durch ihre Rechtsanwälte ihre Klageerwiderungen erstellen lassen. Anschließend werden die Liquidatoren zu den eingegangenen Schriftsätzen sicherlich abermals Stellung nehmen. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die derzeit beklagten Parteien auch untereinander verklagen werden. Über die Verfahrensdauer kann zum aktuellen Zeitpunkt nur spekuliert werden. Sollte es jedoch von Nöten sein, dass der gesamte zur Verfügung stehende Rechtsweg über mehrere Instanzen ausgeschöpft werden wird, dann erscheint als Zeitfenster zehn Jahre durchaus realistisch bis es zu etwaigen Rückflüssen kommt."

Eine Übersicht zu den Entwicklungen im Fall Madoff finden interessierte Leser auch in der aktuellen Ausgabe von FONDS professionell (1/2010), die in diesen Tagen erscheint. (rmk)