Vor einigen Tagen veröffentlichte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – häufig als "mächtigste Bank der Welt" bezeichnet – ihren Quartalsbericht, der die Lage auf den Schulden-Märkten als äußerst kritisch beschreibt, wie die "Deutschen Wirtschafts Nachrichten" melden. Die "außergewöhnlichen Maßnahmen der Zentralbanken" – sprich die Geldschwemme – hätten auf den Märkten die Illusion erweckt, dass die massiv in den Markt gepumpte Liquidität die fundamentalen Probleme lösen könnte.

Weltweiter Schuldenberg wächst immer weiter
Dieser Bericht könnte der Auslöser gewesen sein, dass sich die US-Notenbank Fed zur Überraschung der meisten Experten zur Fortführung ihrer bisherigen ultralockeren Geldpolik entschlossen hat. Nach Ansicht der BIZ-Experten werde damit allerdings kein einziges Problem gelöst – im Gegenteil, der weltweite Schuldenberg wächst immer weiter. Bereits Ende Januar hatte BIZ-Generaldirektor Jaime Caruana im Rahmen des World Economic Forum (WEF) dringend vor der Crash-Gefahr gewarnt, da sich die Finanzmärkte durch die niedrigen Zinsen und das unablässige Gelddrucken mitten in einer gigantischen Blasenbildung befinden.

"Es sieht wieder aus wie 2007 – nur noch schlimmer"
Die britische Zeitung "Telegraph" zitiert dazu auch den früheren Chefökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, William White: "Es sieht wieder aus wie 2007 – nur noch schlimmer." Alle früheren Ungleichgewichte seien noch da und zudem würden die öffentlichen und privaten Schuldenquoten in den entwickelten Staaten heute um 30 Prozent höher als damals liegen. "Und wir haben ein ganz neues Problem in den Schwellenländern", so White, der nun als Ökonom bei der OECD arbeitet, zur Zeitung. Der Grund dafür sei die weltweite Jagd auf risikoreiche Finanzprodukte – dieses kollektive Verhalten erinnert White an das Phänomen der "Überschwänglichkeit", das in die globale Finanzkrise führte. Niemand wisse, wie hoch die globalen Fremdkapitalkosten steigen, ob die US-Notenbank ihre Geldpolitik verschärft – oder "wie ungeordnet der Prozess möglicherweise ist und die Herausforderungen vorbereitet werden soll".

Unzureichende Aktionen der Zentralbanken
Die BIZ kritisierte in ihrem Bericht überraschend offen die unzureichenden Aktionen der Zentralbanken – namentlich nannte sie dabei den britischen Notenbank-Chef Mark Carney und EZB-Präsident Mario Draghi. Der Versuch, bestimmte "Richtlinien" ("forward guidance") zu definieren, um die Zinsen für Staatsanleihen langfristig niedrig zu halten – wie die EZB-Ankündigung der unbegrenzten Staatsanleihenkäufe oder die Koppelung der Fed- und BoE-Maßnahmen an die Arbeitslosenzahl – sei lediglich Rhetorik, die im Wesentlichen versagte. (mb)