Bereits zum zwölften Mal trafen am 30. und 31. Januar Fondsgesellschaften, Versicherungen, Maklerpools, Softwarehäuser und andere Branchenspezialisten auf mehr als 6.000 deutsche Finanzberater, Vermögensverwalter, CFPs und Investmentspezialisten aus Banken und Sparkassen.

Angesichts der anhaltend schwierigen Situation für die gesamte Finanzindustrie war das Interesse an der enormen Bandbreite von Themen, die dieses Zusammentreffen bietet, erneut sehr hoch. Die Meinungen führender Marktspezialisten fanden dabei ebenso viele Zuhörer wie die Fachvorträge, die sich unmittelbar mit dem Vertrieb und den damit verbundenen technischen und rechtlichen Problemen beschäftigten.

Bezogen auf die weitere Marktentwicklung sprach sich eine auffallend große Anzahl der referierenden Top-Experten für Aktienanlage aus. Fast durchwegs wird hier die Ansicht vertreten, dass angesichts der zuletzt so stark nachgefragten Anleihen und der damit gestiegenen Kurse in diesem Bereich Vorsicht angezeigt ist. Als einzig verbleibende Alternative sehen erwiesenermaßen erfolgreiche Fondsmanager derzeit Dividendentitel.

Emotionales Rededuell der Top-Ökonomen Sinn und Bofinger
Weiterhin große Sorge gilt dem Schicksal der europäischen Gemeinschaftswährung. Hier wird zwar die zuletzt dank der umfangreichen EZB-Maßnahmen eingetretene Entspannung klar wahrgenommen, von einer Lösung der Probleme – da waren Experten und Besucher einer Meinung – könne aber noch keine Rede sein. Da das Anlegervertrauen nicht zuletzt von der weiteren Entwicklung dieses Themas abhängt, war das Interesse an einer Diskussion zu diesem Thema zwischen den beiden Top-Ökonomen Hans Werner Sinn und Peter Bofinger sehr groß. Das ebenso konstruktive wie kontroversielle Streitgespräch der Experten brachte klar zutage, dass die Komplexität der Situation so hoch ist, dass schon eine geringfügig unterschiedliche Bewertung der Fakten zu anderen Schlussfolgerungen führen kann. Das erklärt auch plausibel, warum die Politik hier so lange um Entscheidungen ringt und man auch in weiterer Folge keine simplen Lösungen erwarten darf.

Jim O'Neill: Schicksal Griechenlands global nicht relevant
Einen interessanten Denkanstoß lieferte Jim O'Neill von Goldmann Sachs Asset Management. Der Erfinder von Wachstumsländergruppen wie "BRIC" und "Next 11" führte dem äußerst interessierten Auditorium vor Augen, dass das "Schicksal" einer Volkswirtschaft wie Griechenland – global betrachtet – nicht wirklich relevant ist. O'Neill wiederholte sein schon seit Anfang 2012 vorgebrachtes Argument, dass das Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft sozusagen alle zwölf Wochen eine "neues Griechenland" produziert. Selbst die Wirtschaftleistung von Ländern wie Italien oder Spanien nimmt sich gegenüber dem anhaltend starken Wachstum von Staaten wie der BRIC-Gruppe (Brasilien, Russland, Indien und China) vergleichsweise unwichtig aus. O'Neill verwies darauf, dass sich offenbar auch der britische Regierungschef David Cameron dieser Sichtweise angeschlossen habe, was die Haltung erkläre, dass Großbritannien zuletzt klar auf Distanz zu Europa ging.

Insgesamt hält der Goldman-Sachs-Mann die Einschätzung vieler Beobachter für viel zu pessimistisch. In einer Projektion der globalen Wirtschaftsentwicklung bis zum Jahr 2020 gelangt der Vermögensverwaltungsarm von Goldman Sachs zu dem Ergebnis, dass die globale Wachstumsrate sogar über jener der 90er- bzw. 00er-Jahre liegen dürfte. Die Schlussfolgerung daraus sei die klare Favorisierung von Aktienanlage für den Rest der Dekade.

Paragraf 34f im Brennpunkt
Auf Seiten des Vertriebs sorgten vor allem regulatorische Themen für Gesprächsstoff. Die Einführung des §34f hat eine Reihe grundlegender Veränderungen mit sich gebracht. Neue Anforderungen an die Sachkunde und die lückenlose Dokumentation des Beratungsprozesses stellen Berater vor große Herausforderungen. An dieser Stelle sind Pool bzw. Haftungsdach als kompetente Dienstleister gefordert. Etliche Vorträge beschäftigten sich daher mit dem Übergang von Paragraf 34c Gewerbeordnung auf den neuen Finanzanlagenvermittler Paragraf 34f.

Die BCA AG Vorstandsmitglieder Dr. Frank Ulbricht und Oliver Lang gaben in ihrem Vortrag mit dem kritischen Titel "34f Verbraucherschutz oder Vermittlersterben" einen interessanten Einblick in die flexible Haftungsdachlösung des Pools. Und NFS Netfonds-Vorstand Martin Steinmeyer zeigte in seinem Vortrag "Für jede Regulierung eine Lösung" konkrete Lösungsansätze für die Zukunft der Finanzberater. Dass es in Zeiten verschärfter Regulierung auch einer professionellen Technologie bedarf, um Kunden von Vermögensanlagen begeistern zu können, erklärte Reinhard Tahedl, Vorstandsvorsitzender der fundsaccess AG, in seinem Vortrag "§34f-konform beraten im iPad-Zeitalter". Für Tahedl liegt die Zukunft der Beratung im Einsatz von Touchpads. Mit Hilfe dieser neuen Möglichkeit kann der Berater den Kunden mit wenigen Klicks zu einem Anlagevorschlag führen, die Beratung rechtskonform dokumentieren und spielerisch einfach die Entwicklung der Vermögenswerte aufzeigen.