Richard Woolnough hat mit den Ergebnissen des von ihm gemanagten M&G Optimal Income Fund schon oft bewiesen, dass er in der Lage ist, auch aus schwierigen Situationen insbesondere an den Rentenmärkten ein positives Ergebnis für seine Anleger herauszuholen. Und auch in der verworrenen Situation um die EU-Ausstiegsentscheidung erkennt der Brite attraktive Bewertungen, die sich daraus in ausgewählten Sektoren des Investment Grade- wie auch des High Yield-Bereichs ergeben können, und zwar sowohl in den USA als auch in Europa.

Herr Woolnough, was sind die Konsequenzen aus dem Brexit-Entscheid?

Richard Woolnough: Die Reaktionen auf die Entscheidung des britischen Referendums, die EU zu verlassen, war natürlich über die globalen Renten- und Devisenmärkte hinweg beträchtlich. Die Headlines der Medien wurden dominiert vom scharfen Fall des britischen Pfunds, was insofern nicht verwundern kann, als die Märkte zunehmend einen Verbleib Großbritanniens in der EU erwartet hatten, je näher die Entscheidung rückte. Stattdessen stehen die Marktteilnehmer nun vor einer Situation, in der es die Auswirkungen der Entscheidung abzuwägen gilt, wobei die meisten Ökonomen von einer deutlichen Abschwächung des Wachstums ausgehen. Nach unseren Erkenntnissen hat schließlich schon allein die im Vorfeld der Entscheidung aufkommende Unsicherheit dazu geführt, dass das britische Bruttoinlandsprodukt um 50 Basispunkte zurückgegangen ist.

Was sind besondere Risiken, die aus der Entscheidung der Briten erwachsen?

Woolnough: Die wesentlichen Aspekte werden eine Verzögerung bei der Investitionstätigkeit von Unternehmen sowie erheblich vorsichtiger agierende private Haushalte sein. Da nun auch mit einer Abschwächung des globalen Wachstums zu rechnen sein wird, dürfte das auch Auswirkungen auf die Politik der amerikanischen Notenbank haben. Die Federal Reserve wird sich nach unserer Einschätzung mit einer weiteren Straffung ihrer Zinspolitik zurückhalten. Von daher dürfte es in absehbarer Zukunft keine weiteren Zinsanhebungen geben. Für Großbritannien wiederum verändert sich mit der neuen Situation potenziell auch der Ausblick für die Inflationsentwicklung. Eine Abwertung des britischen Pfunds in der Größenordnung von zeitweise zehn Prozent gegenüber dem US-Dollar wird zu höheren Importpreisen führen. Das bedeutet aber auch, dass die britische Inflation nach Jahren einer Entwicklung unterhalb der Zielgröße wieder deutlicher ansteigen wird.  

Es wird aber auch immer wieder von Chancen gesprochen, die sich nun auftun. Können Sie welche erkennen?

Woolnough: Der Ausverkauf von Risiko-Assets, wie wir ihn als Folge der britischen Entscheidung erlebt haben, wird sicherlich einiges an Chancen mit sich bringen, insbesondere für langfristig orientierte Value-Investoren. Wichtig in diesem Zusammenhang: Kredite sind derzeit fundamental betrachtet billig zu haben. In Anbetracht der Tatsache, dass die Märkte eine deutlich höhere Kreditausfallrate eingepreist haben als meines Erachtens wahrscheinlich ist, hat der Post-Brexit-Sell-Off diese Überkompensation von Ausfallrisiken sogar noch erhöht. Vor diesem Hintergrund tun sich durchaus ansprechende Bewertungen in ausgewählten Sektoren des Investment Grade- wie auch des High Yield-Bereichs auf, und das sowohl in den USA als auch in Europa.

Wie haben Sie in dem von Ihnen gemanagten M&G Optimal Income Fund auf die "Leave"-Entscheidung reagiert?

Woolnough: Wir hatten die Positionierung des Fonds im Vorfeld des britischen Votings nicht wesentlich verändert. Und wir werden unsere Investmententscheidungen auch im Nachgang des Referendums weiterhin anhand eines Top-Down-Ansatzes unter Einbeziehung von makroökonomischen Faktoren treffen. (hh)