Europas Fondsindustrie beschäftigt etwa 80 Lobbyisten mit einem jährlichen Budget von mindestens zwölf Millionen Euro, um die Brüsseler EU-Regulierung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Das geht aus einer Recherche von FONDS professionell im Transparenzregister der EU hervor.

Die 13 nationalen und europäischen Investmentfondsverbände, die ihre Daten dem Brüsseler Register gemeldet haben, finanzierten im Jahr 2014 demnach 61,1 Vollzeitstellen für Interessenvertreter, die sich um EU-Politik kümmern. Das stärkste Engagement zeigt dabei die britische Investment Association mit 14 Vollzeitstellen, gefolgt vom europäischen Branchenverband EFAMA mit 11,2 Stellen. Der deutsche BVI gab neun volle Stellen zu Protokoll, wobei in der Brüsseler Dependance nur drei Mitarbeiter beschäftigt sind; die anderen Kollegen arbeiten von Frankfurt oder Berlin aus. Das Budget für EU-Politik der Branchenverbände lag 2014 kumuliert bei 9,7 bis 11,6 Millionen Euro – im Register werden meist Spannen statt konkreten Summen angegeben (für Grafiken und Details siehe unsere Bilderstrecke oben – einfach durchklicken!).

Neben den Verbänden konnte FONDS professionell 17 Asset Manager identifizieren, die ihre Daten im Transparenzregister offenlegten, darunter bekannte Namen wie Blackrock, Fidelity, Amundi oder Union Investment. Sie finanzierten 2014 in Summe 15,2 Vollzeitstellen für Interessenvertreter, deren Budget bei 2,6 bis 3,7 Millionen Euro lag. In Summe verfügten Verbände und Asset Manager demnach über Finanzmittel von 12,3 bis 15,3 Millionen Euro.

Die gesamte Finanzbranche beschäftigt 1.700 Lobbyisten
Noch nicht berücksichtigt sind in diesen Zahlen die Daten von Banken und Versicherern, die ebenfalls große Asset-Management-Einheiten unterhalten, deren Interessen sie über die Konzernrepräsentanz in Brüssel mit vertreten. Dazu zählen Geldinstitute wie die Deutsche Bank, J.P. Morgan, Goldman Sachs und UBS oder Versicherer wie Allianz, Standard Life, Prudential und Aviva. Würde man deren Lobby-Mannschaft und Budget anteilsmäßig der Fondsindustrie zurechnen, wäre die Schlagkraft der Asset-Management-Branche entsprechend höher. Nicht vergessen werden darf zum Beispiel auch der Sparkassenverband DSGV, der die Interessen der Deka Bank mit vertritt.

Die Präsenz der Fondsindustrie in Brüssel ist spürbar, sollte im Vergleich zur gesamten Finanzbranche aber nicht überbewertet werden. Eine im April vergangenen Jahres von der Organisation Corporate Europe Observatory vorgelegte Studie kam zu dem Ergebnis, dass gut 700 Unternehmen und Verbände aus dem Finanzsektor Lobby-Arbeit in Brüssel betreiben. Sie beschäftigen der Untersuchung zufolge mehr als 1.700 Lobbyisten mit einem Budget von insgesamt rund 123 Millionen Euro, während sich in der EU-Kommission nur rund 400 Beamte mit Finanzthemen beschäftigen (siehe hierzu den ausführlichen Bericht in FONDS professionell 2/2014).

Mit dem erwähnten Register wollen das Europäische Parlament und die EU-Kommission Transparenz in die Entscheidungsfindungsprozesse in der Union bringen. Die Bürger sollen erfahren, welche Lobbygruppen auf die Politik Einfluss zu nehmen versuchen und welche Finanzmittel ihnen dafür zur Verfügung stehen. Nichtregierungsorganisationen bemängeln jedoch, dass die Teilnahme an dem 2008 eingeführten Register für die Interessenvertreter freiwillig ist. (bm)