Die weltgrößten Goldproduzenten hatten im Verlaufe eines zwölf Jahre währenden Bullenmarktes rund 30 Milliarden US-Dollar an Schulden angehäuft. Grund sind Übernahmen und Investitionen in neue Minen. Das wird für einige Unternehmen zum Stolperstein: Die Kosten sind enorm angestiegen, während zugleich der Goldpreis eingebrochen ist. Die weltweite Goldbranche steht womöglich vor einem Scherbenhaufen. Diese Mainung vertritt Mark Bristow, der Vorstandsvorsitzende von Randgold Resources. Seit einem Hoch 2011 ist der Preis des Edelmetalls um 38 Prozent eingebrochen, was viele Produzenten nun unter Druck setzt. Bristow sieht darin Chancen für seine Firma: "Es sind spannende Zeiten."

Randgold ist im Gegensatz zu einem Großteil der Goldproduzenten schuldenfrei und arbeitet beim aktuellen Goldpreis profitabel, sagt Bristow. Die Aktie seines Unternehmens hat sich in den vergangenen zehn Jahren so gut entwickelt wie keine andere der Konkurrenz. Die "Kriegskasse" sei mit bis zu 700 Millionen Dollar gut gefüllt, um Aktiva von in Schieflage geratener Mitbewerber zu kaufen.

"Gut positioniert, um als Raubtier aufzutreten"
Unter Bristows Führung hat Randgold in der Regel Abstand von Übernahmen genommen. Das Unternehmen baute seine Geschäfte aus, indem es selbst nach neuen Minen suchte. Entdeckungen wurden in Mali, dem Senegal und an der Elfenbeinküste gemacht. Eine Ausnahme war die 2009 erfolgte Übernahme von Moto Goldmines für rund 500 Millionen Dollar. Bei der Transaktion hatte sich die Firma mit AngloGold Ashanti zusammengetan. "Ohne Schulden und einer gut Bargeldgenerierung im weiteren Verlauf, selbst bei niedrigen Goldpreisen, ist Randgold gut positioniert, um als Raubtier aufzutreten", hieß es in einer Kundennotiz von Investec. Es könne sein, dass die Branche noch weiter unter Druck geraten müsse, bevor sich Randgold tatsächlich zu Übernahmen entschließe.

Bristows Worten zufolge ist seine Firma bereit, dass Moto-Model zu wiederholen – also einen Zukauf gemeinsam mit einem Partner anzugehen. Daher könnte Randgold nach Zielen Ausschau, die bis zu 1,4 Milliarden Dollar kosten.

Branche produziert rund 100 Dollar über dem Spot-Preis
Während Randgold nach neuen Minen sucht und die Augen nach möglichen Zielen offenhält, produzieren viele Konkurrenten Gold mit einem Verlust. Laut Nick Holland, CEO von Gold Fields, produziert die Branche im Schnitt zu einem Preis von 1.300 Dollar je Unze – unter Einbeziehung der Rückzahlung von Schulden. Das liegt rund 100 Dollar über dem Spot-Preis.

AngloGold, der drittgrößte Produzent der Welt, leitet gerade Maßnahmen ein, um die Verschuldung in den kommenden drei Jahren um ein Drittel zu reduzieren. Das Unternehmen will auch Minen zum Verkauf stellen. Marktführer Barrick Gold versucht ebenfalls, die Kosten zu senken – und erwägt, Minen zu veräußern. Fusionsgespräche mit Newmont Mining, dem größten US-Produzenten, waren im April zusammengebrochen – wofür sich beide Seiten gegenseitig die Schuld gaben.

Randgold, dessen Aktienkurs sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu versechsfacht hat, betreibt vier Minen. Die Firma will in diesem Jahr bis zu 1,2 Millionen Unzen Gold produzieren. Für das Jahr 2014 wird das Unternehmen wohl einen Gewinn von 259 Millionen Dollar ausweisen, geht aus der durchschnittlichen Prognose von neun Analysten hervor. "Die Branche befindet sich derzeit im Besitz der Gläubiger, und nicht im Besitz der Aktionäre", sagt Bristow. Die große Frage in diesem Zusammenhang sei, ob die Goldproduzenten in die Pleite rutschen werden. (mb/Bloomberg)