Das auf Fondsresearch spezialisierte Unternehmen Morningstar plant die Einführung eines Nachhaltigkeits-Scoring-Systems für aktiv verwaltete Fonds und Exchange Traded Funds (ETFs). Damit sollen noch im Laufe dieses Jahres erstmals umwelt- und sozialrelevante Faktoren sowie Grundsätze der guten Unternehmensführung, kurz ESG (Environment, Social, Governance) in der Fondsanalyse von Morningstar berücksichtigt werden.

Das System basiert auf den Nachhaltigkeits-Firmen-Ratings des Analysehauses Sustainalytics. Die Schweizer Privatbankengruppe Julius Bär wird laut Morningstar als erster Kunde das neue Nachhaltigkeits-Scoring-System für die eigene Fondsanalyse nutzen.

"Als Teil unserer Mission, Investoren zu helfen, ihre Anlageziele zu erreichen, konzentriert sich unsere Research-Expertise schon seit langem darauf, Transparenz mit Blick auf Kosten und anlegerfreundlichen Bedingungen herzustellen", sagt Jon Hale, Director Manager Research für Nordamerika. "Dass Morningstar nun Nachhaltigkeitsfaktoren in die quantitative Fondsanalyse einbezieht, ist ein weiterer Schritt, um Anlegern durch Klarheit Investmententscheidungen zu erleichtern. Durch die konsistente und systematische Auswertung von Nachhaltigkeitsdaten auf Einzeltitel-Level möchten wir mehr Transparenz und Vergleichbarkeit im Markt für Investmentfonds herstellen", ergänzt Werner Hedrich, CEO von Morningstar Deutschland und Österreich.

Ökoaspekt zunehmend relevant
Investoren und Finanzdienstleister sehen Nachhaltigkeitsfaktoren als zunehmend relevant an, so Morningstar. Laut einer im Februar dieses Jahres veröffentlichten Studie des Morgan Stanley Instituts für nachhaltiges Investieren hätten 71 Prozent der Privatanleger ein Interesse daran, in zukunftsfähige Werte zu investieren, heißt es. Allein im vergangenen Jahr sei die Anzahl der Finanzinstitutionen, die der UN-Initiative "Prinzipien für nachhaltiges Investieren" beigetreten sind, um 29 Prozent gestiegen. Dieses Netzwerk umfasse derzeit 1.300 Unternehmen mit einem verwalteten Vermögen von 59 Milliarden US-Dollar.

Sustainalytics bietet Nachhaltigkeits-Research und –Analysen bereits seit mehr als 20 Jahren an. Das Unternehmen ist mit 230 Angestellten, einschließlich 120 Analysten, weltweit tätig. Der Fokus liegt maßgeblich auf Nachhaltigkeitsaspekten von Industrien und Märkten. Berücksichtigt werden rund 70 ESG-Indikatoren. Morningstar verfügt über die Portfoliodaten von mehr als 200.000 Anlageprodukten. Sustainalytics verfasst Nachhaltigkeits-Ratings zu über 4.500 Unternehmen. Mittels Portfoliodaten wird Morningstar ein gewichtetes Nachhaltigkeits-Bewertungssystem für Fonds entwickeln, das auf den Unternehmens-Ratings von Sustainalytics aufsetzt.

Zahl der Nachhaltigkeitsinitiativen steigt
Laut Morningstar werde es Anlegern erstmalig möglich sein, Investmentfonds unabhängig von ihrer Kategorie und relativ zu ihren Benchmarks mit Hilfe von Nachhaltigkeitsfaktoren zu vergleichen. Auch die Verlaufsanalyse der ESG-Faktoren in Fonds soll mit dem neuen Tool möglich sein. Der US-Datenanbieter plant die Einführung des neuen Punktesystems noch im vierten Quartal dieses Jahres. 2016 soll es in den Daten-Feeds und Kernprodukten integriert sein.

Morningstar ist nicht der erste Fondsdaten-Anbieter, der sich stärker dem Nachhaltigkeitstrend verschreibt. So berücksichtigt bereits das österreichische Analysehaus Software-System.at innerhalb seines FER-Fondsratings zahlreiche Ethik-, Sozial- und Umweltkriterien und weißt für eine Teil der erfassten Fonds die Kennziffern EDA aus. Die Abkürzung steht für Ethisch-Dynamischer Anteil und bezeichnet den Prozentsatz eines Fonds, der in nachhaltige Unternehmen investiert ist.

Erst im März hat das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), zu dessen Gründungsmitgliedern unter anderem Sustainalytics zählt, ein neues Siegel für nachhaltige Publikumsfonds vorgestellt. Zeitgleich hat der deutsche Versicherungsverband GDV erstmals für seine Mitglieder unverbindliche Hinweise zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien in der Kapitalanlage vorgelegt. Die Broschüre erläutert, mit welchen Ansätzen Unternehmen ESG-Faktoren verfolgen und konkret in ihrer Anlagestrategie umsetzen können. (rmk)