In einer aktuellen Analyse hat der Fondsdatenbankanbieter Morningstar die Kosten von aktiv verwalteten Fonds und deren Entwicklung beleuchtet. Anlass der Untersuchung war der im Segment der ETF's herrschende Preiskrieg. Die Branche der aktiv verwalteten Fonds unterscheidet sich zwar in einigen Punkten von ETFs, weist allerdings auch einige Gemeinsamkeiten auf – unter anderem dort, wo es viele Privatanleger nicht vermuten dürften, heißt es in der Analyse von Morningstar Chefredakteur Ali Masarwah.

Viele Produkte seien ähnlich wie ETFs untereinander absolut austauschbar. Viele Fonds heben sich kaum voneinander ab und folgen darüber hinaus oft genug sklavisch ihrem Vergleichsindex. Wenn eine große Zahl aktiv verwalteter Fonds bestenfalls semi-aktiv seien und nur die wenigsten genuine Alleinstellungsmerkmale besitzen, dürfte das ein guter Grund sein, die Gebühren zu senken, so die provokante These Masarwah's.  

Die Analyse
Für die Analyse wurde die Entwicklung der Gesamtkostenquoten von europaweit 10.800 aktiv verwalteten Aktienfonds zwischen 2007 und 2012 unter die Lupe genommen. Berücksichtigt wurden nur die ältesten Fondstranchen. Da nicht alle Fondsanbieter ihre Fondsbilanzen für 2013 veröffentlicht haben, hat Morningstar als Proxy für die Zeit nach 2012 die in den Fondsvertriebsdokumenten enthaltenen laufenden Kosten ermittelt, ebenso wir die Management-Gebühr, dem wichtigsten Bestandteil der Gesamtkosten. Die Tabelle unten führt die Kostenentwicklung auf. Die laut Morningstar wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung lauten wie folgt:

Kosten stagnieren auf hohem Niveau
Die Kosten von Aktienfonds stagnieren auf hohem Niveau. Seit 2011 liegt die Gesamtkostenquote über alle Aktienfondskategorien hinweg im Schnitt bei durchschnittlich 1,85 Prozent. Das ergibt seit Beginn der Finanzkrise 2007 einen leichten Anstieg. Seinerzeit lag die durchschnittliche Gesamtkostenquote bei knapp 1,80%. Die Management-Vergütung macht dabei einen Großteil der jährlichen Kosten aus. Dass die Kosten 2011 und 2012 indes deutlich niedriger als in den Jahren 2009 und 2010 ausfielen, muss relativiert werden. Da die berechnete Gesamtkostenquote auch die variable Vergütung (Performance Fee) enthält und die Jahre 2009 und 2010 sehr gute Aktienjahre waren, waren die Gesamtkosten 2009 und 2010 überdurchschnittlich hoch. Anders 2011 und auch 2012. Die Eurokrise, die Verschärfung der Krise der spanischen Banken und die nachfolgende EZB-Euro-Garantie im Sommer 2012 machten den Fondsmanagern offenbar so sehr zu schaffen, dass in diesen Jahren mehrheitlich keine Performance Fees erhoben wurden. Insofern dürften die laufenden Kosten von durchschnittlich 1,86 Prozent im laufenden Jahr ein realistisches Bild liefern:

Satelliten kosten mehr
Dabei gilt die Faustregel: Fonds, die Satellitenthemen abbilden, kosten deutlich mehr als Fonds, die in Kernmärkten unterwegs sind. So sind Schwellenländer-Aktienfonds – ein klassisches Satellitenthema – um einiges teurer als Fonds, die in die entwickelten Märkte Europa und USA investieren. Aktuell weisen Schwellenländer-Aktienfonds im Schnitt 2,01 Prozent an laufenden Kosten auf, von denen durchschnittlich 1,58 Prozent als Management-Vergütung anfallen. Dagegen kosten aktiv verwaltete Europa-Standardwertefonds im Schnitt 1,74 Prozent (Management-Fee: 1,31 Prozent), und USA-Standardwertefonds schlagen mit 1,72 Prozent (1,29 Prozent) zu Buche. 

Neue Fonds weisen überdurchschnittlich hohe Gebühren auf
In einem zweiten Schritt hat Morningstar die Kostenbilanz der seit 2007 aufgelegten aktiv verwalteten Aktienfonds angeschaut. Hintergrund: Bei ETFs sinken die Gebühren vor allem deshalb, weil neue, günstig gepreiste Produkte auf den Markt kommen. Auf den ersten Blick fallen aktiv verwaltete Fonds, die seit 2007 auf den Markt gekommen sind, nicht aus dem Rahmen: Die laufenden Kosten bzw. die Management-Gebühren heben sich nicht von den Kosten aller am Markt befindlichen Aktienfonds ab.  Auf den zweiten Blick tun sie das allerdings doch:  Die Gesamtkostenquoten, die auch die Performance Fee inkludieren, fallen bei den seit 2007 aufgelegten Fonds deutlich höher aus als die Kosten der betrachteten Fonds insgesamt. Besonders auffällig ist zum einen die Diskrepanz in den Jahren 2009 und 2010, als die Gesamtkostenquote der seit 2007 aufgelegten Fonds bei 2,29 bzw. 2,17 Prozent lag (gegenüber jeweils 1,96 Prozent bei der Gesamtgruppe).

Zum anderen fällt auf, dass die Kostenquote auch 2011 überdurchschnittlich hoch war – bei insgesamt moderaten Fixkosten. Dass die variable Vergütung im Jahr 2011 bei neuen Fonds viel stärker zu Buche schlug als das bei der Gesamtgruppe der Aktienfonds der Fall war lässt nach Meinung Ali Masarwah's zwei Schlüsse zu: Entweder wiesen die neu aufgelegten Fonds Qualitäten auf, die Bestandsfonds nicht besaßen und Anlegern eine Outperformance brachten. Oder die zur Vereinnahmung der Performance-Gebühren verwendeten Benchmarks waren so optimiert, dass den Fonds die Performance Gebühren praktisch zuflogen.

In einem Boot mit dem Anleger
Egal, welcher der beiden Erklärungsansätze zutrifft, nach Ansicht Masarwah's sei es ein Jammer,  dass Privatinvestoren bzw. die Berater von Privatkunden den Fondsgebühren offenbar so wenig Bedeutung beimessen. Dabei befänden sich die Berater in einem Boot mit dem Anleger, auch jene, die nicht auf Honorarbasis arbeiten würden. Finanzdienstleister, die einen Teil der Management-Gebühren als Kickbacks vereinnahmen, sollten sich nicht indifferent gegenüber der Entwicklung der Performance Fees zeigen, da diese die Rendite, die beim Anleger ankommt, nachhaltig mindert, so Masarwah. (rmk)

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