Seit mehr als einem Jahr ist die Honorarberatung in Deutschland nun gesetzlich geregelt. Doch der Zuspruch hält sich in Grenzen: Nur 17 Banken und Finanzdienstleistungsinstitute dürfen Honorar-Anlageberatung nach dem Gesetz erbringen. Dazu kommen 106 Honorar-Finanzanlagenberater, die sich dem neuen Paragraf 34h der Gewerbeordnung (GewO) unterworfen haben. Zum Vergleich: Ihnen stehen rund 36.000 Finanzanlagenvermittler nach 34f GewO gegenüber.

Wer nun denkt, dass nur 0,3 Prozent aller freien Finanzberater gegen Honorar arbeiten, täuscht sich allerdings. Denn es gibt inzwischen eine stattliche Zahl von 34f-Vermittlern, die defacto Honorarberatung anbieten. Sie beraten unabhängig, schreiben ihren Kunden eine Rechnung und erstatten ihnen im Gegenzug die Provisionen zurück. Das klingt wie Honorarberatung nach dem neuen Gesetz, ist es aber nicht in jedem Fall.

Eine 34f-Zulassung bietet deutlich mehr Flexibilität
Ein 34h-Berater muss beispielsweise die Bestandsprovision unverzüglich und ungemindert an seine Klienten durchleiten. Für die Kunden ist es oft aber sinnvoller, wenn sein Berater die Bestandsprovision behalten darf, dafür aber eine kleinere Rechnung stellt, denn so sparen sie sich einen Teil der Umsatzsteuer. Mit dem 34f ist das möglich, mit dem 34h nicht. Ein anderes Beispiel: Was, wenn der 34f-Vermittler einen Kunden hat, der weiterhin explizit auf Provisionsbasis betreut werden möchte? Wechselt der Berater in den 34h, müsste er sich von diesem Mandanten trennen. Kurz: Der 34f bietet deutlich mehr Flexibilität, sowohl für die Kunden als auch für die Vermittler. Darum gibt es eine stattliche Zahl von Finanzberatern, die denken, fühlen und handeln wie ein "echter" Honorarberater, sich aber dennoch gegen den 34h entschieden haben.

Neun von ihnen haben sich gegenüber FONDS professionell ONLINE geäußert, warum sie dem 34f treu geblieben sind – einfach durch die Bilderstrecke oben klicken! Ausfindig gemacht hat sie Frank Frommholz, langjähriger Honorarberater aus Hamburg, übrigens einer der wenigen, die sich dem strengen Regiment des 34h unterworfen haben. Gemeinsam mit seinem Sohn Frerk hat er ein Kollegennetzwerk ins Leben gerufen, das das Internetportal www.Finanzkun.de betreibt. Dort wollen die Berater Finanzwissen vermitteln, um die Verbraucher zu besseren Geldanlageentscheidungen zu befähigen. Doch das Netzwerk ist mehr als das: Es dient dem Austausch der Kollegen untereinander – unter anderem zur Frage, ob jemand, der sich als "echter" Honorarberater fühlt, nicht auch die "echte" Zulassung nach 34h beantragen sollte. (bm)


Eine Auswahl von Honorarberatern, die sich bewusst für eine Zulassung nach Paragraf 34h GewO entschieden haben, finden Sie hier.