Das familiengeführte Bankhaus Oddo verfolgt eine aggressive Wachstumsstrategie. Nach der Übernahme der Investmentbank Seydler kauften die Franzosen den Düsseldorfer Asset Manager Meriten – und lieferten sich dann mit dem chinesischen Konglomerat Fosun eine Übernahmeschlacht um die BHF-Gruppe. Schließlich konnte sich Bankchef Philippe Oddo durchsetzen. Vergangenes Jahr übernahm das traditionsreiche Institut die BHF-Bank samt dem Fondsanbieter Frankfurt-Trust.

Letzterer wurde aber zunächst nicht mit den anderen Asset Managern der Gruppe zusammengelegt, anders als Meriten und das BHF-eigene Fondsgeschäft. Im Interview erläutert Nicolas Chaput, Leiter des Asset-Management-Bereichs der Oddo-BHF-Gruppe, die Pläne für Frankfurt-Trust und die Vertriebsziele.

Herr Chaput, die mit der BHF-Bank übernommene Fondsgesellschaft Frankfurt-Trust gliederten Sie nicht in die Oddo-Gruppe ein. Berichte über einen Weiterverkauf kursierten. Bleibt Frankfurt-Trust ein Teil Ihres Hauses?

Nicolas Chaput: Wir haben uns entschieden, Frankfurt-Trust in den Asset-Management-Bereich zu integrieren. Wir brauchten nur etwas mehr Zeit um zu prüfen, wie wir mit dem Geschäft umgehen wollen. Denn während etwa Meriten Investment Management ein reiner Asset Manager war, sind die Strukturen bei der BHF Bank deutlich komplexer. Im Juni fassten wir dann den Entschluss, Frankfurt-Trust vollständig einzugliedern. Derzeit beraten wir in Arbeitsgruppen, wie die Organisation künftig aussehen soll.

Kommt es dabei auch zum Abbau doppelter Strukturen?

Chaput: Frankfurt-Trust ergänzt unser bestehendes Geschäft sehr gut. Das Management-Team in Düsseldorf hat historisch eine überwiegend institutionelle Kundschaft und ist im Anleihebereich, vor allem im Hochzinssektor, stark aufgestellt. Unser Team in Paris verfügt über eine große Expertise im Bereich der fundamentalen Aktienstrategien. Besonders bei Small-Caps und im quantitativen Bereich bieten wir Top-Produkte. Frankfurt-Trust wiederum entwickelte in Deutschland sowohl eine breite Basis im institutionellen wie im Wholesale-Geschäft. Der Schwerpunkt liegt bei Multi-Asset- und quantitativen Strategien – mit erstklassigen Produkten. Einige der Mischfonds weisen sogar eine bessere Performance auf als so mancher der großen, bekannten Konkurrenten. So etwas hatten wir in der Form noch nicht im Sortiment. Aber am Ende geht es natürlich auch darum, Synergien zu heben und Skaleneffekte zu nutzen.

Was heißt das konkret?

Chaput: Die gesamte Infrastruktur und die IT heben wir auf ein gemeinsames System um. Nur wenn die Menschen mit einem einheitlichen System umgehen, arbeiten sie auch wirklich miteinander. Dann erst ist ein Zusammenschluss wirklich gelungen. Auch im Bereich der Produkte arbeiten wir daran, ein gemeinsames Sortiment anbieten zu können. Einheitliche IT-Systeme und ein gemeinsame Produktpalette sind das Rückgrat eines fusionierten Asset Managers.

Werden bei der Zusammenführung auch Stellen wegfallen?

Chaput: Uns geht es darum, die besten Talente bei uns im Haus zu halten und neue Talente zu gewinnen. Bewegung ist in der Fondsbranche aber normal. Ich bin übrigens sehr glücklich, dass bei der Zusammenführung von Meriten und Oddo Asset Management alle Portfoliomanager bei uns geblieben sind.

Aber es kam durchaus zu Abgängen, sowohl in der Geschäftsführung von Meriten und Frankfurt-Trust als auch bei Führungskräften der BHF-Bank.

Chaput: Wir pflegen mit den ehemaligen Mitarbeitern ein gutes Verhältnis, keiner ist im Streit gegangen. Wir bedauern es, wenn uns jemand verlässt. Aber jeder mag da jeweils seine guten Gründe für einen Wechsel haben. Ein Unternehmen entwickelt sich weiter, und irgendwann entspricht es vielleicht nicht mehr der Vorstellung, die man beim Einstieg in das Haus hatte.

Sind Meriten und die BHF-Bank noch deutsche Häuser?

Chaput: Absolut. Mehr als 55 Prozent des verwalteten Vermögens unserer Fondseinheiten liegen in Deutschland. Auf Konzernebene stammen vier Vorstände aus Frankreich, vier aus Deutschland. Dabei ist es aber völlig egal, wer wo sitzt. Jeder verantwortet seinen Bereich und leitet seine Teams über beide Länder hinweg. Zudem haben uns die Kunden die Treue gehalten. Wir haben keine größeren Klienten verloren, was mich sehr freut.

Den Namen Meriten haben Sie aber aufgegeben.

Chaput: Wir wollten das Haus unter einer einheitlichen, starken Marke bündeln. Wir haben uns für Oddo-BHF entschieden. Diese Namen genießen in Deutschland und Frankreich bei allen Kundengruppen einen guten Ruf. Meriten war hingegen eher institutionellen Investoren ein Begriff. Bei uns stehen die Wünsche der Kunden im Zentrum. Und dank der Zusammenschlüsse sind wir in der Lage, unseren Kunden eine exzellente Expertise und eine breite Produktpalette für die beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone zu bieten. So profitieren wir von der Cross-Selling-Möglichkeit und können unseren Kunden etwa die Multi-Asset Produkte von Frankfurt-Trust außerhalb von Deutschland anbieten, gleichzeitig stehen unseren Kunden in Deutschland auch Fonds zur Verfügung, die in Paris verwaltet werden.

Welche Kundengruppen wollen Sie hierzulande ansprechen?

Chaput: Durch unser Investment-Zentrum in Düsseldorf haben wir einen sehr guten Zugang zu institutionellen Kunden. Mit Frankfurt-Trust kommt zusätzlich der Retailbereich hinzu. So betreuen nunmehr sechs Kollegen den deutschen Wholesale-Markt im Asset-Management-Bereich. In Frankreich haben wir bereits jahrelange Erfahrung mit dieser Kundengruppe. Dieses Geschäft wollen wir nun auch hierzulande weiter ausbauen. Wir möchten zum Premium-Partner der unabhängigen Berater und Vermögensverwalter aufsteigen und ihnen die besten Lösungen bieten. Gerade die Multi-Asset-Produkte von Frankfurt-Trust sind dafür eine ausgezeichnete Visitenkarte. Aber natürlich möchten wir auch weiterhin unsere Beziehung zu institutionellen Kunden stärken und vertiefen. Damit verfolgen wir einen ausgewogenen Ansatz: Sowohl das Wholesale- als auch das institutionelle Geschäft werden wir weiterentwickeln.

Die Fondsgebühren stehen zurzeit im Fokus von Aufsehern und Verbraucherschützern. Einige Anbieter sprechen davon, ihre Kostenmodelle stärker an den Erfolg des Fonds zu koppeln. Denken Sie auch darüber nach?

Chaput: Wenn ich mir mein privates Portfolio anschaue und einen Manager sehe, der den Markt deutlich übertroffen hat, dann freue ich mich. Wie hoch seine Gebühren ausfallen, ist mir dann ehrlich gesagt egal. Hinkt ein Manager hingegen dem Markt und der Konkurrenz hinterher, tausche ich ihn aus. Hohe Kosten spielen nur eine Rolle, wenn die Leistung nicht stimmt. Und am Ende kommt es vor allem auf die Leistung an. Rund 80 Prozent der Portfolios von Oddo-BHF schlugen ihre Benchmark in den letzten drei Jahren, 70 Prozent rangierten in den Spitzengruppen bei Morningstar. Das ist aus meiner Sicht das Wichtigste.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)