Die Mitglieder des Verbandes der Investment Professionals (DVFA) stehen der am 10. März in Kraft getretenen EU-Offenlegungsverordnung skeptisch gegenüber. Die Investmentbanker, Finanzanalysten und Portfoliomanager kritisieren unter anderem, dass die Verordnung zu Fehlallokationen von Kapital führen könne. Zudem bedeute sie höhere Kosten für Asset Manager. Das sind die beiden wichtigsten Ergebnisse einer Umfrage des Verbandes unter seinen rund 1.400 Mitgliedern, die er in einer Pressemitteilung veröffentlicht hat.

Zur Erinnerung: Die Transparenzverordnung verpflichtet Finanzmarktteilnehmer und Berater dazu, ihren Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken sowie ihre Art und Weise der Berücksichtigung von "negativen Nachhaltigkeitswirkungen" oder "Principal Adverse Impact" (PAIs) offenzulegen. Zusätzlich werden in der Verordnung konkrete Anforderungen für nachhaltige Investmentprodukte formuliert. Hierbei unterscheidet das Regelwerk zwischen zwei Fonds-Kategorien: Erstere berücksichtigen ökologische oder soziale Merkmale bei der Investitionsentscheidung (Artikel-8-Fonds), letztere verfolgen ein angestrebtes Nachhaltigkeitsziel (Artikel-9-Fonds). FONDS professionell ONLINE hat die Details der Verordnung in einer sechsteiligen Serie beschrieben.

Rund 50.000 Euro mehr im Jahr
Im Detail haben die Umfrageteilnehmer klar gemacht, dass sie je nach Betriebsgröße erhebliche Zusatzkosten, etwa für den Dateneinkauf und die Reporting-Prozesse, erwarten. Eine Gesellschaft mit einer Milliarde Euro an verwaltetem Vermögen müsse sich nach Einschätzung der Mehrheit der Finanzprofis auf Zusatzkosten von bis zu 50.000 Euro im Jahr einstellen.

Dem Verband zufolge äußern die Befragten in Kommentaren deutliche und zum Teil grundsätzliche Vorbehalte gegen die neuen Offenlegungspflichten und die Einführung von Nachhaltigkeitsstandards. Von "Planwirtschaft im Anlagebereich", die am Ende immer zu Ineffizienz und Fehlallokation führe, sei die Rede, ebenso davon, dass zusätzlicher Verwaltungsaufwand und verstärkte Regulatorik den ESG-Trend und die Vielfalt an Angeboten eher behindere. (jb)