Die Folgen der Finanzkrise und die Umwälzungen in verschiedenen Branchen zwingen Vermögensverwalter dazu, gewohnte Strategien zu hinterfragen, meint Edmond de Rothschild Asset Management. Das betreffe vor allem Value- und Dividendenstrategien, sagt Philippe Lecoq, Co-Head Europäische Aktien bei Edmond de Rothschild. "Inzwischen sind beide Ansätze nicht mehr klar voneinander abgrenzbar und ihre Grenzen durchlässiger geworden." Erkennbar sei das zum Beispiel in der Telekommunikationsbranche. Wegen des zunehmenden Wettbewerbs und des Drucks auf die Preise mussten viele Unternehmen ihre Dividenden kürzen oder ganz streichen. Die Aktien seien deshalb keine Dividendentitel mehr. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei Aktien von Versorgern. "Konzerne wie Eon und RWE zählen mittlerweile nicht mehr zu den Dividenden-, sondern zu den Value-Werten", sagt Lecoq.

Beim Value-Ansatz suchen Vermögensverwalter nach unterbewerteten Aktien, von denen sie sich Kurssteigerungen versprechen. Die Dividendenstrategie zielt darauf ab, in Aktien mit hoher Dividendenrendite zu investieren. Beide Vorgehensweisen sind bei sicherheitsbewussten Anlegern beliebt.

Veränderungen auch bei Versicherern und Pharmaunternehmen
Gegenläufig zu Telekommunikationsanbietern und Versorgern zeige sich die Situation in der Versicherungsbranche, analysiert Edmond de Rothschild. Wegen starker Kurssteigerungen könnten Aktien von Assekuranzen nicht mehr als Value-Titel gelten. "Selbst in den Krisenjahren 2008/2009 konnte ein Unternehmen wie Munich Re sein Dividendenniveau halten", sagt Lecoq. "Versicherungen dürfen daher inzwischen durchaus als Dividendenaktien angesehen werden." Das gelte auch für viele Pharmaunternehmen. "Diesen Veränderungen an den Märkten müssen Asset-Manager Rechnung tragen und ihren analytischen Ansatz entsprechend anpassen."

Folgenreiche Veränderungen seien auch durch die Flaute bei Fusionen und Übernahmen zu beobachten. Investoren könnten kaum mehr auf anstehende Unternehmensverkäufe setzen, sondern müssten sich auf andere Sondersituationen konzentrieren. "Echte Werte findet man auch, wenn man sich jenseits von Übernahmeszenarien an Spin-Offs, Beteiligungsverkäufen und IPOs orientiert", sagt Lecoq. (ww)