Pimco-Chef Mohamed El-Erian greift in seinem jüngsten Marktkommentar die europäische Schuldenkrise und die derzeitige Situation der Europäischen Zentralbank (EZB) auf. Seiner Einschätzung nach werde Europa den Untergang des Euro und einen völligen Zusammenbruch der Eurozone zwar verhindern, er rechnet aber gleichzeitig damit, das die Probleme nur durch die Schaffung einer kleineren und robusteren Währungsunion gelöst werden können.

Sinnbildlich vergleicht der Pimco-Chef in seinem Kommentar die EZB mit einem  Rettungsschiff, das anderer Schiffe vor dem Sinken bewahrt. Er bezieht sich darauf, dass die EZB als Überbrückungsmaßnahmen entgegen ihre eigenen Prinzipien bereits Staatsanleihen von fünf ihrer 17 Mitglieder im Wert von merh als 100 Milliarden Euro aufgekauft habe und auch zum Kauf weiterer Anleihen sowie zum Abschluss von sogenannten "Repo-Geschäften" zu einem vielfach höheren Wert der bisherigen Käufe entschlossen sei.

Dabei habe die EZB gehofft, dass die peripheren Volkswirtschaften - ungeachtet ihrer miserablen Wachstumsprognosen und allgemein mangelnder Wettbewerbsfähigkeit - ernstzunehmende fiskalpolitische Sparmaßnahmen einhalten und die europäischen Kernländer die Belastung der EZB durch steigende Kosten für Rettungsmaßnahmen mildern würden. Da die EZB diese Überbrückungsmaßnahmen ohne Hilfe der EU aber nicht endlos fortführen könne, seien beide Seiten zu einschneidenden Schritten gezwungen. El-Erian zeigt vor diesem Hintergrund drei mögliche Szenarien auf :

"Ein ungeordnetes Auseinanderbrechen der Eurozone"

Dieses Szenario sei möglich, wenn die Regierungen der Kernländer weiterhin zögern würden, sich eingehend mit ihren Bilanzen zu beschäftigen, wenn die Regierungen der peripheren Länder ihre finanzpolitischen Reformbemühungen einstellen und/oder wenn deren Gesellschaften die wirtschaftliche Stagnation, hohe und steigende Arbeitslosigkeit sowie die Sparpolitik der öffentlichen Hand nicht länger tragen könnten.

"Stärke Fiskalunion der 17 Euroländer"

Diese zweite Alternative, die von Politikwissenschaftlern und europäischen Visionären bevorzugt werde, bedeute im Kern, die Bereitschaft Deutschlands, für die Eurozone über Jahre genau ähnliche Transferleistungen zu zahlen, wie für den Aufbau Ost. Im Gegenzug könne Deutschland auf Reformen bei der Wirtschaftsführung bestehen, die die anderen Mitglieder der Eurozone zwingen, einige ihrer nationalen finanzpolitischen Privilegien abzutreten, so El-Erian.

"Schaffung einer kleineren und wirtschaftlich kohärenten Eurozone"

Diese Zone würde aus Kernländern und "Beinahe-Kernländern" innerhalb einer engeren Fiskalunion bestehen und über glaubwürdigere Abwehrmaßnahmen gegen Ansteckungseffekte verfügen.Im Zuge dessen würden zwei bis drei periphere Volkswirtschaften eine Auszeit vom Euro nehmen und wieder ihre alten Währungen einführen. Der daraus resultierende negative Effekt wirtschaftlicher Unsicherheit würden durch eine größere Auswahl an Refinanzierungsmitteln an den internationalen Finanzmärkten und den Zugang zu Krediten mehr als kompensiert, so El-Erian.

Seiner Meinung nach sei es derzeit unmöglich vorauszusagen welches dieser drei Szenarien eintreten werde. Dies hänge von einer vielzahl von Faktoren. El-Erian glaubt jedoch, das sich die politische Führung Europas für eine abgeschwächte Variante einer stärkeren Fiskalunion entscheiden wird. Allerdings werde es ihr letztlich nicht gelingen, dies für die heute geltende Eurozone umzusetzen. (jb)