Im Portfolio des "Gloom, Boom & Doom Report"-Herausgebers nimmt Cash mit 30 Prozent Anteil eine sehr wichtige Position ein. Faber hält also Pulver trocken, um bei möglichen künftigen Kurseinbrüchen weiter zukaufen zu können. Auch in Frankreich hat er erste Positionen aufgebaut, nachdem er sich aus asiatischen Aktien teilweise zurückzog. Einen großen Anteil seines Portfolios machen Unternehmens- anleihen aus, die er als stabiler als Bank- und Staatsanleihen betrachtet. Diese seien oft Sub-Investment Grade, doch sollten die Überlebenschancen dieser Unternehmen höher als jene der Staaten sein, so Faber. Asiatische, russische und auch europäische Groß-Adressen wie Gazprom oder ICICI Bank aus Indien gehörten dazu.

Schnäppchenjagd
Der Grund für sein europäisches Aktienengagement sind die schwachen Märkte, die es ihm gestatten, lohnenswerte Unternehmen zu Ausverkaufspreisen aufzusammeln. Sollt es zu den von Faber erhofften weiteren Kursrückgängen kommen, so steht er Gewehr bei Fuß, um Positionen auszubauen. Telekommunikationsunternehmen und Versorger scheinen es dabei Faber besonders angetan zu haben. Von Banken und Staatsanleihen hält sich der Investmentguru weiter fern, und auch amerikanische Aktien stehen nicht auf seiner Einkaufsliste. Zu günstig gepreist erscheinen ihm im Vergleich ausgesuchte Dividendentitel in Europa.

Kein Wachstum in Asien?
Auf die Sorgen um Chinas Wachstum angesprochen, meinte Faber, er misstraue den BIP-Wachstumsraten der chinesichen Führung. Seiner Ansicht nach sie China eher um 3 Prozent anstelle der offiziellen 7,8 Prozent im letzten Quartal gewachsen. Er achte vielmehr auf die Exporte Taiwans und Südkoreas, deren Exportentwicklung von China wesentlich mitbestimmt werde. Hier seien die Wachstumsraten der Juni-Werte im Jahresvergleich negativ ausgefallen. Dies sage mehr über den Zustand der chinesischen Wirtschft aus als alle offiziellen Statistiken. Er, Faber, verlasse sich auf seine eigenen Statistiken wie etwa die Umsätze im Glückspiel aus Macau. Deren Wachstum sei rückläufig, auch das Geschäft mit Luxusgütern zeige ein verlangsamtes Wachstum und der Energiekonsum trete auf der Stelle. Der Stahl- und Zement-Ouptut habe nur um zwei bis vier Prozent im Jahresvergleich zulegen können. Ein weiterer Indikator sei das Asiengeschäft von Mconalds, dessen Umsätze aus der Region im Vergleich zu vor einem Jahr um etwas mehr als ein Prozent sanken. All diese Daten ließen daher auf ein schwaches Wachstum in China schließen. Im Moment gebe es wahrscheinlich in Asien überhaupt kein Wachstum, er könne dies mit seinen eigenen Augen sehen.

US-Wachstum vernachlässigbar
Dieses komme zurück und sei nicht siognifikant, so Faber weiter. Die Statistiken seien das Werk der Regierung. Die Berechnung des BIP sehe so aus, dass man eine paar Zahlen zu Umsätzen und Produktion nehme und davon die selbst ermittelte Inflationsrate in Abzug bringe. Betrachte man aber die inoffiziellen Lebenshaltungskosten, so sehe man etwa anhand der neunprozentigen Mietpreissteigerung, der steigenden Preise bei Versicherungsprämien und Krankenversicherungsbeiträgen, dass es wohl effektiv gar kein Wachstum gebe. Der Arbeitsmarkt sei ein einziges Desaster. Gäbe es nicht die US-Regierung, die 1,3 Billionen US-Dollar über ihr horrendes Budgetdefizit in die Wirtschaft hineinpumpe, wäre das Wachstum wohl negativ.

Wohin das billige Geld wohl fließt?
Bei nominell null Prozent Zinsen sollte es eine US-Aktien-Rallye geben können, zumal die Preise steigen würden – letzte Woche wurden etwa die New Yorker Taxitarife um satte 19 Prozent angehoben. Erhabe aber Zweifel, ob die Höhststände im S&P 500 von 1422 Indexpunkten vom April überschritten werden könnten. Eine Rallye sei auch möglich, weil die ganze Welt denkt, dass die USA sehr viel Erdgas habe und an einer Reindustrialisierung arbeite. Die Stimmung der internationalen Investoren sehe die USA als das geringste aller Übel an.

Vor die Wahl gestellt, ob er eine 10-jährige Staatsanleihe mit 1,5 Prozent Rendite oder Johnson & Johnson kaufen solle, habe er immer für die US-Aktie votiert. Doch europäische Aktien seien derzeit so deutlich unterbewertet, dass sie die beste Option darstellten. Er besitze aber noch immer asiatische Aktien, mit denen sich eine Dividendenrendite von 5 bis 6 Prozent erzielen lasse. Die Aktien könnten auch ein Drittel an Wert in einer deutlichen Korrektur verlieren, jedoch werde es aller Voraussicht nach grosso modo keine massiven Dividendenkürzungen geben. (kb)