2014 wurde die neue europäische Finanzmarktrichtlinie Mifid II verabschiedet. In der Folge hat die europäische Wertpapieraufsicht ESMA mit der Klärung von Detailfragen für die Regelung der Provisionsvergütung begonnen, was in der Branche für einigen Aufruhr gesorgt hatte. BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter ließ auf dem FONDS professionell KONGRESS 2015 in Mannheim in einem Vortrag die Geschehnisse im vergangenen Jahr Revue passieren und gab eine kleine Warnung heraus:

Zwar sei ein faktisches Provisionsverbot im Vertrieb von Finanzprodukten in den Empfehlungen der ESMA mithilfe von deutschen Politikern verhindert worden. Das allerletzte Wort sei aber noch nicht gesprochen: "Die endgültige Entscheidung wird die Europäische Kommission in diesem Sommer fällen", so Richter, der gleichwohl sehr optimistisch ist, dass sich an dem bisher Erreichten nichts ändern werde.

Laxere Regeln für Versicherungsvertrieb
Zudem verwies Richter auf einige regulatorische Hürden für den Fondsvertrieb, die diesen im Vergleich zu anderen Produkten wie Versicherungspolicen benachteiligen würden. Ein für den Vertrieb von Fonds wichtiger Punkt sei, dass die ESMA-Vorschläge die Finanzberater derzeit schlechter stellten als die Vermittler von Versicherungen. Hier wird es nach den Ausführungen Richters sicher noch Beratungsbedarf bei der endgültigen Ausgestaltung der Vermittlerrichtlinie IMD-2, die mittlerweile als Versicherungsvertriebs-Richtlinie IDD firmiert, geben.

Nach dem letzten Stand der Dinge schreibt die IDD nur vor, dass Provisionen Kunden nicht zum Nachteil gereichen dürfen, während die ESMA für die Mifid II fordert, dass die Zuwendungen die Beratungsqualität verbessern müssen. Ein weiterer, für die Finanzvertriebe letztlich nachteiliger Passus in der Mifid II ist, dass unabhängige Berater keine Provisionen, sondern nur Honorare nehmen dürfen. Eine ähnlich lautende Vorschrift existiert im letzten Text der IDD nicht: Alle Versicherungsvermittler dürfen Provisionen annehmen.

Ungleiche Behandlung von Fonds und Bausparverträgen
Eine weitere Hürde für den Vertrieb von Fonds, den einige andere Produkte nicht nehmen müssen, sei das Beratungsprotokoll: Dieses ist bei der Vermittlung von Fonds – wie auch von Aktien und Zertifikaten – verpflichtend. Für Lebenspolicen ist es zwar vorgeschrieben, der Kunde könne aber darauf verzichten. Und für Bausparverträge oder Termineinlagen existiert die Protokollpflicht überhaupt nicht: "Das kann zu einer Fehllenkung der Anlagegelder führen", so Richter. Bankberater könnten beispielsweise geneigt sein, bei kleineren Anlagesummen wegen des hohen bürokratischen Aufwandes eher Bausparverträge als Fonds zu empfehlen. (jb)

Den vollständigen Vortrag von Thomas Richter finden Sie hier. Sehen Sie auf FONDS professionell ONLINE außerdem in Kürze ein Video-Interview, das FONDS professionell-Herausgeber Hans Heuser mit Thomas Richter geführt hat.