Kunden der liechtensteinischen Versicherungsgesellschaft Quantum Leben sollen Millionen Euro bei Investitionen in die Fondspolice "Select Investment Bond" verloren haben. Betroffen seien auch deutsche Kunden, wie das "Handelsblatt" am 12. März berichtete. Quantum Leben hat den Bericht auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE als "Desinformation" bezeichnet und Einsicht in den Schriftwechsel gewährt, den beide Seiten vor Veröffentlichung des Artikels führten. Die Dokumente belegen, dass es tatsächlich Unregelmäßigkeiten gibt – wie groß diese sind, geht allerdings nicht daraus hervor.

Die Probleme bei der eingangs erwähnten Fondspolice betreffen den Argyle Fonds Class S. Der Fonds, der von der auf den Cayman-Inseln ansässigen Gesellschaft Permanent Value Asset Management Inc. verwaltet wird, hat Auszahlungen bei Kündigung der Police eingestellt. Der Fonds, der in Forderungsmanagementlösungen und Factoring-Geschäfte investiert, ist dem Handelsblatt zufolge wegen krimineller Machenschaften in Schieflage geraten: Mindestens ein Drittel des Kapitals soll an die kanadische Firma "New Solutions Capital" geflossen sein, deren Chef Ronald O. die Gelder aber in die eigene Tasche gesteckt habe. Die kanadischen Finanzwächter der Ontario Securities Commission (OSC) ermitteln nach Angaben der Zeitung bereits. Insgesamt soll O. mehr als 200 Millionen kanadische Dollar eingesammelt haben. Wie viel davon aus Deutschland stammt, konnte das Handelsblatt nicht in Erfahrung bringen.

Anbieter räumt Probleme ein
Quantum Leben hat in der Antwort an die Zeitung bestätigt, dass es Probleme bei dem Fonds gibt. Allerdings geht der Versicherer mit keinem Wort auf die Anfrage bezüglich New Solutions Capital ein: "Einer der Kreditberater hat mit den ihm anvertrauten Mitteln nicht die vereinbarten Factoring-Geschäfte betrieben. Es kam zu Unregelmäßigkeiten. Diese wurden Anfang 2012 festgestellt und führten zur temporären Schließung des Argyle Fonds", schreibt der Versicherer. Zur Zahl der betroffenen Anleger wie auch der Höhe des investierten Kapitals macht der Versicherer mit Sitz in Vaduz keine Angaben. Die Zeitung meldet unter Berufung auf den Portfoliomanager, dass der Fonds weniger als 29 Millionen Euro verwaltet.

Die Zeitung fragte weiterhin bezüglich nicht bestätigter Kündigungen von Versicherungsnehmern und nicht erfolgter Auszahlungen der Fondspolice an. Quantum Leben erwiderte daraufhin nur, man weise Kunden in Kündigungsbestätigungen ausdrücklich darauf hin, dass aufgrund der bestehenden Situation die Auszahlung eines Rückkaufswertes derzeit nicht möglich sei.

Tausch von Fondsanteilen ohne Einverständnis möglich
Das Handelsblatt hakt zudem nach, warum der Versicherer Anteile an dem Argyle Fonds Class S in den Argyle Recovery Class umlagern möchte, wenn Kunden diesem Schritt bis zum 10. März nicht widersprochen haben sollten. In der Frage weist die Zeitung darauf hin, dass nur rund 35 Prozent des Kapitals des Argyle Fonds Class S von dem beschuldigten Kreditberater betreut worden seien. Die übrigen 65 Prozent seien nicht beeinträchtigt.

Quantum Leben erklärt darauf hin, dass die Gesellschaft laut Versicherungsbedingungen Umschichtungen des Depots zugunsten des Anlegers vornehmen könne. "Wir stimmen mit Ihnen allerdings überein, dass es für alle Beteiligten die wünschenswerte Klarheit bringt, ein eindeutiges Votum des Versicherungsnehmers selbst zu erhalten", heißt es in der Antwort. "Wir werden deshalb in den nächsten Tagen alle Versicherungsnehmer, die uns noch nicht geantwortet haben, erneut kontaktieren und ihre Weisung einholen."

Mit Garantie geworben?
Weiterhin konfrontierte die Redaktion des Handelsblattes die Assekuranz mit Berichten von Kunden, dass der Fonds in Verkaufsgesprächen mit einer Garantie beworben worden sei. Der Versicherer schreibt dazu, dass die Argyle Fonds zu keiner Zeit eine Garantie auf das investierte Kapital oder Zinszahlungen gegeben haben. "In den Unterlagen wird von einem Kapitalschutz durch Einsatz bestimmter Mechanismen gesprochen. Die Quantum Leben AG kann keine Aussagen darüber treffen, ob die vom Fonds erwarteten Versprechungen auch tatsächlich erfüllt werden", heißt es weiter. (jb)

Nachtrag
Quantum Leben hat am Nachmittag des 13. März eine Stellungnahme zu dem Bericht des Handelsblattes abgegeben. Interessierte Leser finden die Erklärung hier.