Die Quirin Bank schließt ihren einzigen Publikumsfonds. Der Quirin Bank Multi Asset Fonds UI wird zum 30. April kommenden Jahres liquidiert. Das geht aus einer Mitteilung von Universal-Investment, der Kapitalverwaltungsgesellschaft des Fonds, hervor.

Der Fonds wurde im Oktober 2008 für Quirin-Kunden aufgelegt, die sich den Bestandsschutz vor der Abgeltungsteuer sichern wollten. "Ende 2013 haben wir unser wissenschaftliches Anlagekonzept eingeführt, das auf sehr große Resonanz stößt. Viele Kunden sind in den vergangenen Monaten aus dem Fonds in dieses neue Modell gewechselt", sagte eine Unternehmenssprecherin gegenüber FONDS professionell ONLINE. "Inzwischen ist das Fondsvolumen unter die kritische Marke gesunken, ab der ein wirtschaftlich sinnvoller Betrieb noch möglich ist. Darum haben wir uns dazu entschieden, den Fonds aufzulösen."

Unter acht Millionen Euro Fondsvermögen
Die Abwicklung des Fonds passt zur Strategie von Quirin-Chef Karl Matthäus Schmidt, die Bank auf Profit zu trimmen. Das Berliner Institut weist dank guter Zahlen im Investmentbanking zwar schwarze Zahlen aus, das Kerngeschäft mit der Honorarberatung schreibt bei Berücksichtigung aller Gemeinkosten aber noch Verluste. Das soll sich im nächsten Jahr ändern, weshalb das Institut unter anderem Filialschließungen angekündigt hat. (Ein ausführliches Porträt über die Quirin Bank finden Sie in der aktuellen Printausgabe 3/2014 von FONDS professionell oder hier – Anmeldung erforderlich.)

Der Quirin-Fonds verwaltete zuletzt nur noch 7,8 Millionen Euro. Die Performance der vergangenen Jahre war eher durchwachsen. Morningstar sortiert den Fonds mit drei Sternen im Mittelfeld seiner Vergleichsgruppe flexibler Euro-Mischfonds ein. Das auf vermögensverwaltende Fonds spezialisierte Analysehaus MMD vergibt auf Sicht von fünf Jahren zwar vier von fünf möglichen Sternen. Auf Sicht von zwei Jahren erhält der Quirin-Fonds allerdings nur zwei Sterne, weil er seinen Wettbewerbern zuletzt klar hinterherhinkte.

"Ein Ärgernis für Anleger und deren Berater"
Dennis Hornig, Finanzberater aus Rosbach vor der Höhe im Taunus, ärgert, dass seit einiger Zeit vermehrt VV-Fonds liquidiert werden. "Der Quirin-Fonds ist nur einer von vielen vermögensverwaltenden Fonds, die in den Jahren 2007 und 2008 aufgelegt wurden und jetzt in Abwicklung gehen, weil ihr Volumen zu klein ist. Der klare Verlierer dieses Trends sind die Anleger, die nun keinen Schutz mehr vor der Abgeltungsteuer genießen", sagte er gegenüber FONDS professionell ONLINE.

Früher sei es üblich gewesen, zu kleine Fonds mit anderen, ähnlichen Portfolios zu verschmelzen, so Hornig. "Gerade bei den vermögensverwaltenden Mischfonds sind nun aber Auflösungen an der Tagesordnung – ein Ärgernis für Anleger und deren Berater."

Fonds investierte in die Anleihe der MS Deutschland
Ein Blick auf das Factsheet des Quirin-Fonds verrät ein interessantes Detail: 1,1 Prozent des Fondsvermögens waren zuletzt in die Anleihe der MS Deutschland investiert, deren Betreibergesellschaft am Mittwoch Insolvenz anmelden musste. Es war die Quirin Bank selbst gewesen, die die Anleihe im Dezember 2012 als Lead Manager und Bookrunner an den Markt gebracht hatte. Pikant ist das Investment deshalb, weil die Quirin-Berater die klare Vorgabe haben, ihren Kunden keine Anleihen oder Aktien zu empfehlen, an deren Emission die Investmentbankeinheit des Instituts beteiligt war. Das Engagement des Fonds in der MS-Deutschland-Anleihe wirft daher Fragen auf.

"Die Anleihe wurde am 18. Dezember 2012 aufgelegt, jedoch gemäß unseren Grundsätzen im Rahmen der Emission dem Quirin Bank Multi Asset Fonds nicht angedient", so die Sprecherin. "Der Erwerb der Position erfolgte im Jahresverlauf 2013 auf Basis der Arbeitsergebnisse unserer Research-Abteilung und unter Berücksichtigung des zu dem Zeitpunkt nachhaltig gesunkenen Kursniveaus." Ein gutes Investment war es freilich nicht: Als der Fonds 135.000 Euro in die MS-Deutschland-Anleihe investierte, notierte der Kurs bei 54 Prozent des Nominalwertes – inzwischen ist er unter 30 Prozent gefallen. (bm)