Die auf Honorarberatung spezialisierte Quirin Bank denkt darüber nach, einige ihrer 14 Standorte zu schließen. Um trotzdem in der Fläche vertreten zu bleiben, komme der Aufbau eines Haftungsdachs in Frage, dem sich freie Berater anschließen könnten. Das sagte Quirin-Vorstandschef Karl Matthäus Schmidt am Mittwoch im Gespräch mit FONDS professionell in Berlin.

Ein Hintergrund der Überlegungen ist die Tatsache, dass die Honorarberatung für die Berliner Bank nach wie vor defizitär ist. Das Institut schrieb 2013 zwar schwarze Zahlen – zum zweiten Mal in seiner Geschichte –, doch das war auf Sondereffekte zurückzuführen. Auf der Hauptversammlung hatte Schmidt angekündigt, 2015 im Honorarberatungsgeschäft profitabel arbeiten zu wollen. Bislang wird diese Sparte durch Gewinne der Investmentbanking-Einheit quersubventioniert.

"Wir wollen profitabel wachsen"
Als Grund für die immer noch roten Zahlen in der 2006 gestarteten Honorarberatung nannte Schmidt gegenüber FONDS professionell die hohen Anlaufkosten. "Beim Aufbau einer Honorarberaterbank geht man brutal in Vorleistung. Wir bekommen keine fünf Prozent Provision vorab, sondern müssen von den deutlich geringeren jährlichen Gebühren leben. Der Vorteil dieses Geschäftsmodell ist, dass die Erträge deutlich stabiler und planbarer sind."

Die großen Aktionäre – darunter die Finanzholding RHJ International als größter Anteilseigner – trügen das Modell mit und legten keinen Wert auf schnelle Dividenden. "Wir sind und bleiben ein Wachstumsunternehmen, wollen aber profitabel wachsen", sagte Schmidt.

"Wir können mit einer etablierten Marke punkten"
Um dieses Ziel zu erreichen, kommt auch das Filialnetz auf den Prüfstand. In einigen Regionen liegen Filialen recht nah beieinander, etwa in Darmstadt und Frankfurt oder in Braunschweig und Hannover. Auf die Frage, ob es aus Kostengründen nicht sinnvoll sei, einzelne Standorte zusammenzulegen, sagte Schmidt: "Wir werden in diesem Punkt eine Arrondierung vornehmen." Der Prozess sei aber noch nicht abgeschlossen, darum sei es noch zu früh, um Details zu nennen. Im Juni hatte Marcel Morschbach, der neue Finanzvorstand der Quirin Bank, im Interview mit der "Börsen-Zeitung" gesagt, das Filialnetz des Instituts sei für eine kleine Bank "recht üppig". Von einer "Arrondierung" war damals aber noch keine Rede gewesen.

Schmidt betonte, Quirin wolle sich nicht aus der Fläche zurückziehen. "Wir denken darüber nach, wie wir sehr schlank auch in kleineren Städten vertreten sein können", sagte Schmidt. "Eine Überlegung ist auch, als Andockstation für freie Berater zu dienen, also ein Haftungsdach für Honorarberater zu bieten. Wir können mit einer etablierten Marke punkten, die für 100 Prozent Honorarberatung steht." Entschieden sei in diesem Punkt allerdings noch nichts.

Franchise-System für Honorarberater
Diese Lösung wäre nicht das erste Haftungsdach für Honorarberater. Der Verbund Deutscher Honorarberater (VDH) bietet in Kooperation mit einem Luxemburger Vermögensverwalter ein solches Modell an. Ähnliche Pläne verfolgt die Honorarfinanz AG aus Karlsruhe: Dieses Start-up will eine Art Franchise-System für Honorarberater aufbauen. (bm)


Ausführliche Porträts der Quirin Bank, der Honorarfinanz AG sowie weiterer Honorarberater lesen Sie in der nächsten Printausgabe 3/2014 von FONDS professionell, die im September erscheint.