Die Royal Bank of Scotland (RBS) gibt das Geschäft mit Zertifikaten auf. Das Institut bestätigte am Donnerstag Medienberichte, nach denen in der Investmentbank bis zu 2.000 Stellen abgebaut werden sollen. Der Bereich soll sich künftig auf das Anleihe- und Währungsgeschäft konzentrieren. Das Geschäft mit Aktienderivaten und Privatanlegerzertifikaten steht zum Verkauf.

"Es ist sehr bedauernswert, dass sich ein großer und etablierter Spieler wie die RBS vom Markt verabschiedet", sagte Florian Roebbeling, Leiter des Instituts für Zertifikateanalyse (IZA), gegenüber FONDS professionell ONLINE. "Es wäre wünschenswert, wenn ein anderer Derivateanbieter das Geschäft übernehmen und in gleicher Qualität weiterführen würde."

Anleger kommen weiterhin an ihr Geld
Die Mitarbeiter in Frankfurt erfuhren dem Vernehmen nach aus der Presse von der geplanten Abwicklung ihres Geschäftsbereiches. Direkt aus dem Team zu sprechen war für die Medien am Donnerstagvormittag niemand. Zumindest einige Jobs werden vorrübergehend wohl noch erhalten bleiben, um weiterhin Kurse für die ausstehenden Zertifikate und Hebelpapiere stellen zu können – Anleger und Finanzberater müssen sich also keine Sorgen machen, dass sie nicht an ihr investiertes Geld herankommen.

Die RBS ist als Nachfolger der ABN Amro einer der Pioniere am deutschsprachigen Zertifikatemarkt – und schon der zweite große Anbieter innerhalb kurzer Zeit, der das Geschäft aufgibt. Erst vor gut einem Jahr zog die australische Bank Macquarie die Reißleine – sie hatte das Geschäft erst 2010 von der in Schieflage geratenen Kölner Privatbank Sal. Oppenheim übernommen und viel Geld in den Aufbau einer europäischen Derivatesparte gesteckt. Im vergangenen Jahr übernahm dann die französische Großbank BNP Paribas das Zertifikatebuch von Macquarie.

Mehr als drei Milliarden Euro allein in Deutschland
Gemessen am Börsenumsatz in Deutschland kam die RBS im April auf einen Marktanteil von 4,5 Prozent und war damit der siebtgrößte Anbieter. Besonders im Markt für Selbstentscheider spielt die RBS jedoch eine größere Rolle. Sie machte in den vergangenen Jahren auch immer wieder mit Innovationen auf dem Derivatemarkt auf sich aufmerksam. Das in RBS-Zertifikate investierte Volumen in Deutschland belief sich zuletzt auf gut drei Milliarden Euro, wie sich aus Zahlen des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) ermitteln lässt. Der Gesamtmarkt ist knapp 96 Milliarden Euro groß.

Auch in Österreich gehört die RBS zu den größten Anbietern – das Institut ist zudem der einzige ausländische Anbieter im Branchenverband ZFA. Am dortigen Zertifikatemarkt waren im April Schätzungen des ZFA zufolge insgesamt rund 13,5 Milliarden Euro investiert. Auf einigen anderen europäischen Märkten ist die RBS Marktführer und kommt auf Marktanteile von mehr als 50 Prozent.

Zumindest Teile des Geschäfts gelten als attraktiv
Branchenkennern zufolge ist es recht unwahrscheinlich, dass ein Wettbewerber wie im Fall BNP und Macquarie einfach alle ausstehenden Papiere übernimmt. Denn das Volumen des RBS-Zertifikategeschäfts ist deutlich größer. Eine Übernahme würde also mit einer deutlichen Bilanzausweitung einhergehen – und das in einer Zeit, in der Banken rund um den Globus ihre Bilanzen schrumpfen.

Zumindest Teile des RBS-Geschäfts gelten jedoch als attraktiv, etwa die Plattform für Differenzkontrakte (Contracts for Difference, CFDs), mit denen sich auf kleinste Kursveränderungen wetten lässt. Außerdem ist das Zertifikategeschäft unter dem Strich profitabel – der RBS war es aber offensichtlich nicht profitabel genug. (bm)