Für einen wahren Aufschrei hatten die ursprünglichen Vorschläge der Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA, englisch European Securities and Markets Authority) im Hinblick auf die Verwendung von Provisionen gesorgt (siehe dazu unseren Bericht). Dem im Mai dieses Jahres veröffentlichten, ersten Entwurf der Behörde zufolge wären Provisionen nur noch erlaubt gewesen, wenn damit ein Mehrwert für den Kunden finanziert werde, nicht aber, um die Büroausstattung zu erneuern oder in Software zu investieren. Von einem Provisionsverbot durch die Hintertür war seitens der Kritiker die Rede, das von der EU-Kommission so nie vorgesehen gewesen sei.

Von solcherlei Vorschlägen, die einem faktischen Verbot von Provisionszahlungen gleichgekommen wären, hat die Behörde nun Abstand genommen, indem sie den entsprechenden Passus der früheren Version nicht nur einfach gestrichen hat, die Behörde räumt in ihrem Bericht sogar Verständnis für die Kritiker ein. Die hatten beklagt, die ursprünglichen Vorschläge würden den Zugang von Kunden zu einer Finanzberatung erheblich erschweren. In einer Telefonkonferenz anlässlich der Veröffentlichung des ESMA-Papiers betonte Steven Maijoor, Chairman der ESMA, ausdrücklich, dass ein Provisionsverbot niemals Ziel der Aufseher gewesen sei.

Qualitätsverbesserung muss erkennbar sein
Das ändert aber nichts an der Forderung der Behörde nach einer Qualitätsverbesserung für den Kunden, die mit einer provisionsbasierten Beratung verbunden sein müsse. Es müsse ein zusätzlicher beziehungsweise höherwertiger Service erkennbar sein, der zudem in einem angemessenen Verhältnis zu der Höhe der vereinnahmten Provision stehen müsse. Das könne das Angebot einer möglichst breiten Palette an für den jeweiligen Kunden geeigneten Produkten sein oder auch andere Vorteile wie etwa eine jährliche Beratung, die dem Kunden zuteil werde. Außerdem müssten fortdauernde Anreize, sogenannte ongoing inducements, an den Berater ebenfalls mit einem entsprechenden Nutzen für die Kunden verbunden sein.

Was das nun alles konkret für die Praxis eines Beraters bedeutet, ist auch mit dem jetzt veröffentlichten ESMA-Papier nicht abschließend einzuschätzen, denn in vielen Punkten bleiben die Ratschläge noch wenig bestimmt, die Aufsichtsbehörde schlägt sogar selbst vor, zusätzliche Richtlinien und Empfehlungen zu einem späteren Zeitpunkt zu erarbeiten. Immerhin ist der Zeitplan für die MiFID-Einführung mit den jüngsten ESMA-Vorschlägen in seiner zweiten Konsultationsrunde angekommen. Wirkliche Relevanz für die praktische Arbeit eines Beraters wird die Richtlinie erst ab ihrem geplanten Geltungstag Anfang 2017 erhalten. (hh)