Nach der letzten Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) muss sich ein Großteil der deutschen Sparer endgültig Gedanken über eine zeitgemäße Anlagestrategie machen. Darauf weist der Bundesverband der Ruhestandsplaner Deutschland (BDRD) in einer aktuellen Pressemitteilung hin. Für Banken, die kurzfristig Geld bei der EZB parken, wurde der Strafzins auf 0,2 Prozent erhöht. Wenn sich an dieser Zinspolitik nichts ändert, müssten sich die Deutschen mit dem Gedanken vertraut machen, dass auch sie bei Spareinlagen im schlimmsten Fall bald draufzahlen.

"Angesichts der neuen Zinssituation haben die Banken an den bei Anlegern beliebten Spar- und Tagesgeldkonten kein großes Interesse mehr", warnt Peter Härtling, Präsident des BDRD. Je höher die Strafzinsen für kurzfristiges geparktes Geld bei der EZB steigen, desto mehr werden diese Anleger-Gelder zur Belastung für Banken, erklärt der BDRD-Präsident. Und diese Belastung werden die Geldinstitute über kurz oder lang an ihre Kunden weitergeben, warnt er: "Auch wenn Negativzinsen für Sparer im Moment nicht zu erwarten sind, werden die Banken wahrscheinlich neue Gebühren in Form von Kontoführungsentgelten für Spar- und Tagesgeldkonten erheben müssen, um die Geldstrafe nicht allein zu tragen."

Keine Hoffnungen auf Änderungen
"Die Deutschen dürfen nicht länger dem Sparbuch vertrauen", warnt Peter Härtling. Auch den Sicherheitsbedenken der Bundesbürger hält der Präsident des BDRD entgegen: Wie sicher sei eine Anlage, bei der Sparer am Ende gar draufzahlen? Versteckt passiere das schon lange, weil die Zinsen unterhalb der Inflation liegen. Anlageentscheidungen würden somit immer komplizierter. "Es gibt keine Alternative mehr zu einer individuellen Beratung vom Fachmann", meint Härtling.

Große Hoffnungen, dass sich an der EZB-Zinspolitik rasch etwas ändert, hat der BDRD nach eigenen Angaben nicht. Am 4. September hatte die EZB die Zeitzinsen von 0,1 auf 0,05 Prozent gesenkt. "Solche Zinsschritte gleichen einer Realsatire", kritisiert Härtling. "Seit Jahren fordert die Bundesregierung von den Deutschen mehr Eigenverantwortung bei der Altersvorsorge. Mit ihrer aktuellen Zinspolitik konterkariert die EZB die Bemühungen aller Bürger, dem zu entsprechen."

Zum BDRD
Der BDRD ist ein berufsständischer Verband der Ruhestandsplaner. Die Mitglieder des Bundesverbandes Der Ruhestandsplaner Deutschland e.V. BDRD müssen jährlich eine Zertifizierung ablegen, mit der die hohe fachliche Kompetenz nachgewiesen wird. Zudem verpflichten sich die BDRD-Ruhestandsplaner zur Einhaltung hoher ethischer und fachlicher Standards bei der Beratung. Ziel der Beratung ist immer die Sicherung der finanziellen Unabhängigkeit der Menschen im und für den Ruhestand. Der BDRD e.V. ist unabhängig in jeder Hinsicht, vertreibt insbesondere selbst keine Finanzprodukte- oder Finanzdienstleistungen und gibt auch keine Empfehlungen zu Produkten ab.
(jb)