Aktien hui, Renten pfui – so könnte das Fazit lauten, dass sich am Mittwochnachmittag nach dem Fondsmanagergipfel im großen Saal des Mannheimer Kongresszentrums Rosengartens ziehen ließ. Vier der prominentesten Portfoliomanager Deutschlands waren der Einladung des Kölner Dachfondspioniers Eckhard Sauren zum FONDS professionell KONGRESS gefolgt: Klaus Kaldemorgen (Deutsche Asset & Wealth Management), Bert Flossbach (Flossbach von Storch), Peter E. Huber (Starcapital) und Christoph Bruns (Loys). Dass an Aktien derzeit kein Weg vorbei führt, während mit Anleihen auf absehbare kaum Geld zu verdienen ist, darin waren sich die Fondsmanager einig. Langweilig wurde die Runde dennoch nicht – unter anderem deshalb, weil es bei der Frage, wo genau das Geld der Anleger in diesem Jahr am besten aufgehoben sein wird, durchaus Differenzen gab.

"Euro-Anleihen weisen ein völlig unattraktives Chance-Risiko-Verhältnis auf", sagte Huber. Kaldemorgen schloss sich an: "Opportunitäten am Rentenmarkt sehe ich nur in den USA, nicht in der Euro-Zone." US-Unternehmensanleihen böten "zumindest eine kleine Rendite". Kaldemorgen verwies außerdem auf Hochzinspapiere aus der US-Energiebranche, bei denen elf Prozent Rendite möglich seien.

"Inzwischen führt die EZB den Abwertungswettlauf an"
Schuld an den mageren Zinsen ist die laxe Geldpolitik der Notenbanken. "Am Tiefzinsumfeld wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern", sagte Flossbach. Der "Point of no Return" sei inzwischen überschritten: Bei steigenden Zinsen wären die hohen Staatsschulden nicht mehr zu finanzieren, ist der Vermögensverwalter überzeugt.

Von dem jüngst angekündigten "Quantitative Easing (QE)"-Programm der Europäischen Zentralbank (EZB) hält das Fondsmanager-Quartett wenig. "Kein Unternehmen wird zusätzliche Investitionen tätigen, weil die EZB jetzt Staatsanleihen aufkauft", sagte Kaldemorgen. Das einzig Positive an dem QE-Programm sei die Euro-Abwertung, die die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen auf dem Weltmarkt erhöhe. "Inzwischen führt die EZB den Abwertungswettlauf an", so Flossbach.

Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 40? Durchaus möglich
Ein Nebeneffekt der Anleihenkäufe kommt den Portfoliomanagern freilich gelegen: Die Geldflut schwemmt die Aktienkurse nach oben. "Mario Draghi ist der Schutzpatron der Aktienanlage!", sagte Bruns. Für Anleihen dagegen sieht er schwarz: "Wir sollten uns von der Zinsanlage verabschieden." Es könne zwar sein, dass das Zinsniveau noch weiter sinke, was die Anleihenkurse weiter nach oben treiben würde. "Die Chance ist da, aber die Risiken sind deutlich größer", so Bruns.

Flossbach sieht im Wesentlichen zwei Treiber für steigende Aktienkurse. Sobald die Anleger akzeptiert hätten, dass die Zinsen auf Dauer niedrig bleiben, würden sie Aktien eine deutlich höhere Bewertung zugestehen. Er verwies auf die Zeit der "Nifty Fifty" Anfang der 1970er-Jahre, als einige Dutzend US-Qualitätsaktien ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von durchschnittlich 40 aufwiesen. Außerdem sei wahrscheinlich, dass die laxe Geldpolitik eines Tages in eine Inflation münden werde. "Das sorgt bei den Unternehmen für steigende Umsätze", sagte Flossbach – ein weiterer Grund für steigende Aktienkurse.

Die Rally werde eines Tages wahrscheinlich in einer Übertreibung enden. Gefährlich werde es aber erst, wenn auch die letzte Pensionskasse die Aktie für sich entdeckt habe. "Bis dahin ist noch viel Zeit", so Flossbach. Auch Kaldemorgen ist ein Freund der Aktie, erinnerte jedoch daran, dass sich Anleger bei solchen Investments auf Rückschläge gefasst machen müssen: "Aktien sind alternativlos, aber nicht risikolos."

Asien oder Europa?
Uneinigkeit herrschte bei der Frage, in welchen Regionen den Aktienmärkten das stärkste Plus zuzutrauen ist. Huber bevorzugt asiatische Titel und ist mit Blick auf Europa eher skeptisch, Bruns dagegen wittert genau dort die größten Chancen: "Ich würde mein Geld heute überwiegend in Europa anlegen", sagte er. Grund dafür sei die im Vergleich zu anderen Aktienmärkten attraktive Bewertung vieler Unternehmen.

Bruns traut sich auch bereits an ausgewählte Titel aus dem Ölsektor heran, die im Zuge des Ölpreisverfalls hart abgestraft wurden. Selbst in Russland wagt er erste Investments. Bei Engagements in solchen geprügelten Märkten müssten Anleger allerdings Mut und Zeit mitbringen: "In fünf Jahren wird man vielleicht sagen: 'Russland, das war eine Jahrhundertchance'!" (bm)