Große Einigkeit unter Deutschlands Fonds-Elite: Am Rentenmarkt ist nur in Nischen noch Geld zu verdienen. Wer mehr Rendite will, muss zu Aktien greifen - und kommt nicht umhin, die entsprechende Volatilität in Kauf zu nehmen. Dieses Fazit lässt sich nach dem Fondsmanagergipfel ziehen, den der Kölner Dachfondsmanager Eckhard Sauren am Mittwoch auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim veranstaltete.

Sauren versammelte auf dem Podium vier von Deutschlands wohl bekanntesten Fondsmanagern: Jens Ehrhardt, Gründer von DJE Kapital, steuert seinen FMM-Fonds seit mehr als 25 Jahren erfolgreich durch unruhige Aktienmärkte. Bert Flossbach, Chef der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, hat mit seinem FvS – Multiple Opportunities schon 4,5 Milliarden Euro eingesammelt. Starcapital-Manager Peter E. Huber eilt mit seinem konservativen Mischfonds Starcap Winbonds+ von Rekord zu Rekord. Und Deutsche-Bank-Urgestein Klaus Kaldemorgen feiert mit seinem Absolute-Return-Fonds DWS Concept Kaldemorgen neue Absatzerfolge, nachdem ihn Kritiker nach einigen schlechten Jahren am Steuer des DWS Vermögensbildungsfonds I schon abgeschrieben hatten.

"Das Kurspotenzial ist erschöpft"
Beim Blick auf den Rentenmarkt waren sich die Fonds-Gurus einig: Große Kursgewinne, wie sie etwa im vergangenen Jahr mit Anleihen aus Euro-Krisenstaaten wie Spanien oder Italien zu holen waren, sind nicht mehr drin. "Das Kurspotenzial ist erschöpft", sagte Huber. Bei Unternehmensanleihen von spanischen, italienischen und portugiesischen Firmen hat er inzwischen Gewinne mitgenommen. "Bei Staatsanleihen aus der Peripherie war ich leider nicht mutig genug, davon hätte ich rückblickend gerne mehr gehabt", sagte er.

Angst vor großen Rückschlägen bei der Bekämpfung der Euro-Krise müssen Anleger allerdings auch nicht haben – zumindest wenn Kaldemorgen Recht behält. "Die Schuldensituation in Europa sollte uns dieses Jahr keine Sorgen bereiten", sagte er. Schließlich habe Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank, oft genug betont, dass er für den Fall der Fälle noch einige Pfeile im Köcher habe.

Auch die oft beschworene Zinswende wird nicht kommen, so die einhellige Meinung der Fondsmanager. "Ein Zinsniveau von vier oder fünf Prozent, das vor einigen Jahren noch selbstverständlich erschien, wird es lange Zeit nicht mehr geben", sagte Flossbach. "Der 'Point of no Return' ist längst überschritten." Will heißen: Weil zahlreiche Staaten ihre Schulden nicht mehr bedienen könnten, wenn die Zinsen zu hoch steigen würden, werden die Zentralbanken das Renditeniveau sehr lange auf einem extrem niedrigen Niveau halten. Aus diesem Grund rechnet Flossbach auch nicht mit hohen Kursverlusten am Rentenmarkt. Ehrhardt schloss sich an: "Schon weil so viele Marktteilnehmer sehr pessimistisch sind, spricht das gegen einen großen Kurseinbruch."

Chancen bei Schwellenländeranleihen
Wer an den Rentenmärkten Erfolg haben wolle, müsse opportunistisch agieren und Chancen nutzen, die sich immer wieder ergeben würden, so Flossbach. Eine solche Möglichkeit könnte in den Schwellenländern lauern, meinte Ehrhardt. Brasilianische Anleihen zum Beispiel böten nach dem jüngsten Kursverfall elf bis zwölf Prozent Rendite. "Dass es noch schlimmer kommt, glaube ich nicht", sagte Ehrhardt.

Kaldemorgen pflichtete ihm bei: "Die Notenbanken der Schwellenländer haben auf die Kapitalflucht richtig reagiert und die Zinsen erhöht", sagte er. Mit einem Terminkontrakt auf den brasilianischen Real seien derzeit 10,5 Prozent Zinsen pro Jahr zu verdienen. Dazu komme die Chance auf mögliche Währungsgewinne. "Einige Schwellenländerwährungen standen so massiv unter Druck, dass nun eine Erholung anstehen könnte", ergänzte Huber. Er hat unter anderem brasilianische, türkische und indonesische Anleihen im Blick, sagte aber, dass Anleger in solchen Märkten sehr vorsichtig und bedacht agieren sollten.

Huber sieht auch in den Vereinigten Staaten Chancen: Mit US-Unternehmensanleihen seien derzeit fünf Prozent Rendite per annum zu erzielen – bei abgesicherter Währung und reduzierter Duration. "Fünf Prozent Rendite in Euro ohne großes Zinsänderungsrisiko halte ich im derzeitigen Umfeld für attraktiv", sagte er.

"Die Aktie ist wohl alternativlos, aber nicht risikolos"
Das bessere Chance-Risiko-Verhältnis ist ohnehin nicht am Renten-, sondern am Aktienmarkt zu finden, waren sich die vier Fondsprofis einig. Darüber, wo das Geld der Anleger in den nächsten Monaten am besten aufgehoben ist, herrschte allerdings kein Konsens. Ehrhardt wittert die größten Chancen in Asien, hält sich mit Neuengagements aber vorsichtshalber noch zurück. Eine überraschend gute Konjunkturentwicklung traut er in diesem Jahr den USA zu. Kaldemorgen dagegen ist mit Blick auf die Vereinigten Staaten eher skeptisch: "Dort, wo die Erwartungen bereits sehr hoch sind, wäre ich eher vorsichtig", sagter er. Huber wiederum sieht an Südeuropas Börsen großes Aufholpotenzial.

Flossbach, der Schwellenländerinvestments in den vergangenen Jahren skeptisch gegenüberstand, fasst nun einzelne Titel aus den Emerging Markets ins Auge. "Ich habe immer gesagt, dass Schwellenländeraktien schon wegen der mangelnden Transparenz und der schlechten Corporate Governance einen Abschlag verdient haben. Dieser Abschlag ist jetzt da, darum werden diese Märkte für uns langsam interessant."

Um die langfristige Börsenentwicklung ist Flossbach nicht bange. Seiner Beobachtung zufolge finden sich die Investoren langsam damit ab, dass das Renditeniveau wohl auf Jahre hinaus sehr niedrig bleiben wird. Sobald das in eine niedrigere Renditeerwartung umschlage, sei eine signifikant höhere Bewertung von Aktien gerechtfertigt. Die Kurse hätten demnach selbst ohne große Gewinnsteigerungen noch viel Luft nach oben. "Wer daran partizipieren möchte, muss allerdings die damit verbundene Volatilität in Kauf nehmen", so Flossbach. Kaldemorgens Fazit: "Die Aktie ist wohl alternativlos, aber nicht risikolos." (bm)


Eine Aufzeichnung des Fondsmanager-Gipfels ist hier zu finden.