Der Dax eilt von einem Rekordhoch zum nächsten und hat die Marke von 10.000 Punkten hinter sich gelassen. Da stellen sich viele Anleger die Frage, ob es sich bei diesem hohen Stand überhaupt noch lohnt, in Aktien zu gehen – oder ob der nächste Crash bevorsteht.

Dass diese Frage sehr kontrovers gesehen wird, zeigt die Podiumsdiskussion zwischen Andreas Grünewald, dem Vorstand des Münchner Vermögensverwalters FIVV, und Volker Schnabel, Chefanalyst bei Mack & Weise, die der Verband unabhängiger Vermögensverwalter (VuV) auf dem diesjährigen FONDS professionell KONGRESS im Mannheimer Rosengarten veranstaltete.

"Die Notenbanken machen die Aktienkurse"
Beide Redner waren sich noch einig, dass das Dax-Hoch durch den schwachen Euro. Schnabel zählte auch noch den niedrigen Ölpreis und die geldpolitischen Maßnahmen der Notenbanken zustande kam. Vor allem denletzten Faktor betonte er. "Die Notenbanken machen die Aktienkurse", so sein Verdikt. Grünewald, der auch Vorsitzender des VuV ist, wies dann als Vertreter des "Pro-Investment-Lagers" darauf hin, dass das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Dax-Werte trotz des Rekordhochs des Index bei 13 liege und damit im historischen Kontext nicht hoch ist.

Auch europaweit seien Aktien nicht zu hoch bewertet – trotz der Liquiditätsschwemme und des durch die niedrigen Zinsen verursachten Investitionsdrucks. "Ein Dax-Stand über 10.000 Punkte war zu erwarten", so Grünewald. Vor allem aber lassen ihn das Wirtschaftswachstum in den USA, China und auch in Deutschland und der Konsumwunsch der wachsenden Weltbevölkerung Aktien weiter empfehlen. "Die Bevölkerung nimmt jährlich um ein Prozent zu und vor allem die Jungen wollen konsumieren", so Grünewald.

Laxe Geldpolitik birgt Gefahren
Schnabel, der in der von N-TV-Moderator Raimund Brichta geleiteten Diskussion dann die "Anti-Aktien-Position" einnahm, trat Grünewalds Feststellung eines Wirtschaftswachstums entgegen und betonte, dass beispielsweise in den USA auch Faktoren wie Kriegsausgaben in den Berechnungen für die Wirtschaftsentwicklung berücksichtigt würden. Zudem seien die Verschuldung und auch die Arbeitslosigkeit in den Industriestaaten hoch. Sie bedrohten das Wirtschaftswachstum nachhaltig.

Zwar betonte Schnabel, nicht generell gegen Aktieninvestments zu sein, allerdings seien die Risiken der laxen Geldpolitik der Zentralbanken zu groß: "Die Notenbanken können ihre Politik des Quantitative Easing nicht auf Dauer durchhalten", so Schnabel. Wenn die Institute ihre Niedrigzinspolitik und die Anleihenkaufprogramme irgendwann beenden müssen – unter anderem würden die vielen Anleihen in den Büchern der Europäischen Zentralbank oder der amerikanischen Federal Reserve zu einem massiven Vertrauensverlust führen –, würden dies auch die Aktien treffen und die Kurse in die Tiefe reißen. Schnabel meint sogar, dass in der Geschichte Finanzsysteme, die nicht auf Gold basierten, immer wieder gescheitert sind. In seinen Portfolios hält er daher zu über 50 Prozent Gold. (jb)