Herr Woolnough, vor gut zwei Jahren haben Sie in einem Interview mit FONDS professionell gesagt: "Der Vergleich mit einer Benchmark interessiert mich nicht." Ist das immer noch so?

Richard Woolnough: Ja. Auch wir haben zwar eine Benchmark, aber die ist sehr weit gefasst. Wenn alle Assets absolut fair bepreist wären, dann wäre der M&G Optimal Income zu einem Drittel in Staatsanleihen investiert, zu einem Drittel in Investmentgrade-Anleihen und zu einem weiteren in High-Yield-Bonds. Wir können uns von unserer Benchmark aber sehr weit entfernen. Daher sind wir, was Durations- und Kreditrisiken angeht, viel flexibler als ein traditioneller Anleihefonds. Das gibt uns die Freiheit, unseren Top-Down-Ansatz, unsere makroökonomischen Einschätzungen genau umzusetzen.

Mit Ihrer Unconstrained-Strategie waren Sie über viele Jahre sehr erfolgreich. Seit seiner Auflage hat der Optimal Income Jahresrenditen von bis zu 13  Prozent erzielt, in der Spitze lag das Anlagevermögen bei rund 30 Milliarden Euro. 2015 jedoch trat die Zinswende nicht ein, die Sie erwartet hatten. Das führte zu Problemen.

Woolnough: Es kommt darauf an, was man genau unter Problemen versteht. Der Optimal Income ist kein Absolute-Return-Fonds, wir versuchen nicht, in jeder Marktsituation höchstmögliche Erträge zu erzielen. Wir setzen im Fonds unsere Überzeugungen um. 2015 waren wir davon überzeugt, dass sich die Konjunktur in den USA und in Europa erholen wird. Wenn man von einer Erholung ausgeht, hat man im Portfolio natürlich mehr Kredit- und wenig Durationsrisiko. So waren wir im vergangenen Jahr aufgestellt. Wenn die Märkte aber zu der Einschätzung gelangen, dass die USA und Europa auf eine erneute Rezession zusteuern, dann ist mein Portfolio dafür nicht  positioniert.

Mussten Sie demnach umdisponieren?

Woolnough: Nein. Aufgrund des Brexit werden die Notenbanken den Leitzins wohl erst einmal nicht heben. Wir gehen aber nach wie vor von einer Erholung der Weltwirtschaft aus. Deshalb haben wir weiterhin eine kurze Duration. Nach dem Referendum haben wir diese um knapp ein Jahr leicht erhöht. Statt bei 1,9 Jahren liegt sie jetzt bei drei Jahren, das ist immer noch kurz. Die geldpolitischen Maßnahmen der Notenbanken funktionieren ja. Aber Geldpolitik wirkt nun einmal nicht unmittelbar, sondern mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa zwei Jahren.

Und in dieser Zeit warten Sie ruhig ab?

Woolnough: Ich warte nicht ab, ich denke langfristig, schaue über den gesamten Wirtschaftszyklus hinweg. Andere tun das nicht, weil die Zentralbanker es auch nicht tun. Die meisten Marktteilnehmer halten die EZB geradezu für einen Quell der Weisheit. In der Tat sitzen in Frankfurt sehr weise Banker. Aber ich denke, für sie ist es genauso schwierig ihren Job zu machen, wie für uns. Auch sie machen Fehler und liegen mit ihren Entscheidungen nicht per se richtig. Am Markt ist Konsens, dass alles, was die EZB macht, richtig ist, das wird eingepreist. Ich habe aber meinen eigenen Blick und handle entsprechend. Ich versuche nicht, den Markt nachzuahmen.

Nicht umsonst sind Muhammad Ali und Winston Churchill Ihre großen Idole.

Woolnough: Ja, das stimmt. Beide waren sehr unabhängige Persönlichkeiten mit einem freien Geist. Sie haben nie versucht, jemanden zu kopieren, sondern haben die Entscheidungen getroffen, die sie für richtig hielten – auch wenn sie unpopulär waren. Das schätze ich sehr, und als Fondsmanager mache ich das auch. (am)


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