2015 war bislang kein gutes Jahr für die Anteilseigner der drei Ethna-Fonds des Luxemburger Vermögensverwalters Ethenea. 2016 soll es aber besser werden, versprechen die Manager. Zumal die wirtschaftliche Lage im kommenden Jahr hier kein Hindernis darstellen sollte, wie die für die Ethna-Fonds Verantwortlichen in einer Telefonkonferenz ausführten.

"Wir waren zu sehr auf Sicherheit bedacht und daher zu zaghaft bei den Aktieninvestments", erklärte Luca Pesarini, Partner und Verwaltungsratsvorsitzender der Kapitalanlagegesellschaft sowie Manager des 11,2 Milliarden Euro schweren Ethenea-Flaggschiffs Ethna-Aktiv, dessen Performance (-1,34%) ebenso wie die Wertentwicklungen des Ethna-Defensiv (0,15%) und des Ethna-Dynamisch (1,89%) seit Jahresbeginn hinter den Erwartungen zurück blieb.

Aktien wieder en vogue
Die Manager haben ihre Hausaufgaben gemacht und in den vergangenen acht Wochen die Aktienquoten in ihren Fonds sukzessive erhöht. Pesarini beispielseisweise schraubte den Aktienanteil beim Ethana-Aktiv von knapp 17 Prozent Mitte September auf nunmehr 37 Prozent hoch. "Dabei setzten wir auf Branchen, in denen wir uns bestens auskennen: Konsumgüter, Pharmazeutika und Technologieunternehmen", erläuterte der Starmanager. Die regionale Allokation ist ebenfalls klar: Zwei Drittel der Papiere kommen aus den USA, das restliche Drittel aus Europa. Insgesamt peilt Pesarini damit für 2016 eine Performance von fünf Prozent an.

1447944135.jpg

USA hat Favoritenrolle
Auch auf der Anleihenseite haben US-Papiere ihren europäischen Pendants den Rang abgelaufen: "Wir sind wenig in europäischen Anleihen investiert, da die Zinsen bereits sehr niedrig sind und kein deutliches Wertsteigerungspotenzial mehr bieten. Illiquidität und fehlende Markttiefe bei europäischen Anleihen sind weitere Risikofaktoren", erläuterte Ethenea-CIO Guido Barthels. Besonders interessant findet der Rentenspezialist derzeit US-Unternehmensanleihen mit einem BBB-Rating, die einen Spread von drei Prozent gegenüber US-Treasuries aufweisen.

Die Präferenz für US-Werte hat handfeste makroökonomische Gründe.  Yves Longchamp, Chefvolkswirt von Ethenea, schätzt, dass 2016 das Bruttosozialprodukt (BIP) in den USA um rund 2,5 Prozent zulegt. "Daher rechnen wir auch mit einer Zinserhöhung durch die Fed im Dezember", so Longchamp. Zumal der Arbeitsmarkt stabil sei und es keine Deflation mehr gäbe.

EZB hält Zinsen am Boden
Die Situation in Europa stuft der Ökonom ähnlich ein, wenngleich das ebenfalls durch privaten Konsum gestützte BIP seiner Einschätzung nach nur um magere 1,5 Prozent zulegen wird. Bemerkenswert sei dabei, dass nicht nur Deutschland, sondern auch die Peripheriestaaten zu dieser Entwicklung beitragen. Deflationäre Tendenzen sieht Longchamp in Europa ebenfalls keine: "Der Ölpreis wird wieder steigen und damit auch die Inflation." Die Europäische Zentralbank werde sich seiner Meinung nach hiervon nicht irritieren lassen: "Draghi wird im Dezember das Quantitative Easing fortsetzen und die Zinsen weiter senken."

Ein gewisser Unsicherheitsfaktor sei der US-Dollar. Wenn dieser schwächer wird, drückt er auch die Rohstoffpreise, was wiederum das Wirtschaftswachstum als auch die Inflation abschwäche. Große Hilfe aus China und dem Rest Asiens könne man auch nicht erwarten: "Die Wirtschaft dort wird sich abkühlen", so Longchamp. (jb)