Schon seit einigen Jahren verlangt die Europäische Zentralbank (EZB) eine Gebühr von Banken, die bei ihr über Nacht Liquidität lagern, allerdings mit durchaus großzügigen Freigrenzen. Immer mehr Geldinstitute übertragen diesen Negativzins von minus 0,5 Prozent auf ihre Privatkunden, teilweise bereits ab dem ersten Euro. Die so zur Kasse Gebetenen haben allerdings wenig Lust, das sogenannte "Verwahrentgelt" einfach zu akzeptieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Beratungsunternehmens Investors Marketing.

40 Prozent der Befragten geben an, als Reaktion auf die Einführung von Negativzinsen ihre Guthaben abbauen und Teile davon lieber in Wertpapiere investieren zu wollen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Von Freiwilligkeit kann jedoch keine Rede sein, denn generell nimmt das Verständnis für derartige Extra-Entgelte ab: Der Aussage "Ich finde es nachvollziehbar, dass Banken und Sparkasse Negativzinsen auch an Privatkunden weitergeben" stimmten 59,8 Prozent zu, in vorherigen Umfragen waren es noch 67,5 Prozent. Die Durchsetzung von Negativzinsen dürfte in der Breite der Bevölkerung in den nächsten zwölf Monaten ebenfalls nur wenig Akzeptanz finden, prognostiziert Oliver Mihm, Chef von Investors Marketing. Entsprechend feinfühlig sollte die Branche vorgehen. Für die Banken komme es darauf an, betroffene Kunden konsequent, aber mit guten Sachargumenten auf das Sparen in Wertpapiere und Fonds anzusprechen - im Fachjargon "Einlagenveredlung" genannt. 

Dass die gelingt, ist so aussichtslos nicht: Im Jahr 2019 hatte noch mehr als die Hälfte der von Investors Marketing befragten Bankkunden angegeben, sie würden das Institut sofort wechseln, wenn dieses negative Zinsen einführt. Jetzt sind es nur noch 45 Prozent. Ein Grund könnte sein, dass die "Strafzinswelle" auch für Normalsparer mittlerweile Realität geworden ist, weil wöchentlich immer mehr Banken die Negativzinsen selbst für überschaubare Guthaben von 25.000 Euro und weniger einführen und es dadurch für Zahlungsunwillige auf Dauer schwierig wird, diesen zu entkommen, schreibt die FAZ. 

Sachwerte statt Versicherungen
Auch die Zahl der Bankkunden, die bereit sind, ihr Geld in Sachwerte zu investieren, ist laut dem FAZ-Bericht gestiegen. Knapp 38 Prozent würden ihr Vermögen in Gold, Immobilien oder Kunst investieren. 13,3 Prozent der Befragten wollen ihr Geld für hochwertige Konsumgüter wie Autos ausgeben. Nur 7,8 Prozent wollen in Versicherungsprodukte als Alternative zur Bankeinlage investieren. (fp/ps)