Die Alternative Bank Schweiz (ABS) senkt ihren Freibetrag für Negativzinsen ab August auf null Euro – und sorgt damit für Aufsehen. Sie verlangt dann von ihren Sparern Zinsen nach gestaffelter Einlagenhöhe: Bei Beträgen bis zu 50.000 Franken müssen die Kunden bald 0,25 Prozent berappen, 0,75 Prozent bei Einlagen, die darüber liegen. Andere Kreditinstitute – etwa die Commerzbank oder die Postbank in Deutschland  – könnten dem Beispiel folgen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

Das Schweizer Kreditinstitut war schon einmal Europas Vorreiter beim Thema Negativzinsen. Bereits im Jahr 2015 hat die Bank angefangen, die Strafzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) an ihre Kunden weiterzugeben. Hunderte Banken und Sparkassen zogen daraufhin nach und führten ebenfalls Negativzinsen ein, allein in Deutschland sind es heute mehr als 400 Kreditinstitute. 

"Negativzins vom ersten Euro an ist ehrlicher"
Die ABS rechtfertigt den Strafzins mit ihren konsequent nachhaltigen Investments und dem Verzicht auf "Investmentbanking, Eigenhandel, Spekulation, die dem Gemeinwohl schadet", sagt ein Sprecher gegenüber der FAZ. Auch in Deutschland gibt es bereits vereinzelt Banken, die vom ersten Euro an Negativzinsen verlangen, allerdings meist nur bei Neukunden.

Der Stuttgarter Bankenprofessor Hans-Peter Burghof verteidigt gegenüber der FAZ die Entscheidung einiger Banken, die Freibeträge für Strafzinsen zu kippen. Es sei ehrlicher, wenn die Banken und Sparkassen einen einheitlichen Negativzins vom ersten Euro an verlangten, da sie andernfalls ihre Verluste durch höhere Gebühren anderswo kaschieren müssen. Banken können ähnlich wie ein Eishändler, der sein Eis bei steigenden Temperaturen verschenkt, andernfalls nicht lange bestehen, sagt er. "Insoweit ist ein universeller Minuszins vor allem die ehrlichere Antwort auf die aktuelle Situation." (fp)