Die große Mehrheit von 93 Prozent der Selbstständigen in Deutschland sorgt für das Alter vor, nur eine Minderheit von sieben Prozent macht überhaupt nichts. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) auf Basis einer Umfrage unter 2.000 selbstständig Beschäftigten im Sommer 2024. 

Das DIW-Autoren-Trio Alexander Kritikos, Maximilian Priem und Friederich Sohrweide begründet die Studie mit der von Teilen der Politik geforderten Einbeziehung der Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung (GRV). Die Fürsprecher argumentieren, dass ein erheblicher Teil der Selbstständigen nur geringe Einkommen erzielt und sich somit in einer prekären finanziellen Situation befindet, die ihnen keine Altersvorsorge ermögliche. Und wenn sie die finanziellen Ressourcen hätten, sorgten viele doch nicht vor. Die DIW-Studie widerlegt das.

Mindestens ein Altersvorsorgeinstrument
Im Detail nutzen demnach 93 Prozent der rund 3,7 Millionen selbstständig Beschäftigten mindestens ein Vorsorgeinstrument aus einer der drei Kategorien "freiwillige flexible Altersvorsorge" wie etwa Immobilien oder Wertpapiere, "freiwillige periodische Altersvorsorge" wie etwa steuerlich begünstigte Rürup-Verträge oder "obligatorische Altersvorsorge" über die gesetzliche oder eine berufsständische Rentenversicherung. Zwei Drittel der Selbstständigen setzen auf Vorsorgeinstrumente aus mindestens zwei Kategorien. 

Besonders verbreitet sind Kritikos, Priem und Sohrweide zufolge Instrumente der "flexiblen Altersvorsorge", die nicht staatlich reguliert und gefördert sind. Dazu zählen neben Immobilien und Wertpapieren etwa auch Sparkonten und Betriebsvermögen. Über 80 Prozent aller Selbstständigen sorgen auf mindestens einem dieser Wege vor.  

Knapp 40 Prozent der Selbstständigen sind gesetzlich rentenversichert
Auf Produkte der Kategorie "freiwillige periodische Altersvorsorge" setzt mehr als die Hälfte (57%) der Befragten. Hierbei sind bei den Selbstständigen private Lebens- und Rentenversicherungen beliebt: 46 Prozent aller Befragten haben eine abgeschlossen. Auf die steuerlich begünstigte Rürup-Rente setzen dagegen nur 19 Prozent, einen Riester-Vertrag haben 22 Prozent. Ferner zahlen 39 Prozent der Befragten in die gesetzliche Rente ein, 15 Prozent in eine berufsständische Versorgung. 

Die Studie förderte ferner zutage, dass die finanzielle Lage der Selbstständigen im Mittel mit der aller Erwerbstätigen vergleichbar ist – auch wenn die Einkommen der Selbstständigen eine "höhere Streuung in beide Richtungen aufweisen", so Kritikos, Priem und Sohrweide. So beziehe ein deutlich höherer Anteil an Selbstständigen hohe Haushaltsnettoeinkommen im Vergleich zu Erwerbstätigen: Fast jeder elfte Selbstständige lebe in einem Haushalt mit einem Einkommen von über 8.000 Euro pro Monat. Unter allen Erwerbstätigen treffe dies auf rund zwei Prozent zu. 

Höheres Armutsrisiko
Auf der anderen Seite verfügen rund 22 Prozent der Selbstständigen über ein Haushaltsnettoeinkommen zwischen 2.000 und 3.000 Euro. Über alle Erwerbstätigen sind es 33 Prozent. Schließlich ist das Armutsrisiko unter den Selbstständigen höher: "Fast 17 Prozent der Selbstständigen leben in einem Haushalt mit einem bedarfsgewichteten Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle. Im Vergleich dazu lag die Armutsrisikoquote der Erwerbstätigen bei 12,4 Prozent", schreiben die drei Autoren. (jb)