Der Uniglobal ist das Flaggschiffprodukt schlechthin des genossenschaftlichen Investmenthauses Union Investment. Der Weltaktienfonds, der Monat für Monat Zuflüsse aus Tausenden Riester-Sparplänen erhält, bringt inzwischen 8,2 Milliarden Euro auf die Waage. Die Wertentwicklung ist seit vielen Jahren sehr überzeugend. Im Oktober verließ Fondsmanager Andre Köttner das Unternehmen – er soll künftig den DWS Vermögensbildungsfonds I wieder auf Kurs bringen. Daher hat beim Uniglobal inzwischen Gunther Kramert das Ruder übernommen, der zuvor fast fünf Jahre lang Köttners Stellvertreter war. Mit FONDS professionell Online spricht er über die jüngste Korrektur am Aktienmarkt und die Auswirkungen der Sparhaushalte auf die Weltkonjunktur.

Herr Kramert, kaum hatte der DAX die Marke von 8000 Punkten erklommen, ist er schon wieder unter 7500 Zähler gefallen. Ist die Aktienrally vorbei? Oder sehen wir nur eine gesunde Korrektur?

Kramert: Solange exogene Schocks ausbleiben, wird der solide Trend für Aktien anhalten. Bei den jüngsten Kursverlusten handelt es sich meiner Meinung nach also nur um eine kurzfristige Konsolidierung.

Die Konjunkturdaten haben zuletzt allerdings häufig enttäuscht, nicht nur die europäischen, sondern auch die chinesischen.

Kramert: Wir dürfen nicht vergessen, in welchem Umfeld wir uns bewegen: Die globalen Wachstumsraten werden in den kommenden Jahren im Schnitt niedriger ausfallen, als wir das in der Vergangenheit gewohnt waren. Nicht nur wir in Europa, auch die anderen großen Industriestaaten kämpfen mit hohen Staatsschulden, vor allem die USA und Japan. Die Nachfrage der öffentlichen Hand wird daher notgedrungen sehr viel niedriger ausfallen als früher. Das dämpft die Wachstumsphantasie.

Wer nicht spart, wird vom Markt abgestraft?

Kramert: Ja, früher oder später dürfte es so kommen. Der Spielraum für weitere Konjunkturprogramme ist jedenfalls sehr eingeschränkt. In den vergangenen 20 Jahren haben die Staaten bereitwillig ihre Ausgaben erhöht, um die Wirtschaft zu stimulieren, doch diese Zeiten sind vorbei. Wir müssen uns also mit einem niedrigeren Wachstum anfreunden. Das alles ist kein Drama, wir können auch damit gut leben. Aber viele Beobachter hat diese Erkenntnis verschreckt.

Dass die Staaten sparen müssen, ist allerdings nicht erst seit einigen Tagen bekannt. Was also hat die jüngste Korrektur ausgelöst?

Kramert: Um die Jahreswende herum lief die Konjunktur besser als erwartet. Deshalb fiel es im Anschluss schwerer, diese guten Zahlen noch zu übertreffen – entsprechend vorsichtiger fallen inzwischen die Einschätzungen aus.

Sobald diese Botschaft verdaut ist, geht es wieder aufwärts?

Kramert: Es spricht nach wie vor vieles für Aktieninvestments, vor allem auch mit Blick auf die niedrigen Renditen, die andere Anlageklassen abwerfen. Voraussetzung für weiter steigende Kurse ist allerdings wie erwähnt, dass exogene Schocks ausbleiben.

Malen Sie mal schwarz: Wie könnte ein solcher Schock aussehen?

Kramert: Denkbar wäre etwa eine Eskalation der Lage in Nordkorea. Auch wenn sich der Haushaltsstreit in den USA wieder zuspitzt oder Italien noch tiefer im politischen Chaos versinkt, wäre das nicht hilfreich. Momentan erwarte ich allerdings nicht, dass eines dieser Szenarien Realität wird.

Ihr Fonds hat zuletzt auch deshalb so gut abgeschnitten, weil sie die Nahrungsmittel- und die Gesundheitsbranche recht hoch gewichtet haben. Beide Sektoren sind bereits extrem gut gelaufen. Sind die Titel inzwischen nicht zu teuer geworden?

Kramert: Nein, denn die Unternehmen haben bewiesen, dass sie es dauerhaft schaffen, hohe Kapitalrenditen zu erwirtschaften. Solange die Gewinne so stark steigen wie die Kurse, bleibt die Bewertung gleich – genau das ist passiert. (bm)


Uniglobal und DWS Vermögensbildungsfonds I sind nicht die einzigen Flaggschifffonds, bei denen neue Manager am Start sind. Auch beim ältesten deutschen Aktienfonds Fondak und dem Fidelity European Growth sind neue Kapitäne an Bord. Eine ausführliche Analyse, wie sie die Portfolios neu aufgestellt haben, lesen Sie in der nächsten Printausgabe von FONDS professionell, die Ende Mai erscheint.