Der Wiesbadener Finanzdienstleister JDC Group ist nach eigenen Angaben nicht negativ von der Insolvenz des Leipziger Internetportal-Betreibers Unister betroffen. Ein Sprecher des Unternehmens deutete gegenüber FONDS professionell ONLINE sogar an, dass man in der Zentrale prüfe, ob Teile der Insolvenzmasse der Unister-Gruppe möglicherweise für Zukäufe interessant sein könnten.

Die JDC Group hatte dem Internetunternehmen erst Ende Mai, also wenige Wochen vor der Insolvenz, das Versicherungs-Vergleichsportal "Geld.de" abgekauft. Als Preis für das Paket, das den Domain-Namen und rund 200.000 Kunden umfasst, war in Branchenkreisen ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag genannt worden (FONDS professionell ONLINE berichtete).

"Wir sind bei der Übernahme langfristig und extrem vorsichtig vorgegangen", erklärte der Sprecher gegenüber der Redaktion. "Hinzu kommt, dass die Bestände von Geld.de nach und nach übernommen werden und die Bezahlung auch erst dann erfolgt." Zusätzliche Risiken wegen der kürzlich festgestellten Zahlungsunfähigkeit des Leipziger Unternehmens seien nicht zu erkennen.

Koffer mit Bargeld, Flugzeugabsturz
Die Unister-Holding, die unter anderem die bekannten Reiseportale "Fluege.de" und "Ab-in-den-Urlaub.de" betreibt, hatte vergangene Woche Insolvenz angemeldet. Kurz zuvor war Firmengründer Thomas Wagner bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Er befand sich auf dem Rückflug von Venedig, wo er frisches Geld für sein Unternehmen einwerben wollte. Als Beweis für die Zahlungsfähigkeit seines Unternehmens soll er einen Koffer mit Bargeld im Gepäck gehabt haben – die Geschichte liest sich wie ein Krimi, ist aber tragische Realität.

Das Leipziger Unternehmen braucht schon länger frisches Kapital. Auch darum wurde "Geld.de" an JDC veräußert. Zuvor war ein schon sicher geglaubter Verkauf des Portals an die HVP Hanse Vertriebspartner AG, eine Tochter des Versicherers Hanse Merkur, geplatzt. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" aus dem März zufolge soll die Transaktion wegen Bedenken der Bafin und von Wirtschaftsprüfern rückabgewickelt worden sein.

Hanse Merkur hat 34 Millionen Euro im Feuer
Für die Hanse Merkur ist die Insolvenz bitter, weil Unister enge geschäftliche Beziehungen mit dem Versicherer pflegte. Zum einen vermittelte "Geld.de" Versicherungspolicen der Hanse-Merkur-Onlinetochter BD 24 Berlin. Zum anderen hatte der Versicherer dem Internetkonzern auch immer wieder mit Krediten unter die Arme gegriffen.

Zuletzt schuldete Unister dem Versicherer insgesamt 34 Millionen Euro, berichtet "Spiegel Online" unter Berufung auf den Insolvenzverwalter. Medien hatten zuvor eine Summe von 50 Millionen Euro kolportiert. Wie viel von seinem Geld der Versicherer wiedersehen wird, wird sich im Laufe des Insolvenzverfahrens zeigen.

Die Hanse Merkur wollte sich auf Anfrage gegenüber FONDS professionell ONLINE nicht detailliert äußern: "Bei diesem Thema bleiben wir unserer Strategie der Vergangenheit treu, dass wir uns zu Geschäftspartnern und -interna grundsätzlich nicht öffentlich äußern", teilte ein Sprecher des Hamburger Versicherers uns gegenüber mit. (bm/jb)