Seit Jahrzehnten beklagt die Finanzbranche, dass die Deutschen zu wenig in die Wertpapiermärkte investieren und zu viel Geld aufs Sparbuch legen. Dies wird sich durch die jungen technologiegetriebenen Unternehmen, die sich mit dem Thema Geldanlage beschäftigen, ändern, so Oliver Vins, einer der Gründer des Frankfurter Fintechs Vaamo. "85 Prozent der Deutschen investieren nicht in die Kapitalmärkte. Diese Quote können Geldanlage-Fintechs verbessern", so Vins kürzlich auf der ersten Konferenz für Finanztechnologie an der Goethe-Universität Frankfurt.

Seiner Ansicht nach vermitteln Unternehmen wie Vaamo, Ginmon oder JustETF das Thema Geldanlage leicht und verständlich – und dies zu günstigeren Konditionen als der traditionelle Berater. Damit sinkt bei großen Teilen der Bevölkerung die Hemmschwelle, in Aktien zu investieren. "Robo-Adviser demokratisieren die Finanzmärkte und werden die persönliche Beratung im normalen Privatkundengeschäft weitestgehend ablösen", sagt der Chef des 2013 gegründeten Startups.

"User Experience" als Differenzierungsmerkmal
Erfahrungen, die Freunde oder andere Nutzer mit einem Unternehmen gemacht haben, gewinnen im Zeitalter der sozialen Medien immer mehr an Bedeutung. Auch bei der Geldanlage können sich Anbieter über positive Bewertungen der Nutzer von anderen Wettbewerbern abheben. "Viele junge Menschen vertrauen einer Plattform mittlerweile mehr als einem Kundenberater", so der gelernte Bankkaufmann Vins.

Das eigentliche Finanzprodukt gerät bei den meisten Fintechs zur Nebensache, man setzt auf breit gestreute passive Portfolios. "Durch den Portfolioaufbau kann man sich zukünftig nicht mehr von den Wettbewerbern differenzieren, wichtiger ist, wie ich dem Anleger das Thema Geldanlage am besten und einfachsten vermitteln kann", so Vins. Vaamo wirbt damit, die Geldanlage nach nur drei Klicks erledigt zu haben. Das Startup passt auch seine Kommunikation an die neuen Gegebenheiten an. Der Anleger wird beim Besuch der Internetseite zuerst nach seinen Sparzielen befragt: Legt er das Geld beispielsweise für einen Traumurlaub oder den Erwerb des neuen Familienautos zurück? Außerdem verschickt das Unternehmen einen wöchentlichen Newsletter, der über Anlagethemen aufklärt.

Keine rechtlichen Bedenken
Wie die meisten Geldanlage-Fintechs arbeitet auch Vaamo als Finanzanlagenvermittler mit Erlaubnis nach Paragraf 34f der Gewerbeordnung. Das Unternehmen bietet keine Anlageberatung an, sondern agiert nach dem "Execution Only"-Prinzip. Somit fallen die für Anlageberater geltenden Informations-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten nicht an. Rechtliche Bedenken hinsichtlich seines Geschäftsmodells hat Vins nicht: "Die Juristen haben unser Konzept abgesegnet." Er sieht einige Online-Angebote von deutschen Großbanken als kritischer an. (mh)


Eine Übersicht über die derzeit am Markt befindlichen Geldanlage-Fintechs finden Sie in der nächsten Printausgabe von FONDS professionell, die Ende September erscheint.