Fast unbemerkt herrscht rund um den Globus derzeit Übernahmefieber. Seit Jahresbeginn sind weltweit mehr als 10.000 Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) angestoßen worden. Diese umfassen bisher ein Gesamtvolumen von umgerechnet rund 623 Milliarden Euro. Die M&A-Welle sorgt dabei insbesondere für Kursfantasie bei Aktien von Rohstoffunternehmen, die durch die derzeitige Kursschwäche nun besonders attraktiv erscheinen – zumindest laut Einschätzung von Ralf Müller-Rehbehn (Portfolio Manager) und Matthias Wichmann (Rohstoffanalyst) von der VCH Vermögensverwaltung AG.

Der größte der sogenannten "proposed Deals", die begonnen aber noch nicht abgeschlossen sind, ist die Übernahme der britischen Xstrata durch Glencore. Das Transaktionsvolumen hier: fast 37 Milliarden Euro. Ein weiteres Beispiel ist das Bietergefecht um den britischen Öl-Explorer Cove Energy, das sich derzeit die thailändische PTT und Royal Dutch Shell liefern. Das Bietergefecht zeigt, das Unternehmen bei strategischen Zukäufen durchaus bereit sind, Preise weit oberhalb des aktuellen Börsenniveaus zu zahlen.

Auch abseits der großen Deals sind es im Rohstoffbereich vor allem Minenunternehmen sowie im Ölbereich Explorations- und Produktionsunternehmen, bei denen derzeit Firmentransaktionen ablaufen, wie die VCH-Experten anmerken. So wurden in 2012 bisher fast 700 Übernahmen in einem Gesamtvolumen von fast 105 Milliarden Euro eingeleitet bzw. durchgeführt. Die übernehmenden Unternehmen gelangen mithilfe der Zukäufe unter anderem an neue Förderprojekte, mit denen sie ihre eigene Ertragsbasis weiter stärken können. Dies trifft insbesondere auf einige Goldminenbetreiber zu, die über einen hohen Cash-Bestand verfügen und das Geld für gezieltes anorganisches Wachstum nutzen wollen.

Zugute kommt den Käufern dabei, dass die Bewertungen vieler Gold-Explorationsunternehmen zuvor stark gelitten haben und die Bewertungen nun ausgesprochen günstig sind. Ein Beispiel hierfür ist die Übernahme der kanadischen Trelawney Mining and Exploration durch den Wettbewerber IAM-Gold: Trelawney hatte vor dem Übernahmeangebot seit Jahresbeginn fast 21 Prozent an Wert verloren. 

Das Fazit der VCH-Experten lautet wie folgt: Die M&A-Welle bei Rohstoffaktien ist ihnen zufolge auch eine Reaktion auf die sehr niedrigen Bewertungen in diesem Bereich. Durch die seit Jahresbeginn stark steigende Zahl von Transaktionen werden nun vielfach Kursfantasien geweckt. Viele Unternehmen seien noch immer günstig bewertet, obwohl auch bei immer mehr aussichtsreichen Firmen eine mögliche M&A-Transaktion in deren Kurs eingepreist zu sein scheint. „Investoren können das Übernahmefieber also nach wie vor für sich nutzen, sollten aber selektiv vorgehen“, meint das Experten-Duo. (ir)