Vor einigen Wochen hat Star-Fondsmanager Bill Gross die Märkte kräftig durchgerüttelt. Er hatte auf einen fallenden Kurs bei deutschen Staatsanleihen gesetzt – was dann auch eintrat, und zwar schneller als gedacht. Binnen weniger Tage sackten Bundesanleihen je nach Duration um vier bis 14 Prozent ab. Denn viele Fondsmanager stimmten Gross’ Aussage zu, dass Bundesanleihen "short of a lifetime" seien – also eine große Chance, mit Leerverkäufen Gewinne zu generieren. Dieses Beispiel zeige, dass auch Staatsanleihen aus vermeintlich sicheren Häfen keine risikolose Anlageklasse sind, sagt Thomas Buckard, Vorstand der Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen (MPF) aus Wuppertal. "Aber im Gegensatz zu beispielsweise Aktien ist deren Risikoaufschlag sehr gering, und Anleger haben Staaten für minimale Zinsen Geld geliehen." Das habe vor allem mit den Eingriffen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu tun.

Es scheine sich ein Wandel abzuzeichnen, wobei noch nicht von einer echten Zinswende zu sprechen sei. "Die Tiefstände an den Anleihemärkten sind vorbei, der Zinsanstiegseffekt wird erst einmal anhalten – auch wenn freilich keine vier, fünf oder mehr Prozent in Sicht sind", so Buckard. "Die grundsätzliche konjunkturelle Situation – und damit einhergehend eine tendenziell steigende Inflation – werden den Zins dauerhaft regulieren und stabilisieren. Ohne dass die EZB alle Vorgänge beherrschen kann."

Liquiditätsschlupfloch offen halten
Anleger sollten sich deshalb mit größeren Engagements in Anleihen noch etwas gedulden. "Es ergibt noch keinen Sinn, auf lang laufende Bonds zu setzen, denn wer sich zehn oder sogar 30 Jahre bindet, setzt sich unkalkulierbaren Risiken aus", warnt Buckard. Besser sei es, Anleihen mit kurzen und mittleren Laufzeiten ins Portfolio aufzunehmen, um auch kurzfristig durch Zu- und Verkäufe Gewinnchancen zu realisieren. "Das bedeutet: Wer in Bonds mit überschaubaren Durationen investiert, erwirtschaftet vielleicht erst einmal weniger Rendite. Aber er hat eine höhere Rückzahlungssicherheit für seine Anleihen und kann viel schneller über seine Liquidität verfügen – und damit dann beispielsweise stark im Wert gesunkene, lang laufende Staatsanleihen kaufen." Denn ein günstiger Einstieg sei die beste Rendite. Die Chancen seien nämlich in solchen Sondersituationen gut, an Kupon und Kursanstieg mitzuverdienen. (fp)