Wenn es nach Ralf Werner Barth geht, dann müssen Versicherungsvermittler bereits in Kürze die Höhe ihrer Provision gegenüber dem Kunden ausweisen, und zwar in Euro und Cent und vor dem Vertragsabschluss. Dies geht nach Ansicht des Vorstands der Vereinigung zum Schutz für Anlage- und Versicherungsvermittler e.V. (VSAV) eindeutig aus dem neuen Paragraphen 61 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) hervor, den das Bundeskabinett bereits am 4. Juni 2014 beschlossen hat und den der Bundestag voraussichtlich noch im Juli verabschieden wird.

Die bisherige Norm ergänzt der Gesetzgeber um folgenden dritten Absatz: "(3) Der Versicherungsvermittler hat dem Versicherungsnehmer die ihm für den Abschluss des Vertrages mit dem Versicherungsunternehmen vertraglich vereinbarte Provision als Gesamtbetrag in Euro mitzuteilen. Er hat dies nach § 62 zu dokumentieren." Zudem würden die Versicherer durch eine Ergänzung des Paragraph 7 VVG verpflichtet, Kunden in der Lebens- und Krankenversicherung neben den Abschluss- und Vertriebskosten zusätzlich auch die Verwaltungskosten mitzuteilen.

Bundesregierung mit auffällig großer Eile
„Angesichts der Eile, mit der die bisherige Expertenanhörung stattfand und mit der die Bundesregierung dieses Gesetzesvorhaben vorantreibt, ist zu erwarten, dass der Bundestag die neuen Gesetzesvorschriften in etwa auch so wie bisher formuliert verabschieden wird“, erklärt Barth. Und das neue Gesetz werde gültig mit seiner Verkündung.

Die Provisionsoffenlegung ist nach dem Wortlaut des Gesetzesentwurfs nicht auf die Lebensversicherung beschränkt und somit bei allen Vertragsarten zu beachten. Da  Provisionen prozentual unterschiedlich hoch sind, etwa je nach Zahlungsweise des Kunden, erwartet das Finanzministerium, dass die Angaben nun "in Euro und Cent" zu erfolgen haben.

Zweiter wesentlicher Aspekt der Gesetzesänderung: Nach Einschätzung von VSAV-Vertrauensanwalt Johannes Fiala sind die gesamten mit dem Versicherer vereinbarten Provisionen der jeweiligen Vertriebsgesellschaft offenzulegen, also nicht nur diejenigen des jeweiligen Vermittlers. Diese Darstellung der Offenlegung entspräche etwa der aus einem AIF-Kapitalanlageprospekt, in dem ebenfalls die gesamte Provision ausgewiesen werden soll, so der Jurist.

Bei Täuschung steht die Zulassung auf dem Spiel
"Für Vertriebspools, Strukturvertriebe und Assekuradeure dürfte sich das Geschäft mit Versicherungen damit deutlich erschweren", ist sich Fiala sicher. Die Versicherer würden, alleine schon durch Ihren neu auferlegten (GDV-)Kodex, überprüfen müssen, ob die Vermittler oder Untervermittler die Gesamtprovision korrekt angegeben haben. Unkorrektheiten könnten zu Rückabwicklungen führen. Erweise sich sogar eine Täuschung über die Provisionshöhe, stehe die Zulassung des Vermittlers auf dem Spiel.

"Insgesamt versucht die Politik durch das neue Gesetz offensichtlich eine Stärkung des Verbraucherschutzes zugunsten der Honorarberatung zu erreichen", ergänzt Ralf Werner Barth. Nach seiner Ansicht wird dadurch das Vordringen der Honorarberatung und der Vertrieb von Nettotarifen, insbesondere im Vertrieb der Gewerbe- und Industrieversicherungen unterstützt. Der Kunde werde zudem die Provision in Euro stärker ins Verhältnis setzen zum gefühlten Wert der Beratung und zum Zeiteinsatz des Vermittlers. Der Kunden- und Verbraucherschutz werde dadurch zwar weiter gestärkt, bei einer Vielzahl von Vermittlern dagegen werde die neue Situation zu einer deutlichen Neuausrichtung beziehungsweise einer besseren Weiterqualifizierung führen, aber auch eine Ausdünnung des Vermittlermarkts mit sich bringen.

Neue Lage bietet auch Chancen
Der VSAV empfiehlt Vermittlern eine schnelle Einstellung auf die neue Situation und gegebenenfalls eine Neuausrichtung ihrer bisherigen Arbeitsweise. "Wir werden unseren Mitgliedern durch die Leistungen unserer Netzwerkpartner und unsere Informationspolitik dabei alle Unterstützung bieten", so Barth, der in der neuen Situation sogar Chancen erkennen kann. So könnten Vermittler von der neuen Gesetzgebung regelrecht profitieren, indem  sie sich in der geforderten gesetzlichen Vorgabe und mit einer hohen Beratungsqualität positiv vom Wettbewerb abheben und auch im Vergleich mit Honorarberatern gut abschneiden.

Über die Vereinigung zum Schutz für Anlage- und Versicherungsvermittler e.V.:
Der VSAV ist ein unabhängiger Verein mit der Zielsetzung, die fachlichen, beruflichen und unternehmerischen Kompetenzen der Mitglieder zu fördern. Diese Ziele erreicht der Verein durch die Identifizierung und Minimierung der Risiken der Mitglieder sowie durch die Bündelung und Vernetzung der dafür vorhandenen Kompetenzen im Markt. Dem im Jahr 2004 gegründeten und im März 2005 eingetragenen Verein gehören heute über 800 Mitglieder und Unternehmer an, die sich aus den Berufsgruppen der Versicherungsvermittler, Finanzdienstleister, Steuerberater, Rechtsanwälte und mittelständischen Unternehmen zusammensetzen. Mit ca. 50 Netzwerkpartnern stehen den Mitgliedern Experten und Dienstleister rund um die beruflichen Aufgaben und Belange zur Verfügung.
(hh)