Ein Platzen der Kohlenstoffblase würde negative Auswirkungen auf das globale Finanzsystem und die Weltwirtschaft haben, warnte Jochen Wermuth, Gründer und CIO des Family Office Wermuth Asset Management, im Rahmen des Berlin Investment Forum. Eine Woche nach dem G7-Gipfel und auf dem Weg zur Weltklimakonferenz (COP21) Ende des Jahres in Paris diskutieren namhafte Experten dort namhafte Experten über die Folgen des Klimawandels und die weltweiten finanziellen Chancen und Risiken der globalen Energiewende. Als Kohlenstoffblase ("Carbon Bubble") wird die Tatsache bezeichnet, dass nur noch etwa 20 Prozent der weltweit bereits gefundenen und bilanzierten Kohlenstoffreserven in Form von Kohle, Öl und Gas verbrannt werden dürfen, wenn die beim G7-Gipfel noch einmal bekräftigten klimapolitischen Ziele erreicht werden sollen. Die übrigen 80 Prozent können nicht mehr genutzt werden und liegen wertlos in den Bilanzen der Öl-, Gas- und Kohleunternehmen.

Ein enormer Wertberichtigungsbedarf steht bevor, selbst wenn es auf der Weltklimakonferenz in Paris zu keiner Einigung kommt. "Erneuerbare Energien sind bereits jetzt ohne Subventionen wettbewerbsfähig und reduzieren die Nachfrage nach fossilen Energien drastisch", sagte Wermuth. Es sei daher wichtig und dringend, dass Investoren diese Risiken transparent machten, ihre Bilanzen anpassten und möglichst aus fossilen Energieträgern ausstiegen. Die bilanziellen Risiken würden von den meisten Marktteilnehmern bislang noch deutlich unterschätzt.

Kontrollen sind wünschenswert
Investmentbanken, Versicherer und Pensionskassen sollten sich verpflichten, höhere Rückstellungen für Investitionen zu bilden, die von der Kohlenstoffblase bedroht sind, forderte Wermuth. Dies betreffe nicht nur Investments in Öl-, Gas- und Kohleproduzenten, sondern auch deren Schulden sowie Länder, die von Öl-, Gas- und Kohleexporten abhängig sind. Zudem sollten Investmentbanken und andere Broker ihre Nettopositionen in fossilen Energien regelmäßig gegenüber ihren Kunden offen legen müssen. Die Einführung aufsichtsrechtlicher Kontrollen sei in diesem Zusammenhang wünschenswert. (fp)

Das Berlin Investment Forum wird vom Tagesspiegel veranstaltet. Mitinitiator ist Wermuth Asset Management, weitere Partner sind die European Climate Foundation, ResponsAbility und Germanwatch. Rund 150 ausgewählte Family Offices, Analysten, Investoren und Entscheider haben sich zur Auftaktveranstaltung versammelt.